20. April 2016

Progressive Muskelentspannung und ich

Achja... die Progressive Muskelentspannung...

Wer irgendwann mal eine Therapie oder Reha gemacht hat, wird früher oder später mit dieser Begrifflichkeit in Berührung gekommen sein. Neben dem Autogenen Training wird die progressive Muskelentspannung gerne dafür benutzt, um einen Zustand der Entspannung zu erreichen.
Für mich als Laie ist der größte Unterschied zwischen den beiden Übungen, dass ich mich bei dem autogenen Training eher von etwas "berieseln" lasse z.B. Musik oder einer Anleitung durch das Programm (passiv) und bei der progressiven Muskelentspannung sorge ich selbst aktiv für eine Entspannung, in dem ich verschiedene Muskelgruppen anspanne und entspanne.

Aber ich sollte erst einmal einen kurze Beschreibung der eigentlichen Übung hier hinterlassen, damit auch Lesern ohne Vorkenntnisse wissen, um was es eigentlich geht:


" [...] ein Verfahren, bei dem durch die willentliche und bewusste An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen ein Zustand tiefer Entspannung des ganzen Körpers erreicht werden soll. Dabei werden nacheinander die einzelnen Muskelpartien in einer bestimmten Reihenfolge zunächst angespannt, die Muskelspannung wird kurz gehalten, und anschließend wird die Spannung gelöst. Die Konzentration der Person wird dabei auf den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung gerichtet und auf die Empfindungen, die mit diesen unterschiedlichen Zuständen einhergehen."
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Progressive_Muskelentspannung)

Selbst für Menschen...

... ohne Angstsymptomatik kann die progressive Muskelentspannung gut sein, um z.B. besser einzuschlafen oder einfach nach einem stressigen Tag in einen Ruhezustand zu kommen.

Während meiner Zeit in der Reha habe ich einige Patienten kennengelernt, die diese Art der Entspannung liebten. Sie fühlten sich dadurch erholter und vor allem auch entspannter. Sie konnten sich vollkommen darauf einlassen und diese kurze Ruhephase genießen.
Bei mir ist es allerdings immer eine schwierige Angelegenheit gewesen.
Es gab für mich schon immer verschiedene Gründe, warum mir diese Art der Entspannung schwer fiel.

Zum Einen finde ich es schwierig "auf Knopfdruck" entspannt zu sein. Für mich war das immer ein fremdgesteuertes ,,Legen Sie sich hin, machen Sie die Augen zu, Muskeln anspannen, Muskeln entspannen.... Jetzt fühlen Sie sich entspannt!!!!"
Nein, so funktioniert das bei mir nicht.

Des Weiteren war diese "Entspannungszeit" für mich immer Zeit nachzudenken.
Bei der Entspannung ist es so, dass man gedanklich den Körper durchläuft. Ich habe es bisher so kennengelernt, dass man bei den Händen beginnt, sich dann die Arme hocharbeitet bis hinauf zum Kopf... der Hals, das Gesicht, dann wieder bergab... Brustkorb, Taille, Gesäß, Oberschenkel, Füße....
Während dieser "Körperwanderung" wanderte meine Aufmerksamkeit immer und immer wieder Richtung Blase.
Und dann immer der anhaltende Gedanke ,,Wäre doof, wenn du jetzt müsstest...", welcher dann zusätzlich der Entspannung einen Strich durch die Rechnung machte.

Wie man sieht: Progressive Muskelentspannung und ich hatte keinen guten Start!

In meinem Blogpost "Ein Leben aufwärts des Bauchnabels" habe ich bereits erwähnt, dass meine Therapeutin mit mir eine Strategie erarbeitet, die auf dem Prinzip der progressiven Muskelentspannung aufbaut. Der komplette Prozess hat 7 Schritte, wobei mir davon erst 3 vorgestellt wurden. Zu Beginn hatte ich die Aufgabe mindestens 3 mal in der Woche mir 15-20 Minuten Zeit zu nehmen, um die progressive Muskelentspannung zu üben (mit Anleitung von CD). Anschließend sollte die ganze "Prozedur" auf 5-7 Minuten reduziert werden (ohne Anleitung). Der dritte Schritt ist dann schon viel reduzierter. Es geht dort dann nur noch ums Atmen
Hat man den Zustand der Entspannung verinnerlicht/trainiert, hat man die Aufgabe, etwa 3 Minuten langsam ein- und auszuatmen. Während des Ausatmens soll man sich das Wort ENT-SPANNUNG denken. Bis man mit dem Wort Entspannung das entspannte Gefühl des Körper verbindet. 

Ich halte es für taktisch klug, dass meine Therapeutin mir noch nicht genau vorgestellt hat, wie es in den nächsten Schritten weitergeht. Denn so kann ich mir vorab keine Meinung über den Sinn dieser Übung machen. Manchmal bin ich nämlich so voreingenommen, dass ich mir denke ,,was soll das schon bringen?!" und arbeite nur halbherzig an den Übungen.

Sobald ich weiß, wie es weitergeht, werde ich natürlich weiter darüber berichten.
Fakt ist: Irgendwie komme ich nicht um die progressive Muskelentspannung drumherum.
So lästig sie mir auch ist. Ich werde mich wohl oder übel mit ihr anfreunden müssen, da sie mir vielleicht doch nützlicher sein kann, als ich vermute.

Habt ihr schon Erfahrungen mit dieser Art der Entspannung gemacht? Wie kommt ihr damit zurecht?
Was hilft euch, euch zu entspannen?

Bleibt tapfer!
L.H.P. 

Kommentare:

  1. Ich komme mit PMR nicht klar :-) Wie du schon sagst: Hinlegen und entspannen, auf Kommando, das geht nicht. Es setzt mich sehr unter Druck. Andere Dinge z.B. Musik hören sind eher meins. Oder Stille :-)

    Ich denke, der Sinn der PMR ist auch, dass man lernt, die Kontrolle über seinen Körper zu haben. DAss man ihn steuern kann.

    Aber... was nicht ist, muss auch nicht werden :-)

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    1. Huhu Evy,

      sehr beruhigend, dass es noch anderen wie mir geht :)
      Musik hilft mir auch sehr gut, wenn ich entspannen möchte. Aber auch da ist ein Zustand in den man "hineingleiten" muss und nicht von jetzt auf gleich Entspannung findet.

      Und du hast recht:
      was nicht ist, muss auch nicht werden :)

      Gruß
      L.H.P.

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  2. Bei mir hat es immer sehr gut funktioniert und geholfen. Aber ich kann mich leider kaum dazu aufraffen. Keine Zeit zum Entspannen :D :D :D

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