2. November 2016

[A-Z] W und X

W... wie Werdegang, Wünsche und Würde

Wenn ich zurückblicke, kann ich mit Sicherheit behaupten, dass ich mir vor 10 Jahren nicht vorstellen hätte können, dass mein Leben mal so holprig verlaufen würde.
Ich hatte einen kleinen, aber feinen Plan für meine Zukunft. 
Ich war in einer festen, langfristigen Beziehung. Hatte den Wunsch und das Ziel Krankenschwester zu werden. Ich war bereits bei meinen Eltern ausgezogen und stand somit auf eigenen Beinen. Ich adoptierte mein erstes eigenes Haustier und war größtenteils selbstständig. 
Und dann kam die Erkrankung aus dem Nichts... stellte alles auf den Kopf.
Ich brach meine Ausbildung ab, die Beziehung ging in die Brüche, ich zog aus meiner ersten Wohnung aus und war 5 Monate räumlich von meinen Haustieren getrennt. 
Ich musste in jeglicher Hinsicht wieder von Vorne anfangen. Mich aufrappeln.
Zum Glück sind nicht all diese Dinge gleichzeitig passiert, aber in einem relativ kurzen Zeitrahmen.
Heute... knapp 10 Jahre später kann ich zumindest einige (für mich persönliche) Erfolge verbuchen: Ich habe eine neue Wohnung gefunden und lebte 4 Jahre allein mit meinen Miezen, ich habe erfolgreich eine weitere Ausbildung abgeschlossen, die überhaupt nichts mit meinem eigentlichen Traumberuf zutun hat. Ich habe gelernt und vor allem lernen müssen, alleine zu sein. Ich habe eine neue Liebe gefunden...
Niemals hätte ich gedacht, dass mein Werdegang so verlaufen würde. Aber nur, weil man etwas nicht erwartet, heißt es noch lange nicht, dass es automatisch schlecht sein muss.
Im Gegenteil... ich denke schon, dass ich stolz auf das sein kann, was ich erreicht habe. 
Ich habe mich nicht vollends unterkriegen lassen. Habe den Anschwung gefunden, um am Ende wieder auf meinen Füßen zu stehen.
Und wenn mir diese Zeit eins gezeigt hat, dann: Dass keine Situation aussichtslos ist. Es gibt immer einen Weg. Egal, wie lange man benötigt, um sein Ziel zu erreichen.



Neben dem großen Wunsch, irgendwann...
...wieder ein "normales, unbeschwertes" Leben führen zu können, habe ich natürlich auch noch andere Wünsche, die mich vorantreiben.
Natürlich wünsche ich mir, trotz der Einschränkung weiterhin gesund zu bleiben. 
Ich wünsche mir, mir mit meiner Liebe eine Zukunft aufzubauen. Das Gefühl "angekommen zu sein" auszubauen. Ich wünsche mir, dass ich weiterhin mit meiner beruflichen Wahl zufrieden bleibe. Ich möchte in meiner kleinen, eingeschränkten Welt glücklich sein.

Ich habe das Thema Würde absolut bewusst gewählt, da in vielen Teilen mit psychischen Erkrankungen nicht sonderlich würdevoll umgegangen wird. 
Die Gesellschaft fühlt sich soooo auf- und vor allem abgeklärt. Aber das ist meist nur oberflächlich. Ich denke, dass ich für mich einen Weg gefunden habe, so würdevoll wie möglich mit meiner Erkrankung umzugehen. Offenheit ist das Zauberwort.
Keine Scheu davor zu haben, das Thema offen anzusprechen... nicht zu umgehen.
Ganz nach dem Motto: Das bin ich und das gehört zu mir!
Ich beantworte Fragen, wecke Neugierde und geben den Menschen in meinem Umfeld Raum, für sich einen Weg zu finden, mit meiner Einschränkung umzugehen.
Ich habe mit der Zeit festgestellt, dass es viele Möglichkeiten gibt, mir diesbezüglich entgegen zu treten. Einige stellen einfach viele Fragen und wollen mehr wissen, um genau zu erfahren, was diese Einschränkung beinhaltet. Andere versuchen mit Humor und saloppen Sprüchen Unsicherheit zu umschiffen. Wahrscheinlich wissen diese Personen auch nicht, dass dieses Thema von mir ohne Scham behandelt wird und versuchen somit eine (für sie) unangenehme Situation zu lockern. Das ist mir alles recht, solange Unklarheiten nicht totgeschwiegen werden. 
Somit bleibe ich aufrecht, trage das Ganze mit Würde und Fassung.
So zu tun, als ob Nichts wäre, mich zu verstecken würde nur den Bau eines Kartenhauses begünstigen, welches irgendwann über mir zusammenbricht.
Und auch das rate ich den meisten Menschen... seid offen. Wir sind alle nur Menschen und gerade heutzutage werben viele für sich damit, dass sie voller Empathie seien.
Nutzt das aus! Denn nur dann kann man am Ende zu sich selbst stehen und mit Würde den Mitmenschen gegenübertreten.

X... wie ..ach lassen wir das :-D

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