17. Juni 2015

[A-Z] G und H

G... Geschwister und Grübelei 

Ich habe einen älteren Bruder. Ihn und mich trennen 4 Jahre.
Als wir noch kleiner waren, haben wir uns regelrecht gehasst. So... wie das die meisten Geschwister irgendwann mal tun. Wir haben uns beschimpft, miteinander gekämpft, haben uns oft und heftig gestritten und uns sogar gegenseitig (wenn auch unabsichtlich) verletzt.
Dank ihm habe ich eine kleine Narbe unter der Nase. Laut der Erzählungen meiner Mutter entstand diese wohl in einem unserer frühkindlichen "Kämpfe". Ich warf mit Plüschtieren, woraufhin er mit Legosteinen zurückwarf. Einer dieser Steine traf mich direkt unter die Nase, woraufhin ich verletzt wurde, blutetet und sich zum Schluss diese kleine Narbe bildete. Mich persönlich stört sie nicht. Hat sie noch nie... aber dennoch ist es etwas, was mich (wenn ich in den Spiegel sehe) an meinen Bruder erinnert. Heute, wo wir beide erwachsen sind und unsere eigenen Wege gehen, verstehen wir uns sehr gut. Auch, wenn wir uns nicht so oft sehen, vertraue wir uns dennoch Dinge an und diskutieren manche Themen miteinander aus. Anders, als damals... ohne Fäuste, ohne Geschrei... wir sind erwachsen geworden. Wir beide haben unsere eigenen Probleme, unsere eigenen kleinen Leben entwickelt und dennoch werden wir immer ein Teil von einander sein. Obwohl uns soviel von einander entfernt, gibt es dennoch genug Dinge, die uns wieder zusammenführen.


Ein seltener Moment des Friedens ;-)
Auch, wenn wir uns unsere Kindheit ziemlich schwer gemacht haben und nur selten Ruhe einkehrte, bin ich froh, kein Einzelkind zu sein. Ich war froh, dass ich jemanden hatte, der mich, seine kleine Schwester, beschützen wollte. Obwohl er...


... manchmal mein größter "Feind" war, war er auch zeitgleich mein größter Rückhalt. Und dafür bin ich dankbar.

Wer mich besser kennt, weiß, dass ich ziemlich unsicher bin. Ich hinterfrage viel, beziehe vielleicht sogar viele Dinge auf mich, obwohl das in den meisten Fälle gar nicht den Tatsachen entspricht. Ich reflektiere viele Situationen. Nicht, weil ich meine, es wäre erforderlich. Sonder viel mehr, weil ich nicht anders kann. Ich bin unsicher in dem, was ich tue, in meinem Verhalten, in meinem sein. Ich bin selten zufrieden mit mir. Ich kann nicht mal sagen warum?! Vielleicht, weil ich weiß, dass ich so viele Dinge so viel besser machen kann? Ich blockiere mich selbst oft genug. Stehe mir und meinem Glück oftmals im Wege. Und natürlich ärgert mich das. Und obwohl ich mir schon so oft vorgenommen habe, einfach mal den Kopf auszuschalten und mehr im hier und jetzt zu sein, ist es gar nicht so leicht, wie ich mir das immer ausmale. Mein Kopf führt ein Eigenleben (was ja auch meine Erkrankung erklärt) und spult Gedankengänge ab, die ich nur selten unterbrechen kann. Wie oft sagte man mir schon "Du denkst zu viel". Aber ich arbeite daran... immer und immer wieder. 


H... wie Hilfe, Hoffnung und Heilung

Wie ich ja bereits mehrfach schon erwähnte, habe ich eine Vorausbildung in der Krankenpflege. Ich habe diesen Job geliebt, weil ich einfach das tun konnte, was ich gerne tat. Für andere da zu sein. Ich weiß nicht warum das so ist, aber ich mag es Menschen etwas Last abzunehmen. Ich mag es, mich gebraucht zu fühlen und den Menschen zu helfen, sich etwas besser zu fühlen. So gerne ich auch anderen Menschen helfe... in vielen Situationen bin ich so verbohrt, dass ich selbst keine Hilfe annehmen kann. Gerade die Zeit, in der ich Single war, hat mich sehr geprägt. Wieso? Weil ich plötzlich alleine auf mich gestellt war und kaum jemand da war, der mir half. Niemand half mir, schwere Taschen zu schleppen. Niemand half mir, wenn ich mitten in der Nacht meinen Flur streichen wollte. Niemand war da, wenn ich Getränke holen musste oder einen 20kg Katzenstreu-Sack nach Hause tragen musste. Ich musste das alleine bewältigen. Und das habe ich auch. Daher fällt es mir jetzt schwer, Hilfen in dieser Art anzunehmen. 
Andersrum gehöre ich aber auch zu den Menschen, die lieber zum Arzt gehen und sich dort "Hilfe" holen, als zuhause alleine mit meinen Beschwerden klar zukommen und zu hoffen, dass sie von alleine wieder gehen. 
Für mich ist es schwierig ein gesundes Mittelmaß, zwischen helfen und helfen lassen, zu finden.

Nun bin ich bereits seit einigen Jahren erkrankt. In dieser Zeit gab es öfter Phasen der Hoffnungslosigkeit. In diesen Phasen fragte ich mich, wie es wohl weiter gehen soll?! Wie ich in dieser eingeschränkten Art und Weise mein Leben weiterleben kann?! Es fiel mir schwer, mich aufzuraffen, mich für Dinge zu begeistern. Es fiel mir schwer, daran zu glauben, dass es eines Tages wieder besser werden würde... Dann gab es wiederum Phasen, in denen es komplett anders war. Ich war motiviert, hatte Hoffnung, dass sich irgendwann etwas ändern würde, solange ich nur fest daran glaube und daran arbeite. Dieses emotionale Auf und Ab begleitet mich seit jeher. Allerdings hat sich eins verändert. Richtig hoffnungslos bin ich schon lange nicht mehr. Klar... ich frage mich weiterhin manchmal, ob ich so, wie es jetzt ist, irgendwann mal richtig glücklich sein kann? 
Aber ich glaube, dass es nicht so bleiben wird, wie es jetzt ist. Es wird besser. Ganz bestimmt! Diese Hoffnung, dass ich irgendwann einfach wieder sorglos sein kann, ist da und bleibt. Ich erwarte nicht, dass es morgen oder nächste Woche oder gar in den nächsten Monaten passiert. Aber ich glaube daran, dass ich irgendwann zurückblicken kann und sagen kann "Ja... das war eine verdammt besch****ene Zeit! Aber ich hab sie hinter mir gelassen"

Dementsprechend kann man auch sagen, dass ich an eine Heilung glaube. 
Nicht in dem Sinne, dass ich irgendwann ein Medikament finde, welches mich von all meinen Symptomen und angsterzeugenden Gedanken befreit. Auch nicht an eine Wunderheilung... ich werde nicht eines morgens aufwachen und mich plötzlich "normal" fühlen. 
Ich glaube daran, dass sich eines Tages etwas ändern wird. Ich meine... ich werde daran arbeiten müssen, werde viele Hindernisse überwinden müssen und auch einige Rückschläge in Kauf nehmen. Aber ich glaube, dass sich das eines Tages auszahlt....
... eines Tages werde ich mir plötzlich darüber im Klaren sein, dass ich so viel erreicht habe und es mir soviel besser geht. Ich werde mich daran erinnern, wie schlecht es mir mal ging, wie unsicher ich mich bei allem fühlte und wie ungewiss die Zukunft war. Und dann werde ich lächeln und mich darüber freuen, dass es dann endlich anders ist.
So stelle ich mir meine Art der "Heilung" vor. Eine Heilung, die ich selbst zu verantworten habe. Kein Arzt, kein Medikament, keine Therapie... einfach nur ein Beweis dafür, dass sich der ewige Kampf ausgezahlt hat. 

L.H.P.

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