29. März 2017

Ein neuer Therapieansatz

Während der letzten zwei Sitzungen bei meiner Psychotherapeutin, sind wir zu dem Entschluß gekommen (bzw. hat es sich so ergeben), dass wir nun in der Therapie eine andere Richtung einschlagen werden.
Zuvor haben wir primär meine Angst und meine katastrophisierenden Gedanken analysiert, uns mit meinen schwierigen und auch guten Situationen befasst...

Nun ist es aber so, dass meine Therapeutin einen wichtigen Aspekt ansprach, der mir selbst gar nicht so bewusst war.


Aber erst einmal von Vorne:

Wie ich bereits hier im Blog schon mal beschrieben hatte, habe ich...
...öfters Schwierigkeiten beim Autofahren. Das bedeutet, dass ich mich oftmals ziemlich unsicher fühle, nervös bin und mir Sorgen um meine Konzentration beim Fahren mache. Für Aussenstehende ist das kaum bis gar nicht zu bemerken. Ich fahre sicher, ruhig und mache nicht den Anschein, als ob ich in jedem Moment hinterm Lenkrad ausflippen würde. Dabei geht so oft ziemlich viel in mir vor.

Wie dem auch sei... 
...natürlich weiß auch meine Therapeutin davon und stellte fest, dass mein Hauptproblem die Sorge um Andere ist. Viel mehr darum, was andere Menschen über mich denken. Und machte mir auch klar, wie unberechtigt diese Sorgen eigentlich sind. (Auch wenn das nur bedingt hilft).

Um ein Beispiel zu nennen: 
Ich fahre bergab auf einer kurvenreichen Strecke, die auf 50 km/h begrenzt ist. Vor mir fährt ein Auto, welches schätzungsweise mit gut 75 km/h den Berg hinunter fährt. Ich selbst fahre zwischen 50 - 55 km/h. Hinter mir fährt ein weiterer Wagen dicht auf (beabsichtigt oder unbeabsichtigt sei mal dahingestellt). Schon alleine dieses "Auffahren" führt zu einer Nervosität und ich habe das Gefühl, ich müsse mit dem Vordermann "mithalten", um den Verkehrsfluß nicht negativ zu beeinträchtigen. Und das, obwohl ich mich eigentlich korrekt verhalte. 

Aber dieser Gedanke, andere Menschen auf irgendeine Art und Weise behindern zu können, macht mich wirklich nervös und fühlt sich einfach schlecht an. Es ist ein Co-Gedanken zu dem, anderen nicht zur Last fallen zu wollen...
Nun ja, das eben mal als Beispiel.

Meine Therapeutin sagte einen wichtigen Satz zu mir, der mir seit dem immer wieder im Kopf herumschwirrt : "Gestehen Sie sich Raum ein".
Sie ist der Meinung, dass ich in den letzten Jahren aufgrund meiner Erkrankung an Selbstvertrauen eingebüßt habe.

Und damit hat sie verdammt recht. 

Mir war das bis dato nicht bewusst, aber als sie es aussprach, gab es für mich keinen Zweifel. 
Vor einigen Jahren war ich selbstbewusst, hatte immer das Gefühl, ich wüsste was ich tue und vor allem hatte ich das Gefühl die "Kontrolle" zu haben (jaja... ein Irrglaube).
Heute ist es so, dass ich in den letzten Jahren so sehr das Gefühl des Kontrollverlustes gespürt habe, dass ich gar nicht mehr weiß, in welcher Hinsicht ich mir selbst trauen kann.
Daher auch die Angst, ich könnte mir in die Hosen machen ;-)

Versteht mich nicht falsch... wenn man mich kennen lernt bin ich offen, humorvoll und vor allem wirke ich nicht so, als ob mir das nötige Selbstbewusstsein fehlen würde. Allerdings bin ich auch ziemlich gut darin, Selbstsicherheit "vorzutäuschen" und Selbstzweifel zu überspielen.
Man könnte auch sagen, dass ich in dieser Hinsicht "falsch" bin.
Ich bin wie ein Nichtschwimmer, der jahrelang vorgibt schwimmen zu können... bis man ihn auf die Probe stellt....

Nun wird meine Therapie also unter einem neuen Ansatz geführt... Selbstvertrauen schaffen, Selbstzweifel lösen.

Ich werde in 2 Monaten 30 Jahre alt und umso näher mein Geburtstag rückt, je mehr wird mir klar, dass ich meine ganzen 20er Jahre verschenkt habe... ich habe sie an meine Angst verloren und diese 10 Jahre bekommt man einfach nie wieder.

Daher bin ich dankbar, wenn nun ein neuer Ansatz ausprobiert wird. Ein neuer Weg begangen wird.

Wir werden sehen, wie effektiv das am Ende ist :-)

Bis dahin...

L.H.P. 

Kommentare:

  1. Ich hoffe der neue Ansatz bringt dich voran. Ich "feiere" nächstes Jahr 10 jähriges Jubiläum mit meinen Ängsten und muss sagen, wenn ich darüber nachdenke, könnte ich schreien. Diese blöde Frage, was wäre wenn alles anders gelaufen wäre. Ich versuche mir dann immer vor Augen zu halten, was ich mir erkämpft habe. Aber immer klappt das nicht.

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    1. Erst einmal vielen Dank, dass du so eine treue Leserin bist und so fleißig kommentierst :-) Wirklich vielen Dank :-)

      Ja, 10 Jahre ist schon eine lange Zeit und natürlich frage ich mich auch, was heute wäre, wäre ich nicht erkrankt?! Wäre ich glücklicher? Hätte ich die Zeit intensiver genutzt?
      Vielleicht nicht... aber wer weiß das schon?

      In den letzten Tagen zwinge ich mich förmlich dazu, nach Vorne zu schauen... nicht zurück. Fällt schwer, aber ein Blick zurück bringt auch nur bedingt weiter....

      Und sich vor Augen zu halten, was man bisher schon alles erreicht hat, ist da so viel mehr wert :-)

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