14. Januar 2015

Wer bin ich und was will ich hier eigentlich?

Kennt ihr das? Ihr schaut in den Spiegel, seht euer Gesicht, schaut euch einfach nur an und wisst in dem Moment eigentlich gar nicht so recht, was ihr da seht?
Ich meine... klar, dass seid ihr, aber... wer ist das da im Spiegel eigentlich wirklich?

Diese Momente habe ich manchmal. Nicht oft, eher selten. Aber sie gibt es?!
Ich bin 27 Jahre alt, sehe im Spiegel aber meist noch die 19 Jährige, die verrückt, lebenslustig und naiv war. Naiv in dem Sinne, dass sie nicht wusste, was das Leben für sie bereithält (und sie es auch durchaus nicht wissen wollte). Ich sehe das Mädchen, was genau wusste, was mal aus ihr werden soll. Sie hatte Freunde, Ziele und Träume.
Und dann wird mir wieder bewusst, dass ich nicht mehr 19 Jahre alt bin, einen Großteil meiner verrückten und lebenslustigen Lebensweise verloren habe und zwar noch immer nicht weiß, was da im restlichen Leben auf mich zukommt, aber irgendwie auch keine großen Erwartungen (mehr) habe.



Ich schaue in den Spiegel... schaue mir selbst in die Augen und je länger ich da stehe und mich ansehe, umso wahrscheinlicher...


... ist es, dass ich über meine Jugend und die vergangenen Jahre nachdenke. Und plötzlich kullern die Tränen. Warum? Weil mir in solchen Momenten bewusst wird, wie viele Jahre ich verloren haben und welche Chancen mir bisher entgangen sind.

Ich würde sagen, dass ich mich optisch (bis auf mein Gewicht) in den letzten 5-7 Jahren kaum verändert habe. Klar... man sieht mir an, dass ich keine 20 mehr bin, aber dennoch würde ich behaupten, dass ich jünger aussehe, als das, was in meinem Personalausweis steht.
Und irgendwie ist es auch das, was dazu führt, warum ich mich von meinem "alten Ich" so schwer lösen kann. 
Ich habe mich weiterentwickelt, habe mehr Lebenserfahrung (wenn auch nur wenig) als noch vor diesen 5-7 Jahren und habe auch einiges mitmachen müssen. 
Aber dennoch vermisse ich mich, wie ich mal war. 

In den letzten Monaten kamen in verschiedenen Situationen wieder Augenblicke auf, in denen ich kleine "Aha"-Momente erleben durfte. Momente, in denen ich dachte "wow... das hast du schon ewig nicht mehr gehabt".

Momente, in denen ich verliebt bin, wie ein Teenager; in denen ich vor lachen weinen muss und ich es nicht mal kontrollieren kann. Momente, in denen ich einfach nicht nachdenke und einfach tue. Momente, in denen ich so viele Fragen habe, aber keine Antworten brauche;  in denen ich allein schon aufgrund einer Vorstellung so sehr lachen muss, wie ich es schon ewig nicht mehr getan habe.

Das sind Momente wie früher. Momente, die ich ganz, ganz lange Zeit so nicht hatte und auch lange Zeit nicht wusste, dass sie für mich doch so wichtig sein könnten.

Es sind Kleinigkeiten, die mir immer wieder zeigen, dass ich mich zwar verändert habe... meine Erkrankung mich verändert hat... aber irgendwo in mir drin, noch die naive 19 Jährige schlummert, die nur darauf wartet, wieder herauskommen zu dürfen.

Diese seltenen Momente beruhigen mich, denn ich weiß, dass ich zwar nicht mehr diejenige bin, die ich mal war, aber ich es durchaus irgendwann mal wieder sein kann... zumindest ansatzweise.

Vielleicht brauche ich mehr Zeit oder vielleicht brauch ich einfach auch dafür Hilfe von außen.
Aber ich bin noch immer ich. Älter, ängstlicher, sensibler und sturer, aber ich bin noch immer ich.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich mich auch in den nächsten Jahren noch weiter verändern werde. Das ist OK. 
Solange ich zukünftig weiterhin in den Spiegel schauen kann und weiß, wen ich da sehe?! 

In diesem Sinne...

L.H.P. 


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