15. Juni 2016

Entwicklung psychischer Erkrankungen und das Verhalten gegenüber Betroffenen

Viele Menschen leiden an einer psychischen Erkrankung... Burn-Out, Zwangsstörung, bipolare Störung, Angststörung usw... einige Menschen wissen bereits von Ihrer Erkrankung, andere haben sich bisher nicht damit auseinandergesetzt und wieder andere wollen es einfach nicht wahrhaben
Fest steht, dass die Anzahl der "Hilfesuchenden Menschen" in den letzten Jahren stark angestiegen ist. Wenn man sich mal die Mühe macht und den Suchbegriff "Zuwachs psychischer Erkrankungen Statistik" in eine Suchmaschine eingibt, bekommt man so viele Diagramme angezeigt, die meine These stützen.




Macht aber auch Sinn?! Wenn man darüber nachdenkt, wie verpönt damals (zu Zeiten unserer Großeltern) psychische Krankheiten waren... 
Heute ist die Gesellschaft...

... schon viel offener geworden. Man sucht sich Hilfe. Man teilt viel eher seine "Probleme", Gedanken und Emotionen mit seinen Mitmenschen. Und nur selten reagieren die Menschen darauf erschrocken oder empört. 
Psychische Erkrankungen sind uns nicht mehr fremd

Natürlich sagt das auch viel über unsere Gesellschaft allgemein aus. 
Der ständig wachsende Leistungsdruck, die Erwartungen die andere an eine Person haben oder auch die Erwartungen, die man an sich selbst hat, haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert.
Und selten hat man das Gefühl all dem gerecht zu werden.

Wie oft ist es vorgekommen, dass ich Menschen von meiner Erkrankung erzählte und ich Rückmeldungen wie "Ich kannte mal jemanden, der hatte ein ganz ähnliches Problem..." oder "oh das kenn ich. Solche Gedanken hab ich zwischenzeitlich auch schon mal..." (Anmerkung: Gerade von Frauen Ü50) bekommen. 
In all den Jahren habe ich es noch nie erlebt, dass die Menschen mir aufgrund dessen abwertend oder entsetzt entgegentraten. 

Aber dennoch ist mir etwas aufgefallen: Mein engeres Umfeld hat es nicht immer leicht mit mir, weil ich eben vor Situationen Angst habe oder mir arg Sorgen mache, welche für andere vollkommen normale Alltagssituationen sind. Man nimmt Rücksicht, stellt sich mir zu liebe auf Umwege ein oder nimmt mir Dinge ab. 

Allerdings habe ich auch die Erfahrung gemacht, wie es sich andersrum anfühlt. 
Wie es sich anfühlt, wenn man jemanden im engeren Umfeld hat, der selbst mit einer psychischen Erkrankung zu kämpfen hat. 

Man leidet irgendwie mit. Fühlt sich machtlos. Würde gerne helfen, aber man kann es nicht wirklich.
Zum Einen, weil die Hilfe gar nicht gewünscht ist, zum Anderen, weil man auch nicht wirklich helfen kann. Man steht nur da, kann ein offenes Ohr und offene Arme anbieten und der Person das Gefühl geben, dass man da ist. Einfach da ist. 
Ob dieses Angebot im Anspruch genommen wird, überlässt man dann eben der/dem Betroffenen. 

Was mich vor allem zum Grübeln gebracht hat, war die Tatsache, dass man sich unendlich viele Gedanken macht, sich in Situationen hindenkt und versucht, Emotionen und Gedankenkreisläufe zu verstehen. Man will einfach verstehen.
Und ich gehe davon aus (nein, ich weiß es sogar teilweise), dass sich mein Umfeld ebenfalls so mit meiner Einschränkung auseinandergesetzt hat. 
Man will eben einfach verstehen.

Klar ist aber auch, dass man vielleicht viel nachvollziehen kann, aber niemals 100% verstehen kann, wenn man selbst nicht so fühlt oder leben muss. 
Aus meiner Sicht ist es wichtig zu wissen, dass man durch schwierige Situationen im Leben nicht alleine gehen muss. Auch, wenn die "Hilfe" nur aus einem Angebot besteht, welches man am Ende eh nicht in Anspruch nimmt. 
Aber man fühlt sich nicht so allein mit allem.

Und genau das ist das, was ich momentan tun kann. Hilfe anbieten. Da sein.

Natürlich ist es besonders schwer, wenn man mit Betroffenen eng befreundet oder in einer Liebesbeziehung ist. Es wird immer wieder Situationen geben, die schwer sind, die zum Nachdenken anregen und bei denen man sich fühlt, als ob man gegen eine Wand redet. Als "gesunder Mensch" wird man sein Gegenüber nie wirklich verstehen können, egal wie viel Mühe man sich gibt. 
Das muss man akzeptieren können. Das muss man aushalten können.
Jeder Mensch hat Freunde und vor allem auch Liebe verdient. 
Auch Menschen mit einer psychischen Erkrankung. 
Gerade diese, weil man oft in seinem Leben an Grenzen stößt, die andere Menschen gar nicht wahrnehmen. Grenzen, die zu überwinden sind. 
Und dann braucht man einfach nur Arme, die einen festhalten und das Gefühl geben, dass alles irgendwann wieder gut wird. 

Generell bin ich der Meinung, dass die Menschen toleranter werden sollten/müssen.
Wir alle sind nun mal verschieden. Krank oder nicht krank. 
Naja... sind wir nicht alle irgendwie krank?! ;-)

Worauf ich eigentlich nun hinaus möchte:
Es gibt so viele Menschen da draussen, die sich öffnen und Mut beweisen, in dem sie zu ihren Erkrankungen stehen. Als Aussenstehender ist nicht alles zu verstehen und nicht jede Schilderung wirkt rational. Muss es auch nicht. Seid einfach füreinander da. Habt ein offenes Ohr. 
Bieten Hilfe an. Und wenn diese Hilfe nicht angenommen wird/wurde, dann habt ihr aber euren Beitrag geleistet. Seid tolerant! Akzeptiert und haltet aus.
Dann kann manches so viel besser werden und für andere so viel leichter sein.

In diesem Sinne...

L.H.P.

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