14. Oktober 2016

Miktionstagebuch & Schnellstraße

Zuletzt schrieb ich über meinen Termin bei der Urologin, welche mir eine Hausaufgabe aufgab und mit mir einen neuen Termin vereinbarte (siehe hier).
Der Termin steht schon bald vor der Tür und ich bin gespannt, was mich dann erwartet. 
Könnte interessant werden.
Meine Hausaufgaben habe ich auch bereits erledigt... ich habe zwei Tage ein Miktionstagebuch geführt und bin zu einer (für mich) erstaunlichen Erkenntnis gekommen. 
Laut einigen Quellen aus dem Internet fasst eine Blase zwischen 300 - 500 ml, bevor Harndrang entsteht.
Bei mir ist es so, dass ich (bis auf 2-3 Ausnahmen) schon bei 150ml das Bedürfnis habe, eine Toilette aufzusuchen. Die gesamte Ausscheidungsmenge am Ende des Tages war aber vollkommen in der Norm. Ich gehe eben nur öfter als andere.... 

Natürlich stelle ich mir da auch die Frage, woran das liegen könnte?! 
Habe ich mir die Blasenmuskulatur über die letzten Jahre "versaut"? Ist sie einfach nur "untrainiert"?
Gibt es vielleicht doch ein "anatomisches Leiden"? Spielt die Psyche mir einen Streich?


Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Aber gerade weil ich die Ursache klären möchte, bin ich ja nun in urologischer Behandlung. Wie gesagt... es könnte interessant werden.

Des Weiteren habe ich in meinem Urlaub mal das Thema "Schnellstraße" aufgenommen (warum das ein besonderes Thema bei mir ist, siehe hier).
Ich war fest entschlossen...

... etwas an dieser Angst zutun und zumindest schrittweise daran zu arbeiten.
Gesagt, getan. Ich setzte mich abends in mein Auto (warum abends? weil es dunkel ist, die Schnellstraße verkehrsberuhigter war und ich mich somit einfach nur aufs Fahren konzentrieren musste) und fuhr los. Um die Schnellstraße zu erreichen, muss ich etwa 5 Minuten fahren. 
Die Fahrt dorthin war noch ganz entspannt. Ich öffnete die Fenster, so dass der kalte Wind mir um die Ohren wehte. Ich nahm mir vor, es einfach zutun. Einfach auf die Schnellstraße zu fahren. Ich würde es schaffen!
Endlich an der Auffahrt zur Schnellstraße angekommen, raste mein Herz. Ich war hin- und hergerissen und.... kniff. Ich fuhr zwei mal an der Auffahrt vorbei, aber ich schaffte es einfach nicht, mich zu überwinden

Dementsprechend frustriert fuhr ich zu meinen Eltern. Ich erzählte meiner Mutter davon und fragte sie, ob sie nicht Lust hätte, mir beim Üben zu helfen. Bereitwillig sagte sie mir direkt zu.
Zu Beginn fuhren wir mit ihrem Auto. Ich als Beifahrerin
Und was soll ich sagen... selbst als Beifahrerin raste mein Herz, ich bekam schwitzige Hände und ich fühlte mich alles andere als wohl.
Die Fahrt über die Schnellstraße ging etwas 7 Minuten in eine Richtung. Dann natürlich auch 7 Minuten wieder zurück. Das Ganze haben wir 3 Mal gemacht bis sich (vor Nervosität) natürlich meine Blase meldete. 
Anschließend bat ich sie, ob wir das Ganze noch einmal mit meinem Auto machen könnte.

Der Grund dafür ist ganz einfach... Sie fährt ein neueres Auto, super gefedert, komplett geschlossen... 100 km/h fühlen sich nicht wie 100 km/h an. 
Mein Auto ist nun schon 16 Jahre alt, hat ein Faltdach (wodurch man die Fahrgeräusche ganz anders wahrnimmt) und natürlich verhält sich mein Wagen auch anders, als ein 2 Jahre altes Auto.

Sie willigte ein und es ging los. Ich, selbstverständlich erst einmal wieder auf dem Beifahrersitz, war gespannt, wie es diesmal werden würde. 
Wir fuhren 2 Runden mit meinem Auto und die Nervosität blieb bestehen. 
Ich hatte früher NIE Schwierigkeiten mit dieser Strecke und ich bin täglich dort entlang gefahren. 
Da hat man dann einmal eine Panikattacke und schon wirft es alles durcheinander....

... nun ja, es ist wie es ist und man kann entweder einknicken oder daran arbeiten.

Nachdem meine Mutter und ich also insgesamt 5 Runden an dem einen Abend gefahren sind, war das Thema erst einmal für mich durch. Es war (obwohl ich ja nur als Beifahrerin beteiligt war) doch ziemlich anstrengend für mich, aber dennoch war ich stolz, das Thema angepackt zu haben.

Es vergingen 3 Tage an denen ich mich nicht mit der Schnellstraße auseinandersetze.
Jeder Tag, an dem ich eine Ausrede für mich fand, nicht zu fahren, bereitete mir ein schlechtes Gewissen
An Tag 4 war ich es dann aber leid. Ich wartete bis es wieder dunkel war, setzte mich in mein Auto und fuhr los. 
Ich war hochmotiviert, aber versuchte mir selbst nicht so einen großen Druck zu machen.

Und was soll ich sagen?! Ich habs getan!
Ich hab es geschafft, die Hürde der Auffahrt zu überwinden. Ich fuhr auf die Schnellstraße auf und bei der nächsten Abfahrt wieder ab. Und auch, wenn das nach einem kleinen Schritt aussieht, war es für mich ein Riesiger
Das Ganze tat ich 3 Mal. Auffahren, Abfahren, Auffahren, Abfahren... 
Tränen kullerten mir die Wange herunter... vor Erleichterung, vor Stolz,... es war einfach ein schwerer Rucksack, den ich nach Wochen ablegen durfte.

Am nächsten Tag war ich so beflügelt von diesem Erlebnis, dass ich das Ganze wiederholen wollte.
Ich fuhr wieder los... und diesmal schaffte ich sogar 2 Ausfahrten... ein weiterer Schritt nach vorne.

Es wird noch ein ganzes Stück Arbeit sein bis die Schnellstraße für mich wieder "normal befahrbar" sein wird, aber ich werde dran bleiben. Dafür ist mir das einfach zu wichtig.

Ich werde euch auf dem Laufenden halten, wie es bei der Urologin, sowie auf der Schnellstraße weitergeht. 

Bleibt tapfer...

L.H.P

Kommentare:

  1. Super :-) gut gemacht! Ich finde die Erkenntnis beruhigend, dass du nur ein Stück von der Norm abweichst, beruhigend. Vielleicht gehören die 150 ml einfach zu dir :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank :)
      Und ob die 150ml auf Dauer wirklich zu mir gehören, wird sich zukünftig noch herausstellen. Ich werde zwischenzeitlich einfach immer mal wieder messen ;)

      Löschen
  2. Ach ich finde es sooo toll dass du es geschafft hast, wieder auf die Schnellstraße zu fahren. Ganz ganz super.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen lieben Dank :)
      Mit langsamen Schritten geht es voran ;)

      Löschen