30. November 2016

Das Gefühlshaus

Nun endlich melde ich mich auch mal wieder... 
... nachdem ich letzte Woche krank war und mir zuvor irgendwie die Zeit fehlte, habe ich mich nun mal wieder hingesetzt und für euch in die Tasten gehauen.

In den letzten Wochen gab es allerdings auch nicht viel zu berichten. 
Aber das wenige möchte ich euch ja nicht vorenthalten, daher beginne ich einfach mal von Vorne:

Ich hätte Anfang des Monats eigentlich einen Termin bei einem Psychiater gehabt, welchen ich allerdings absagte. Grund dafür war, dass es ein Folgetermin sein sollte. 
Als ich vor einigen Wochen bei dem Arzt war, verschrieb er mir ein Antidepressivum, welches ich mal "ausprobieren" sollte (siehe hier). Es war vorgesehen, dass ich das Präparat 3-4 Wochen einnehme und wir uns dann wiedersehen, um zu besprechen, wie es mir damit geht. 




Einige Zeit später ging ich ja dann zu einer Urologin, welche mir ebenfalls ein Medikament verschrieb (siehe hier). Dieses Medikament solle...

... allerdings nicht in Kombination mit dem Antidepressivum genommen werden. Da ich zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise noch nicht mit der Einnahme begonnen hatte, entschied ich mich kurzerhand, damit noch zu warten und das Medikament der Urologin lieber zu nehmen. 
Somit war natürlich der Folgetermin überflüssig. 

Mitte des Monats war ich dann erneut in der urologischen Praxis. Um nicht ganz unvorbereitet dort zu erscheinen, machte ich am Wochenende zuvor erneut eine Aufzeichnung meiner Ein- und Ausfuhr. 
Es machte sich bemerkbar, dass ich zwar etwas seltener zur Toilette gehe (nicht der Rede wert), aber sich die Urinmenge, bei der sich die Blase meldet, nicht deutlich erhört habe. Die Ärztin und ich sind nun erst einmal so verblieben, dass ich bis Ende Januar die Tabletten weiter nehme, zwischenzeitlich meine Ein- und Ausfuhr notiere und wir dann erneut darüber sprechen.

Sollte sich mein "Zustand" nicht verbessern, würde eine weitere Untersuchung anstehen... 
Da ich bereits weiß, was mich dann erwartet, hoffe ich einfach, dass ein kleines Wunder geschieht und mir das erspart bleibt.

Abgesehen von den Arztterminen war ich auch in diesem Monat zweimal bei der Therapie.
Um das Übliche "wie geht es Ihnen?"-Geplänkel auszulassen... ich habe für mich eine kleine, neue Erkenntnis gewonnen.

In vielen Situationen fange ich an mit mir selbst zu diskutieren. Nur für mich, in meinem Kopf.
Ich erstelle eine Pro- und Kontraliste, ich mache mir selbst vor noch nicht passierten Szenarien Angst, auch, wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass dies jemals so eintreffen wird und und und.
Viele Wünsche, Pläne und Vorhaben werden im Keim erstickt, weil ich einfach zu sehr mit mir und den Gegebenheiten hader.
Meine Therapeutin erklärte mir nun, dass das der "innere Kritiker" sei. 
Natürlich habe ich von dem schon gehört, hatte ihn aber nie mit meiner Symptomatik in Verbindung gebracht. Ich habe ihn immer mit Perfektionismus assoziiert, aber anscheinend lag ich da nicht ganz richtig.
Wie dem auch sei... dieser "innere Kritiker" hinterfragt alles, redet alles schlecht und findet zu jedem "du schaffst das schon" gefühlte 5.000 Gegenargumente.

Meine Therapeutin erklärte mir, dass ich aufhören sollte, mit ihm zu diskutieren. Sie sagte einen, für mich wichtigen Satz: "Sie können nicht gewinnen!"
Ich kann nicht gewinnen, ich habe keine Chance den Kritiker zu schweigen zu bringen. Er ist da und ich muss das akzeptieren.

Sie schlug mir vor, mir ein "Gefühlshaus" zu bauen. Jedes Gefühl/ jeder Zustand hat darin Platz und für sich ein eigenes Zimmer. Und auch der Kritiker wohnt in diesem Haus. Allerdings entscheide ich, wie viel Platz ich ihm in dieser Immobilie einräume. UND mir steht es zu, ihn jedesmal auf sein Zimmer zu schicken, sobald er mir auf den Keks geht. 

Ich bin ein Mensch, der gut mit "Bildern" arbeiten kann. Sobald ich es mir vorstellen kann, manifestiert es sich auch schneller bei mir. 

Also habe ich nun ein Gefühlshaus... 
Um es mir selbst etwas einfacher zu machen, habe ich mir einfach vorgestellt, dass mein Körper genau dieses Haus darstellt. Die Liebe wohnt da, wo mein Herz sitzt, die Vernunft wohnt in meinem Kopf, die Angst wohnt in meiner Magengegend usw... und der Kritiker? Der wohnt im Keller... in einer winzigsten Kammer, in die er sich verziehen muss, wenn es mir zu bunt wird... er bewohnt meinen rechten, dicken Zeh :-D

Ok... das klingt alles ziemlich verrückt und ich bin mir dessen absolut bewusst. 
Aber wer schon länger meine Geschichte verfolgt, weiß, dass ich schon so manches ausprobiert habe.
Ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass man manchmal ungewöhnliche Wege gehen muss, um einen kleinen Erfolg für sich zu erzielen.

Mal sehen, ob das mit dem Haus funktioniert...

Bleibt tapfer!

L.H.P.

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