13. April 2016

[A-Z] S und T

S... wie Selbstzweifel, Sensibilität und Sommerflaute

Soweit ich zurückdenken kann, war ich immer schon ein Mensch, der Selbstzweifel mit sich herumschleppte. Angefangen hat das alles höchstwahrscheinlich in der Pubertät (wie bei so vielen).
Ich fühlte mich nicht schlank genug, nicht "cool" genug oder empfand meine schulischen Leistungen als nicht ausreichend. Irgendwas hab ich immer gefunden, was mir an mir selbst nicht passte.
Aber auch schon immer war es so, dass ich grundsätzlich versuchte, mir meine Selbstzweifel nicht ansehen zu lassen. Humor war immer etwas, womit ich versuchte, meine Unsicherheit zu überspielen.
Das ist heute nicht anders. Aber ich habe auch festgestellt, dass ich den Selbstzweifeln, die ich aktuell noch besitze, irgendwie auch nicht mehr so viel Aufmerksamkeit schenke.
Denn ich habe mit den Jahren die Erfahrung gemacht, dass gerade die Dinge, die ich an mir nicht mag, für jemand anderen als "schön" oder "liebenswert" angesehen werden. Das, was man selbst als Defizit wahrnimmt, muss nicht unbedingt ein echtes Defizit sein.
Und wenn man das begriffen hat, dann ist es nur noch ein Lernprozess, um sich selbst irgendwann auch genau so zu mögen, wie man eben ist.


Nach außen gebe ich mich in meinem Umfeld gerne als "stark". Ich lächle schwierige Situationen gerne weg, mache...

 ... Scherze über eigentlich belastende Situationen (z.B. meine Angststörung) und wirke, als hätte ich alles im Griff. Dabei bin ich eigentlich ein richtiges Sensibelchen. Vieles berührt mich, geht mir ans Herz und verfolgt mich. Ich weine öfters als mir lieb ist und interpretiere manche Dinge falsch. Ich bin verletzlich... mit den Jahren habe ich gelernt, die Fassade der "starken Frau" ein wenig abzubauen. Denn eins habe ich gelernt: Es ist keine Schande Gefühle zu zeigen. Und damit meine ich auch in beruflicher Hinsicht.
Ich habe das Glück mich in einem beruflichen Umfeld zu befinden, in dem ich nicht um jeden Preis alles gefasst hinnehmen muss. Ich darf wütend und traurig und euphorisch und verletzt sein. Ich darf Mensch sein und bin nicht nur da, um zu "funktionieren".
Ich bin gespannt, wie sich das in Zukunft weiterentwickelt. Ob ich irgendwann komplett die Mauern einreißen kann, die ich in den Jahren aufgebaut habe, um am Ende komplett "ICH" sein zu können.
Aber das wird schon :)

Sommer...alle freuen sich darauf, alle fiebern der Zeit schon entgegen... und ich??? Mir graut es schon davor. Ich bin ein Sommermuffel.
Meine Haut ist Ganzjahresblass und das liegt unter anderem auch daran, dass ich im Sommer nur ungern die direkte Sonne aufsuche. Ich springe gefühlt von Schatten zu Schatten.
Mehr als 20 Minuten in der prallen Sonne führen dazu, dass mein Kreislauf sich beschwert. 
Andere sind hochmotiviert sobald die Sonne scheint. Ich habe das Gefühl, dass mir die direkte Sonne jegliche Energie entzieht. Vielleicht liegt es auch nur am drückenden, deutschen Klima, welches im Sommer vorherrscht. Aber ich bevorzuge dann doch lieber den Frühling und den Herbst!


T... wie Traurigkeit und Therapie

Vieles in meinem Leben stimmt mich traurig. Meist Dinge, die im Zusammenhang mit meiner Erkrankung stehen. Zum Beispiel macht es mich traurig, dass ich nicht viele Freunde habe. Es macht mich traurig, dass mein Alltag nicht so unbeschwert ist, wie bei manch anderen. Solche Dinge eben. Und dann kommen eben noch die alltäglichen Herausforderungen des Lebens dazu. 
Ich würde nicht von mir behaupten, dass ich eine Depression habe (was prinzipiell auch nicht weiter schlimm wäre...), aber es gibt eben viele Themen, die mich mehr belasten, als andere.
Aber wir tragen alle unser Päkchen und müssen Wege finden, damit umzugehen. 
Ich selbst suche noch immer den "richtigen" Weg für mich. Der Blog hilft mir sehr dabei, aber auch Psychotherapie oder Gespräche mit Familie und Bezugspersonen.

2008 habe ich damals mit einer Psychotherapie begonnen, da mir nach etlichen Untersuchungen bewusst wurde, dass meine Erkrankung psychischer Natur war. Ich erhoffte mir damals eine Problemlösung durch eine Therapie. Nach einer Weile stellte sich aber heraus, dass auch Therapeuten keine Wunderheiler waren/sind und mir lediglich durch diesen Dienst eine helfende Hand zur Seite gestellt wurde, die mir dabei half/hilft, Lösungswege selbst zu erschließen. 
Nun ja... die Therapie habe ich 5 Jahre in unregelmäßigen Abständen in Anspruch genommen. Nach dieser Zeit waren dann allerdings, meine zur Verfügung gestellten Sitzungen, aufgebraucht. Laut deutschem Gesundheitssystem musste ich ab diesem Zeitpunkt 2 Jahre ohne Therapie auskommen.
Natürlich blieb es mir frei, auf eigene Kosten die Therapie fortzusetzen, aber... wer kann sich das leisten? Ende 2015 entschied ich mich dann erneut, die Hilfe meiner Therapeutin zu suchen.
Seit dem bin ich wieder in Psychotherapie und bin für jeden Bewältigungstipp dankbar. 


Kommentare:

  1. Liebe Peaches,
    ich finde schön, wie Du Dich/Deine Lebenssituation beschreibst. Klingt irgendwie gefasst und akzeptierend, obwohl ich sicher bin, dass Du das nicht immer so empfindest. Einen Satz möchte ich unterstreichen: Psychotherapeuten sind keine Wunderheiler. Wenn trotzdem einer so tut, als könne er Deine Schwierigkeiten "weg machen", dann würde ich einen großen Bogen um ihn machen! ;-)
    Als Therapeutin sehe ich mich eher als Wegbegleiterin ("therapon" ist übrigens griechisch und bedeutet "Gefährte"). In der Psychotherapie bin ich Gefährtin auf einem Abschnitt des Lebensweges - aber gehen muss ihn jeder selbst.
    Vielleicht interessiert Dich ein Artikel, den ich zum Thema geschrieben habe: http://www.pan-praxis.de/2014/05/psychotherapie-auf-abwegen/

    Alles Gute für Dich!
    Sandra

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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