31. Januar 2018

[A-Z Teil 2] I und J

I... wie Internet und Isolation
Wenn ich zurückdenke, haben das Internet und ich schon seit nun 18 Jahren eine Liaison miteinander. Meinen ersten eigenen PC bekam ich mit 9 Jahren. Dieser Rechner konnte wirklich nicht viel und an Internet war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht zu denken. Als ich 12 Jahre alt war, hatte mein Vater einen PC mit dem man auch tatsächlich Zugriff aufs Internet hatte. Aber wie bei den meisten, war meine Zeit im Internet stark begrenzt, was vor allem an den hohen Kosten lag. Einige Jahr später war die Nutzung des Internets schon nichts Besonderes mehr... man hatte E-Mailfreundschaften (was die damaligen Brieffreundschaften ablöste), schrieb seine Referate mit Hilfe von Artikeln aus dem WWW und chattete am Wochenende mit wildfremden Menschen. Jaja... früh übt sich. Wenn ich an meine Jugend denke, hat das Internet zwar eine untergeordnete Rolle gespielt, aber viele Lebenserfahrungen habe ich dennoch mit Hilfe des Internets gemacht. Meinen ersten Freund, die erste große Liebe, habe ich damals auch übers Internet kennengelernt. Uns trennten ca. 360km und die meiste Zeit waren wir nur übern den Computer und das Telefon verbunden. Allerdings ermöglichte mir diese Fernbeziehung in jungen Jahren einige Dinge, die anderen in meinem Alter nicht erlaubt waren. Ich fuhr regelmäßig alleine mit dem Zug zu meinem damaligen Freund, sah viele Orte, die ich ohne diese Beziehung nicht gesehen hätte. Habe eigenverantwortlich vor Ort Entscheidungen für mich treffen müssen. Es war einfach eine Lebenserfahrung, die ich nicht missen möchte. Und diese Zeit wäre mir entgangen, wenn es das Internet nicht gegeben hätte. 
Heute ist mein Verhältnis zum Internet anders. Alltäglicher als es schon damals war. Es ist selbstverständlich geworden. Manchmal auch nervig. Gerade seitdem es Smartphones gibt, bin ich manchmal über den ständigen Zugriff zum Internet genervt. Mal eben was googlen,  ständig Whatsapp-Gebimmel, hier ein Foto, dort eine Nachricht, ein Ping wegen einer eingegangen E-Mail. Vielleicht liegt es an meinem Alter... 30 ist eben keine 16 mehr 😂... aber so dankbar ich dafür bin, dass es das Internet gibt... es nervt mich hin und wieder trotzdem. 



Ich bin nun seit 10 Jahren erkrankt. 10 Jahre ist eine verdammt lange Zeit. Als damals die Erkrankung ausbrach (ich weiß... "ausbrach" ist ein falsches Wort in meinem Zusammenhang, aber anders wüsste ich es nicht zu erklären), war ich sehr stark eingeschränkt. Party machen, Freunde besuchen, spazieren gehen, einkaufen....
...alles unmöglich, da ich nicht mal wusste, wie ich den Arzt erreichen sollte, der 5 Minuten von meinem Wohnort entfernt seine Praxis hatte. Wie sollte ich so ein soziales Leben führen? Es ging einfach nicht. Ich verkroch mich zuhause. Versuchte erst einmal für mich mit all dem klar zukommen. Freunden sagte ich ständig ab, begründete dies selten. Meine damalige Ausbildung musste ich leider abbrechen, woraufhin auch die Kontakte aus diesem Bereich meines Lebens nicht hielten. Ich hatte nur noch meinen damaligen Freund und meine Familie. Als dann auch noch meine Beziehung zerbrach, hatte ich so gut wie niemanden mehr. Eine ganze Weile machte es mir nichts aus. Dann gab es immer wieder Phasen, in denen ich besonders einsam war und irgendwann lernt man einfach damit umzugehen. 
Heute ist es tatsächlich so, dass ich mir mein Leben gar nicht mehr anders vorstellen kann. Ich habe keine wirklichen Freunde. Menschen, die mir auf meinem Lebensweg begegnet sind, sind irgendwie nur vorbeigehuscht und selten geblieben. Die häufigsten Sozialkontakte habe ich am Arbeitsplatz. Die meiste Zeit bin ich zuhause oder bei meiner Familie. Ich genieße die Zeit in meiner Partnerschaft und irgendwie brauche ich nicht mehr. Ich bin auch der Meinung, dass ich so lange schon "alleine" bin, dass ich verlernt habe, eine Freundschaft aufrecht zu erhalten. Ehrlich gesagt klingt es für mich mehr nach Anstrengung als nach einem Gewinn der Lebensqualität. Ich bin vielleicht die meiste Zeit allein, aber dennoch nicht einsam. Den Unterschied hab ich in den letzen 10 Jahren gelernt und der Weg dahin war nicht einfach.

 J... wie Jobs und Jahresurlaub

Im Allgemeinen halte ich Arbeit bzw. arbeiten für wichtig. Teilweise gibt es einem eine Aufgabe im Leben und man hat ein ganz anderes Selbstwertgefühl, wenn man am Ende des Tages weiß, dass man produktiv war. So geht es zumindest mir. Da ich bereits in meinem Leben die Erfahrung machen musste, wie es ist, arbeitslos zu sein, denke ich schon, dass ich weiß, wovon ich hier schreibe. Ich habe schon früh angefangen zu arbeiten. Ich war 11 oder 12 Jahre alt, als ich das erste Mal Geld verdiente. Ich weiß noch, dass ich damals mit meinem großen Bruder Zeitungen ausgetragen habe. Es brachte zwar nicht viel Geld ein, aber immerhin besserte es ein wenig das Taschengeld auf. Ich habe es damals echt gehasst. Heute weiß ich, dass auch dieser Abschnitt meines Lebens wichtig war. In meinen Erinnerungen hat es ständig geregnet, wodurch man aufpassen musste, dass die Zeitungen nicht aufweichten ODER es war soooo heiß, dass man sich mit dem Ziehwägelchen echt durch die Straßen quälte. Und dann noch bergauf und bergab. Meine erste Ausbildung machte ich dann im Krankenhaus. Früh war für mich klar, dass ich Krankenschwester werden wollte.
Ich muss dazu sagen, dass es nicht so ein naiver Traum war, wie das bei vielen der Fall ist. Ich hatte vorher bereits Erfahrung gesammelt, indem ich insgesamt 15 Monate Praktikum in einem Krankenhaus absolviert hatte. Ich liebte es und hatte mir bereits meinen weiteren Werdegang im Krankenhaus ausgemalt. Meine Noten waren sehr gut und nach knapp 2,5 Jahren Ausbildung war meine Liebe für diesen Job ungebrochen... bis eines Tages meine Krankheitsgeschichte begann. Ich musste mich schweren Herzens von meinem Traumjob verabschieden. Da ich nicht zu den Menschen gehöre, die sich wohlfühlen, mal nichts zutun, habe ich in kurzer Zeit den Entschluss gefasst, eine neue Ausbildung zu beginnen. Zu dem Zeitpunkt stand allerdings nur fest, dass es ein Bürojob sein musste. Mein Gedanke war "Papier ist geduldiger, als Patienten". Welcher Patient hätte denn Verständnis dafür, dass die Krankenschwester ständig zur Toilette rennt, während er halbnackt darauf wartet, gewaschen zu werden?! Ich fand ziemlich schnell einen Ausbildungsplatz in einem Industrieunternehmen.
Nach 3 wirklich ätzenden Jahren hatte ich endlich eine abgeschlossene Ausbildung vorzuweisen und wusste nun, dass ich trotz meiner Erkrankung ein "normales" Leben führen konnte. Ich war so glücklich und erleichtert, dass ich mich direkt von meinem Ausbildungsbetrieb verabschiedete und mich auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber machte. Dank meines guten Notendurchschnitts hatte ich die Hoffnung, dass ich trotz angespannter Arbeitsmarktsituation schnell einen neuen Job finden würde. In diesem Fall hatte ich wirklich Glück. Kurz nachdem ich meine Arbeitssuche auf dem Arbeitsmarkt platziert hatte, bekam ich eine befristete Stelle bei einer (nicht sonderlich beliebten) Behörde und wurde dort schnell in neue Aufgabengebiete eingearbeitet. Endlich hatte ich wieder eine Stelle, die mir lag. Ich hatte das Gefühl, ich könnte Menschen helfen. Etwas bewegen (wenn auch nicht viel). Ich saß nicht nur hinter einem Schreibtisch und tippte auf einer Tastatur herum. Ich konnte helfen...
Obwohl meine Vorgesetzten und Kollegen mein Engagement positiv bemerkten und mich wirklich gerne behalten hätten, lief mein befristeter Vertrag aus und man musste mich gehen lassen. Und nun stand ich wieder da... ohne Aufgabe... 10 Monate lang. Es war wirklich nicht so traumhaft, wie es sich anhört. Ich nutzte zwar die Zeit, um meine Reha zu machen, allerdings hatte ich ständig die Angst im Nacken, Arbeitslosengeld II beziehen zu müssen. Nach dieser (für mich) langen Zeit bekam ich dann allerdings den erlösenden Anruf meines jetzigen Arbeitgebers. Ich hatte eine Stelle... unbefristet.... Heimatnah.... mit tollen Kollegen.... Heute bin ich wirklich froh das alles so gekommen ist, wie es war. Nun knapp 3,5 Jahre später fühlt es sich fast so an, als wären all die ernüchternden Vorkommnisse nicht passiert.
Arbeiten bedeutet für mich mehr als nur "Geld verdienen". Es bietet mir soziale Kontakte. Das Gefühl, gebraucht zu werden. Eine Aufgabe, der ich gewachsen bin. Die Möglichkeit mich ausserhalb meiner eigenen 4 Wände auszuleben. Hier bin ich ein Mitglied der Gesellschaft und nicht nur die Kranke, die zuhause einen Blog schreibt. Das ist mir wichtig!

Fast alle meiner Kollegen und Ex-kollegen haben/hatten immer große Pläne für ihren großen Sommer-/Jahresurlaub. Meist wurde geflogen... in die Sonne... Strand... Meer.... 
Ich selbst habe in meinem Leben erst 4 Mal Urlaub am Meer gemacht. Meist war Familie darin verwickelt, so dass ich nicht mal in den Genuss eines Hotelurlaubs kam. Seit 2007 ist für mich ein Urlaub mit Fliegen undenkbar. Ich könnte es gar nicht genießen und die Ängste wären zu groß. Es gab eine Zeit, da war ich neidisch und die Urlaubserzählungen meiner Freunden und Kollegen machte mich ein wenig traurig. Nach all den Jahren macht mir das aber nichts mehr aus. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich so einen "richtigen" Urlaub (Flug, Hotel, All-Inclusive) noch nie hatte.... auch darüber war ich früher traurig. Heute bin ich dankbar dafür. Denn wie soll man etwas vermissen oder nachtrauern, wenn man es nicht kennt? Ich bin mir darüber im Klaren, dass viel Lebenserfahrung und Eindrücke der Erde an mir vorrübergehen. Ich verpasse viel. Aber es stimmt mich nicht unzufrieden. Ich habe es akzeptiert. Still und leise schlummert aber in mir die Hoffnung, dass ich irgendwann diese Erfahrung noch machen werde. Und wenn auch nur einmal.

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