25. November 2015

Aufmerksamkeitsübung

Bei meiner letzten Therapiesitzung wurde mir eine neue Aufmerksamkeitsübung von meiner Therapeutin vorgestellt. Der Sinn dieser Übung besteht wohl darin, die Angst erst gar nicht aufkommen zulassen bzw. wenn man schon das ansteigende Angstgefühl verspürt, dieses erst gar nicht zu einer Panikattacke werden zu lassen. Ok, ich muss dazu sagen, dass ich schon laaaange keine Panikattacke mehr hatte, jedoch werden im Dezember einige Situationen auf mich zukommen, die das Auftreten einer Attacke begünstigen könnten. 

Weiter im Kontext... bei dieser Aufmerksamkeitsübung besteht das vorrangige Ziel darin, sich abzulenken. Die Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, was fernab von dem ist, was mich eigentlich gerade beschäftigt. 




Die Übung ist ganz einfach durchzuführen und in jeglicher Lebenslage anwendbar.
Egal, ob in der Natur, im Supermarkt, bei einem Familienfest oder bei einem gemütlichen Fernsehabend. Diese Übung ist...
...individuell und in jeder Situation zu bewältigen.

Die Aufgabe ist es, sich eben in oben genannter Situation Gegenstände zu suchen, auf die man seine Aufmerksamkeit lenkt. 
Man stelle sich folgende Situation vor: 
Man steht im Supermarkt an der Kasse und die Schlange vor einem ist so lang, dass man weiß, dass es noch länger dauern wird bis man endlich abkassiert werden kann. 
Plötzlich bemerkt man eine innerliche Unruhe... das Herz rast, die Hände werden schwitzig und die Gedanken wandern immer wieder Richtung Blase. Das Gefühl zur Toilette zu müssen wird immer stärker und die Augen fixieren immer und immer wieder die Tätigkeiten der Kassiererin, um abschätzen zu können, wie lange man noch in dieser Situation verharren muss. Und plötzlich sind da diese Gedanken : "Fliehen oder bleiben?? Fliehen oder bleiben?? Fliehen oder..."

Man zwingt sich selbst dazu die Situation auszuhalten, weil man bei einer Flucht nicht seine Einkäufe erledigt hat und am Ende eine große Enttäuschung für sich verbuchen muss.
Und genau da setzt nun die Übung ein. Ablenkung!
Man denkt sich also eine Farbe und sucht sich in näherer Umgebung 3 (oder mehr) Gegenstände, die dieser Farbe entsprechen. 
Also rot... was ist alles rot??? Ah... die Dame vor einem in der Kasse trägt eine rote Fleecejacke.
Man hat also ein Objekt gefunden und beginnt dieses Objekt in Gedanken zu beschreiben.
Die Fleecejacke sieht sehr weich aus, scheint aber schon etwas älter zu sein, da gerade im Bereich der Schultern Fussel und kleine Knötchen zu erkennen sind. Die Jacke hat einen breiten Kragen. Hmm.. wenn man den hochklappt, verhindert es zumindest, dass man den kalten Winterwind in den Nacken bekommt. Es ist ein kräftiges Rot. Wahrscheinlich würde die Jacke in einem gedeckteren Rot schöner aussehen, aber gut... Geschmackssache. Ob die Jacke wohl Knöpfe hat? Oder vielleicht doch einen Reißverschluss?! Die Fleecejacke hat eine schöne Länge... gerade bis kurz über den Po. Sicher sehr bequem. Ah ok... sie hat einen Reißverschluss und große angenähte Taschen usw...

Und genau so geht man mit 2 (oder mehr) weiteren Gegenständen vor. Und ist man damit fertig, fühlt sich aber noch immer nicht genügend abgelenkt, sucht man sich eine neue Farbe. Je mehr man sich mit den Gegenständen beschäftigt, umso weniger denkt man an die eigentliche Angst.
So zumindest die Theorie
Wie jede andere Übung ist auch dies etwas, was geübt werden muss. Den Blick dafür zu gewinnen, sich darauf zu konzentrieren und so genau wie möglich für sich die Gegenstände zu beschreiben, ohne gedanklich wieder abzudriften. 
Bisher hatte ich noch nicht all zu viele Möglichkeiten diese Übung durchzuführen, aber was ich besonders gut daran finde ist, dass sie eben überall anzuwenden und eigentlich total simpel ist.
Man muss sich nicht erst einmal darauf konzentrieren, wie denn noch gleich die Übung war und in welcher Reihenfolge man was tun muss.

Ich bin gespannt, ob mir diese Übung zukünftig ab und an mal helfen wird, bei einer Angst wieder ins Hier und Jetzt zu finden und meine Gedanken auf etwas anderes zu fokussieren. 
Aber ich bin immer wieder froh darüber, neue Übungen zu lernen und zu sehen, ob von den vielen Übungen eine dabei ist, die mir langfristig weiterhilft.

L.H.P. 

Kommentare:

  1. Ich kenne die Übung auch und finde sie sehr praktisch, wenn ich mal wieder sinnlos ins Grübeln komme. Denn: Warum sollen meine Gedanken wichtiger sein als der schöne Fleechpulli? xD

    AntwortenLöschen
  2. Finde ich total gut und werde ich mir merken. Meine Therapeutin hat mir ähnliche Tipps gegeben. Gegenstände in der Umgebung für sich genau beschreiben. Für sich in Gedanken über die Umgebung wie eine Reporterin berichten. Ich muss sagen, es hat mir schon das eine oder andere mal geholfen.

    AntwortenLöschen