14. Oktober 2015

Wiederentdeckte Liebe

Im Zuge meiner Therapie sollte ich mir eine Aktivität suchen, die mich reizt und ich auch alleine ausführen kann. Da man im Laufe der Jahre sich mit Vielem abfindet und somit auch einiges an Reiz verliert, habe ich wirklich eine Weile darüber nachdenken müssen und mir fiel lange nichts ein.
Klar... es gibt genügend Dinge, die ich gerne mal wieder machen würde, aber alleine? 
Und ja, alleine kann man viele Sachen machen, aber es sollte ja schon etwas sein, was mich aus der Wohnung lockt. Es sollte etwas sein, wo ich aufgrund meiner gesundheitlichen Einschränkung Bedenken hätte... also keine einfache Aufgabe.

Dann fiel es mir aber plötzlich ein... ich liebte es als Kind Fahrrad zu fahren. Meinen Eltern gehörte damals eine Parzelle auf einem Campingplatz in den Niederlanden. Für uns Kinder war es das reinste Paradies. Wir konnten den ganzen Tag auf dem Fahrrad die Gegend erkunden, waren unabhängig von der Eltern, hatten unseren kleinen Freundeskreis, die Großeltern waren auch dort und wir hatten freien Eintritt im Hallenbad, Freibad und im Trampolinpark. Hach... es war toll.



Als ich dann 9 Jahre alt war,...


... entschlossen sich meine Eltern die Parzelle zu verkaufen, weil wir umgezogen sind und wir Kinder angeblich auch das Interesse verloren hatten. 
Wir zogen ins Bergische, was zum Fahrradfahren die reinste Katastrophe ist. 
Also bin ich seit meinem neunten Lebensjahr nicht mehr Rad gefahren....

Das ist jetzt schon 19 Jahre her. Aber das ist genau die Herausforderung, die ich gesucht hatte. Eine wiederentdeckte Liebe. Etwas, was ich mir 1. lange nicht zugetraut hatte und 2. mir auch gar nicht in den Sinn kam. 
Also war die Entscheidung getroffen... ich kaufe mir ein Fahrrad.
Knapp 3 Wochen habe ich gesucht, Anzeigen gelesen, Onlineshops durchkämmt... aber eine endgültige Entscheidung hatte ich immer und immer wieder hinausgezögert. 
Nun war ich die letzten 2 Wochen krankgeschrieben und hatte somit genug Zeit mich um solche Dinge zu kümmern. Frustriert lag ich auf meiner Couch, mit dem Notebook auf dem Schoss und einer Tasse Tee in der Hand und suchte weiter im Internet nach Rädern. Und weil ich manchmal Impulsivkäufe tätige, war auch schnell ein Fahrrad bestellt....

Letztes Wochenende wurde es dann geliefert. Wie ein kleines Kind rupfte ich das Fahrrad aus dem Karton und fing an, die noch nicht montierten Teile an das Rad zu schrauben. 
War irgendwie schon seltsam... ich hatte plötzlich wieder ein Fahrrad. 
Nach 19 Jahren?! Es ist zwar kein besonderes Rad, da ich nicht viel Geld für etwas ausgeben wollte, wo ich nicht weiß, wie ausgiebig es genutzt wird. Aber für den Anfang und den Wiedereinstieg gefällt es mir sehr gut. 

Am Samstag Abend habe ich mich dann auch das erste Mal aufs Rad getraut. Meine Befürchtung war ja, ich würde direkt vom Rad fallen :-D
Und das Gefühl war wirklich komisch. Sehr unsicher und sehr wackelig. Man hätte meinen können, ich wäre gut angetrunken... aber nach einer kleinen Runde hatte ich den Dreh wieder raus. 
Verrückt. Radfahren scheint man wirklich nicht zu verlernen?!

Aber eins ist mir massiv aufgefallen. Als Kind fährt man einfach. Man hat keine Angst davor, man könnte sich weh tun. Man denkt nicht über die Gefahren im Straßenverkehr nach und wenn, geht man davon aus, dass die Autofahrer schon aufpassen. Aber sobald man Erwachsen ist, schätzt man die Risiken ganz anders ein. Und in diesem Fall würde ich das nicht mal als Vorteil bezeichnen. 
Man denkt mehr, anstatt es einfach zutun. Wie in so vielen Bereichen. 

Ich bin gespannt, wie sich die Beziehung zwischen mir und dem Rad noch entwickelt. 
Die eigentliche Fahrrad-Saison ist zwar schon vorbei, aber besser spät als nie. 

In diesem Sinne...

L.H.P. 

1 Kommentar:

  1. Hey das klingt ja sehr cool. Da ich schon immer mein Fahrrad habe kenne ich das mit der Pause nicht. Ich habe immer die Gedanken das jeder ein Fahrrad hat was Statistisch ja auch in Leipzig fast zutrifft (auf 1000 Einwohner 915 Fahrräder). Ich wünsch Dir viel Erfolg.
    Carlos

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