30. März 2016

Ich bin eine Schauspielerin

So unterschiedlich, wie wir Menschen nun mal sind, so unterschiedlich reagieren wir auch in Stresssituationen.
Panikattacken sind nichts anderes als das. Situationen, in denen die Stressgrenze, die jeder hat, durch ein starkes Gefühl überschritten wird.

Zu Beginn meiner Erkrankung (in dem Zeitrahmen, in dem ich noch nicht wusste, woran ich überhaupt erkrankte) ging ich mit Panikattacken ganz anders um, als heute. Warum? Weil ich zum Einen nicht wusste, was da gerade mit mir passiert und zum Anderen überhaupt nicht abschätzen konnte, was es mit mir macht und ob es wieder vorbei geht.
Wenn ich mich an diese Zeit zurückerinnere, habe ich meine allererste Panikattacke im Sinn.



Als die körperlichen Symptome auftraten... Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern, das Gefühl nicht mehr genug Luft zu bekommen, der starke Harndrang... 

...bekam ich es mit solch einer Angst zutun, dass ich weinte, nach Luft schnappte, um Hilfe flehte und meinem Umfeld unmissverständlich zu verstehen gab, dass es mir gerade wirklich richtig, richtig schlecht geht.
Zugegeben hatte ich in diesen Momenten auch das Gefühl, dass ich alleine nicht zurechtkomme. Ich hatte sogar Todesangst, weil ich einfach nicht wusste, ob dieses Gefühl eine lebensbedrohliche Situation signalisierte oder eben auch nicht?!

Heute ist es ganz anders. Ich habe in dem Bereich viel Erfahrung gesammelt, kann einschätzen, was diese "Panik" überhaupt ist und weiß, woran ich eigentlich leide.
Natürlich macht es das nicht besser, wenn die Angst erst einmal in mir hochsteigt, aber ich kann zumindest anders damit umgehen.

Jemand, der mich nicht wirklich kennt, wird wahrscheinlich nicht einmal sehen, dass es mir in dem Moment nicht sonderlich gut geht. Familie und Freunde bemerken vielleicht, dass ich irgendwie komisch bin. Mit "komisch" meine ich, dass mein Verhalten in dem Moment vielleicht ein wenig anders wirkt, als es sonst der Fall ist. Ich bin ruhiger, in mich gekehrt, antworte einsilbig und bin irgendwie nicht bei der Sache. Das ist aber meist schon alles. 
Schon öfters habe ich gehört "Ich habe gar nicht gemerkt, dass du eine Panikattacke hattest" und genau das ist in dem Moment auch mein Ziel.

Ich setze eine Maske auf, versuche so unauffällig wie möglich zu sein, um das Problem mit mir selbst auszumachen. Denn das ist das Einzige, was ich auch in dem Moment tun kann. Niemand kann mir helfen, also wieso noch mehr Aufmerksamkeit auf mich ziehen und andere Menschen involvieren, wenn diese mir am Ende eh nicht helfen können?
Dazu kommt, dass ich in solchen Situationen versuche, mich krampfhaft abzulenken. Würde ich meinem Umfeld gerade dann erzählen, dass ich Panik habe, würden sie sich damit auseinandersetzen, wahrscheinlich darüber sprechen und mir helfen wollen oder mich besonders beobachten. Vielleicht fühlen auch sie sich in dem Moment wegen mir hilflos, weil sie nun mal nichts tun können?! Und genau das will ich eben nicht. Daher verwandele ich mich in eine Schauspielerin. Spiele die Rolle meines Lebens und versuche das Problem unter den Teppich zu kehren.

Aus meiner Sicht ist es in dem Moment das Beste, was ich tun könnte. Für andere ist es manchmal genau das Gegenteil. Denn wie soll mich jemand verstehen, wenn er nie wirklich eine Panikattacke miterlebt hat. Ich meine... vielleicht war die Person während einer Attacke anwesend, hat sie aber nicht mitbekommen, weil ich mal wieder Theater spielte... wie soll sie dann wissen, wie sich eine Panik äußert?!

Fakt ist: Ich möchte nicht auffallen und ich kann mir nicht vorstellen, dass es Betroffene gibt, die das in solchen Situationen gerne tun würden.

Versetzt euch mal in meine Lage. Was haltet ihr für angebrachter? Offensichtlich die Panik "ausleben" oder vertuschen?

L.H.P. 

1 Kommentar:

  1. Hallo meine Liebe.
    Also ich selbst hatte bisher mit drei Panikattacken zu kämpfen, die aber von Attacke zu Attacke besser wurden. Ich selbst halte nichts von Schauspielern, meine Familie darf gerne wissen wie es mir geht und vor ein paar Wochen hat mein Mann meine erste sogar mitbekommen und blieb bei mir. Zum Glück.

    Bei der allerersten blieb ich alleine und es ging mir so schlecht. Mag gar nicht daran denken. Leider war in dem Moment niemand hier, außer meine kleinen Kinder und die können mir in der Situation nicht helfen.

    Wie du siehst, bin ich für offene Karten.

    Lieben Gruß.

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