3. Februar 2016

[A-Z] O und P

O... wie Offenheit

Seit Beginn meiner Erkrankung habe ich nie ein Geheimnis aus meiner Situation gemacht. Für mich stand das aber auch nie zur Debatte. Ich habe nie das Empfinden gehabt, dass meine Einschränkung etwas ist, was man besser verheimlichen sollte. Im Gegenteil. Wie sollen die Menschen mich und mein Verhalten verstehen, wenn ich ihnen nicht sage, was mit mir los ist? Wie sollen sich andere Betroffene verstanden fühlen, wenn man Ihnen nicht aufzeigt, dass es noch andere Menschen mit diesem Problem gibt?
Aber ich bin nicht in jeglicher Hinsicht so offen. Es gibt vieles, was ich für mich behalte. Vieles, was mir durch den Kopf geht. Emotionen, die ich nicht zuordnen kann.
Offenheit ist prinzipiell etwas Gutes, wenn man weiß, wie man damit umzugehen hat.
Und ich muss gestehen, dass mir das nicht immer gelingt.
Oftmals ist es so, dass ich lange Zeit etwas für mich behalte, es mit mir selbst ausmache bis es irgendwann aus mir herausplatzt und ich damit jemanden vor den Kopf stoße.
Das tut mir leid. Allerdings kann ich mich auch dafür entschuldigen.



P... wie Partnerschaft, Party und Praktika

Ich bin ein absoluter...

... Beziehungsmensch und kann mich nicht entsinnen, dass das mal anders war. Meine längste Beziehung hielt 7 Jahre und fand ihr Ende als ich schon 3 Jahre unter meiner Erkrankung litt. Mein ehemaliger Partner hat das ganze Übel miterlebt und hatte die "Chance" (so wie ich auch) in diese Situation hineinzuwachsen und damit umzugehen. 
Als die Beziehung scheiterte und wir getrennte Wege gingen, war ich eine längere Zeit alleine. Die kurzweilige Beziehung die danach folgte scheiterte aus verschiedenen Gründen. Ein Hauptgrund war allerdings auch meine Erkrankung und die daraus resultierenden Einschränkungen. Es ist schwierig in meiner Situationen jemanden zu finden, der meine Ängste und Gedankengänge versteht, Rücksicht nimmt und mir hilft, meinen Weg in die (hoffentlich irgendwann) angstfreie Zukunft zu bewältigen.
Zum Einen denke ich mir, dass ich das auch nicht unbedingt jemandem antun möchte, sich mit diesem Problem zu befassen, wenn er es woanders so viel einfacher haben könnte. Ich glaube schon, dass es schwierig ist, sich mit dem Thema zu befassen und dafür Verständnis aufzubringen, wenn man zuvor noch nie mit etwas Derartigem in Berührung gekommen ist. Andererseits denke ich auch, dass ich (so wie andere auch) es verdient habe, glücklich zu sein.

Unabhängig von meiner jetzigen Situation und dem was ich kann und was ich nicht kann, war ich noch nie der Typ Mensch, der sich unbedingt unters Partyvolk mischen musste. Selbst als Teenager waren mir Kneipen lieber als Diskotheken. Hausparties lieber als Clubs. Ich habe nie verstanden, was daran reizend ist, wenn man den Bass im Brustkorb spürt, dieser einem fast den Atem raubt und man null Chance hat, sich mit seinem Gegenüber zu unterhalten (ohne sich anschreien zu müssen). 
Aber das ist, so wie so vieles im Leben, einfach eine Geschmackssache. Meins ist es zumindest nicht ;-)

Als ich damals das Gymnasium verließ und für mich überlegen musste, was ich nun mit meinem Leben anstellen sollte, entschied ich mich dazu, mehrere Praktika zu machen, um für mich herauszufinden, was mir Spaß macht und was mir liegt (siehe hier).
Da ich bis dahin während meiner schulischen Laufbahn noch keine Möglichkeit hatte, ein Praktikum zu absolvieren, empfand ich das als eine gute Idee. Also überlegte ich mir, in welche Berufe ich hineinschnuppern wollte und schrieb fleißig Bewerbungen.
Am Ende habe ich 3 Monate in einer internistischen Arztpraxis und 3 Monate auf einer neurochirurgischen Station im Krankenhaus gearbeitet. Ursprünglich war noch ein drittes Praktikum geplant. Zuerst wollte ich in den Beruf der Hotelfachfrau hineinschnuppern, stellte aber schon beim Vorstellungsgespräch fest, dass das nichts für mich ist.
Alternativ dachte ich, dass ich (aufgrund meines medizinischen Interesses) im Labor arbeiten könnte. Auch bei diesem Vorstellungsgespräch sagte mir mein Bauchgefühl, dass das ich das besser lassen sollte. 
Abgesehen davon, hat mir die Arbeit im Krankenhaus so gut gefallen und ich habe für mich entdeckt, dass das genau "mein Ding" war, so dass ich keinen Zweifel mehr hatte, zukünftig diesen Job machen zu wollen. So geschah es dann auch, dass ich anschließend hochmotiviert mein Fachabitur machte und darauffolgend eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin absolvierte.
Würde man mich fragen, würde ich jeder unentschlossenen Person zu Praktika raten. 
Wieso direkt für etwas entscheiden, wenn man sich vorher ein Bild davon machen kann?




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