3. Juni 2015

[Blogparade] "Ab morgen darfst du nochmal leben!"

Durch Facebook bin ich auf eine sehr interessante Blogparade gestoßen, die von Patrick ins Leben gerufen wurde.
Thema ist: Ab morgen darfst du nochmal leben!

"Spielregeln" sind folgende:
Nehmen wir mal an, Du wirst nochmal geboren. Gleicher Tag, gleiches Jahr, gleiches Leben. Das Einzige was diesmal anders ist, Du weißt was Du weißt.
Deine wesentlichsten und prägensden Erfahrungen, egal ob gut oder schlecht sind erhalten geblieben. Du kannst vor jeder wichtigen Entscheidung in Deinem zukünftigen “neuen” Leben auf diesen Erfahrungsschatz zurückgreifen.

Nähere Infos findet ihr auf Patricks Blog: hier 

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Gehen wir mal davon aus, ich würde erneut geboren werden, aber wichtige Erfahrungen aus meinem vorherigen Leben würden in Erinnerung geblieben sein, dann würde mein Leben wirklich anders aussehen. Ich gehe in diesem Beitrag nicht auf bestimmte Situationen ein, sondern um grobe Lebensabschnitte, um den Beitrag etwas "kürzer" zu halten.

Ich bin erkrankt und werde es auch die nächsten Jahre weiterhin sein. Die Tatsache alleine ist schon etwas, was viele ausschlaggebende Veränderungen für mein "neues" Leben mit sich bringen würde.
Aber beginnen wir einmal von Vorne.

Als Teenager hatte ich viele Freunde, war abends schon mal länger weg, habe eben Dinge getan, die man in dem Alter so tut. Aber im Gegensatz zu vielen Anderen war ich doch relativ anständig.
Ich gehörte nie zu den Menschen, die gerne in Diskotheken gegangen sind (klar, ich war ab und an mal dort, aber eben nicht häufig) oder sich sonst wo rumgetrieben haben. Und nein, ich bereue es nicht. Aber hätte ich damals schon gewusst, dass ich irgendwann das alles nicht mehr einfach so tun könnte, hätte ich meine Jugend und die damit verbundenen Freiheiten viel mehr genießen sollen. Ich hätte...


... die Möglichkeiten ausnutzen und einfach mal über meinen Schatten springen sollen.
Viele meiner Freunde sind in dem Alter auch in Gruppen gemeinsam in den Urlaub geflogen. Einfach mal in einer kleinen Gruppe von 3-6 Personen für 2 Wochen weg. Ich selbst hatte irgendwie nie den Drang dazu. Meine Eltern hätten es mir erlaubt, aber mir war die Vorstellung einfach zu befremdlich und von daher habe ich auch diese Möglichkeit nie genutzt.
Rückblickend betrachtet bin ich diesbezüglich zwiegespalten.
Einerseits bin ich ganz froh darüber, dass ich nie wirklich im Urlaub war, da ich aus heutiger Sicht dieses Fernweh und den Drang, Urlaub machen zu müssen, nicht kenne.
Andererseits hätte ich sicher Spaß gehabt. Heute ist es nicht mehr so einfach möglich, aber damals standen mir alle Türen offen. Wieso also habe ich es nicht einfach getan?



Mit 14 Jahren lernte ich meine "erste große Liebe" kennen. Es war eine Fernbeziehung und uns trennten über 300km. Die Beziehung hielt 2 1/2 Jahre und die regelmäßigen Fahrten machten mir zu dem Zeitpunkt nichts aus. Im Gegenteil. Für mich war es eine Art dem Alltag zu entfliehen und eine Möglichkeit etwas "von der Welt" zu sehen. Ich weiß gar nicht, wie viele Stunden ich allein während dieser Beziehung im Zug verbracht habe. In dem Alter, frisch verliebt, weit weg von zuhause schmiedet man Pläne... man träumt von einer gemeinsam Zukunft und malt sich das Leben aus, was man haben könnte, wenn man gemeinsam erwachsen wird.
Natürlich ist daraus nicht geworden. Hätte ich das damals schon gewusst, hätte ich allerdings nichts anders gemacht. Es war eine wertvolle Erfahrung, die ich nicht missen wollten.
Ich hatte den Plan von zuhause wegzugehen, ich wollte bei ihm leben, dort meine Ausbildung absolvieren und meinen eigenen Weg finden. Mit dem richtigen Partner an meiner Seite konnte ich mir vorstellen, alles zuhause zurückzulassen und einfach "neu" anzufangen.
Das kann ich auch heute noch. Aber leider ist bis heute nichts daraus geworden. Ich bin nie wirklich weit weggezogen, habe immer den familiären Rückhalt in greifbarer Nähe gehabt.
Prinzipiell nichts schlimmes und ich bin froh, dass ich gerade in den schweren Zeiten meines Lebens diesen Rückhalt hatte. Aber der Wunsch, etwas eigenes für mich zu haben, fernab von zuhause, ist bisher nicht real geworden. Klar, die Möglichkeit habe ich noch immer und jederzeit, aber natürlich braucht man auch den entsprechenden Anreiz.

Damals besuchte ich das Gymnasium... immer mit dem Ziel Abitur zu machen und mir somit die Möglichkeit offen zu halten, studieren zu können. Ich hatte zwar viele Jahre keine Ahnung, was ich später mal werden sollte, aber zumindest hätte ich einen Plan B gehabt.
Die Jahre vergingen und neben der Schule entwickelten sich viele andere Interessen.
Ich würde nie behaupten, dass Schule auf der Strecke blieb, aber so richtig bei der Sache war ich auch nicht. In der 10ten Klasse entschied ich mich dann gegen das Abitur und verließ das Gymnasium. Ich brauchte ein Jahr "Auszeit", welches ich dafür nutzte, mich beruflich zu orientieren und zu schauen, worauf ich überhaut hinarbeite. Ich saß also nicht zuhause rum, sondern machte verschiedene Praktika. Rückblickend betrachtet halte ich das für eine sehr erwachsene Entscheidung. Aber in meinem "neuen" Leben hätte ich mich einfach zusammenreißen und das Abitur machen sollen. Heute bin ich der Meinung, dass man mit etwas Fleiß und Konzentration das gut schaffen kann. Nun ja... ich machte nach dem Jahr Auszeit dann mein Fachabitur (was ich nicht für schlechter empfinde).



Nach den verschiedenen Praktika und dem erfolgreich absolvierten Fachabitur, entschied ich mich für eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin.
Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich diese Ausbildung aufgrund meiner Erkrankung kurz vor Examen abbrechen musste.
Ich habe diesen Beruf wirklich geliebt und habe der Entscheidung, das Ganze abzubrechen, wirklich lange hinterher getrauert.
Hätte ich allerdings ein "neues" Leben, in dem ich all meine Entscheidungen revidieren könnte, würde ich diese Ausbildung nicht noch einmal machen.
Wieso? Weil ich glaube, dass mir diese Ausbildung sehr geschadet hat. Geschadet in dem Sinne, dass ich mir Wissen und Verständnis angeeignet habe, was ich dann nach einiger Zeit gegen mich selbst verwendet habe.
Man stelle sich folgende Situation vor: Man sitzt auf der Couch, schaut Fernsehen und kriegt plötzlich Magenschmerzen. Jeder "normale" Mensch würde sich denken "Oh, das gibt sicher Blähungen" oder "Hmm... hab ich sicher etwas falsches gegessen" oder vielleicht auch "Wer weiß, was das gibt?!".
Ich wiederum lag auf der Couch, kriegte Leibschmerzen und fing an, meinen Bauch abzutasten. Ich überlegte ernsthaft, ob es vom Magen, vom Dünn- oder Dickdarm kommen könnte und womit ich dann gleich zu rechnen hätte....
Ich war so ambitioniert in diesem Beruf, dass ich anfing, mich selbst zu behandeln (was prinzipiell ja nicht ganz so verkehrt ist...). Ich glaube auch, dass dieses Basiswissen dazu führte, dass überhaupt meine Erkrankung ausgebrochen ist.
Also... so sehr ich diesen Beruf auch liebte... ich würde es nicht nochmal tun.
Und vielleicht könnte ich so meinem Leben eine ganz neue Richtung geben (ohne Erkrankung).
Was ich stattdessen für einen Beruf gewählt hätte, kann ich nicht mal sagen. Als Kind träumte ich davon Archäologin zu werden. Darüber kann ich heute nur lachen. 
Aber vielleicht hätte ich etwas im Bereich Journalismus studieren wollen?

Ich habe schon immer Musik geliebt. Egal in welcher Lebenslage war Musik immer etwas, was mir wichtig war. Sie begleitet mich schon solange ich denken kann und dennoch habe ich noch nie ein Konzert besucht. Irgendwie hat es sich nie ergeben, oftmals war es mir zu weit weg oder ich war einfach zu geizig (vor allem in den Jahren, in dem mir nur mein Taschengeld zur Verfügung stand).
Heute, wo ich nicht mehr einfach so zu einem Konzert fahren kann oder eben die Situation vor Ort für mich schwierig wäre, bereue ich das sehr. Ich habe bisher dreimal eine konzert-ähnliche Veranstaltung besucht, aber eben nie ein "wirkliches" Konzert.
Rock am Ring war z.B. immer eine Veranstaltung die ich im TV verfolgt habe. Gerne hätte ich das einmal miterlebt. Aber es ist nie dazu gekommen.
Das wäre definitiv etwas, was ich in meinem "neuen" Leben getan hätte.

Versteht mich nicht falsch... ich habe mich mit meinem jetzigen Leben arrangiert und bin noch immer der Meinung, dass ich eines Tages viel von dem nachholen kann, wozu ich bisher noch nicht die Möglichkeit hatte. Hätte ich aber eben damals schon gewusst, wie mein Leben sich einmal entwickeln würde, hätte ich ein paar Dinge anders gemacht.

Gibt es etwas in eurem Lebenslauf, was ich gerne anders machen würdet?
Gibt es etwas, was ihr bereut?

L.H.P.

Kommentare:

  1. Ich mag dich nur ermutigen, weil du Dinge so darstellst, als könntest du sie heute nicht mehr machen. Das volle Abitur könntest du noch nachholen und dann auch studieren. Ich bin mittlerweile 32 und immernoch an der Uni, kurz vor dem Abschluss. Bei uns im Studiengang waren sogar wesentlich ältere Personen, die vorher etwas ganz anderes gemacht haben! Du siehst, vieles ist möglich, wenn wir uns nur lassen. Ich schicke dir liebe Grüße
    Annie

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    1. Huhu, danke für dein Kommentar.
      Heute bin ich ganz glücklich mit meinem Beruf. Arbeite ja nun seit einigen Jahren im kaufmännischen Bereich (nach dem ich eine zweite Ausbildung gemacht habe) und habe endlich auch eine Anstellung gefunden, in der ich mich sehr wohl fühle.
      Abitur und Studium kommt für mich aktuell nicht in Frage, aber ich hätte mir rückblickend betrachtet gerne die Chance offen gehalten. Es ist aber nicht so, dass ich dem nachtrauer.
      Da gibt es andere Dinge, die ich eher bedauere ;)

      Liebe Grüße

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  2. Das mit der Krankenpflegeausbildung kann ich extremst gut nachvollziehen. Ich wünsche mir manchmal, ich wüsste nicht so viel über die Psyche des Menschen. Ich laufe wirklich durch die Gegend und analysiere Leute, verzeihe (fast) jedem total schnell, weil es ja einen Hintergrund zu allem gibt... Das klingt erstmal gar nicht so schlecht und ist es auch nicht, aber man kann "untergehen", wenn man nicht aufpasst.

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    1. Ja, Wissen ist nicht unbedingt immer Macht.
      Wissen kann manchmal mehr schaden, als man es zuvor vermutet.
      Manchmal sollte man einfach mal das Hirn ausschalten und im Hier und Jetzt sein.
      Das könnte helfen...

      Ganz liebe Grüße :)

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  3. Ein sehr toller Post! Ich lese teilweise mich und mein eigenes Leben, meine eigene Situation darin.
    Alles Gute weiterhin und LG!

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    1. Hallo Susann,
      danke für dein Kommentar und schön, dass du dich ein wenig darin finden konntest.

      Liebe Grüße :)

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  4. Wirklich sehr interessant mal darüber nachzudenken. So spontan würde ich sagen, dass alles so sein sollte, wie es gelaufen ist. Hätte ich nicht meine erste Ausbildung abgebrochen, hätte ich nicht bei der Behörde angefangen, wäre nicht verbeamtet worden und hätte jetzt noch mehr finanzielle Probleme durch meine Frührente. Von daher ist das so alles schon ok.
    Wer weiß aber, ob nicht die schlimmen 8 Monate in der 1. Ausbildung mit Schuld waren an den psychischen Problemen. Genauso ich hätte mir den einen oder anderen Partner sparen können. Dann könnte ich heute vielleicht schneller Vertrauen fassen. Da bin ich mir ganz ganz sicher.
    Also einiges würde ich dann wohl doch anders machen. :)
    Viele liebe Grüße

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