18. Januar 2015

Panikattacken gesteigert durch Selbstzweifel

Letzte Woche war es mal wieder soweit... ich hatte eine kleine, aber dennoch nervige und frustrierende Panikattacke.
Ich war gerade dabei ein paar Einkäufe zu erledigen und stand, wie so oft an der Kasse.
Die Schlange vor mir war relativ lang. 6 Leute standen vor mir und warteten darauf, endlich abkassiert zu werden.
Aus irgendeinem Grund war ich zuvor schon nervös. Den Auslöser dafür weiß ich nicht mal.
Vielleicht lag es an der Hektik der Mitarbeiter, den vielen Kunden vor Ort oder einfach nur die Tatsache, dass ich vor lauter Sortimentsangebot kaum wusste, was ich kaufen sollte?!
Wahrscheinlich war es aber auch ein Mix von allem.


Fakt ist: Ich war nervös, die Schlange war lang und ich merkte langsam, wie meine Gedanken immer wieder Richtung Blase wanderten. 
Ein konkreter, anatomischer Grund des plötzlich auftretenden Harndrangs war aber unwahrscheinlich, da ich vor meiner Abfahrt zuhause noch die Toilette aufgesucht habe. 
Ich war vielleicht gerade mal 15 Minuten unterwegs... also wieso sollte sich dann schon wieder die Blase melden?

Nun ja... 



...ich stand also da, kriegte eine Hitzewelle, Herzrasen, Gänsehaut und Zwangsgedanken.
Was macht man dann? Ich hatte nur zwei Möglichkeiten... die Situation aushalten und dort stehen bleiben oder alles stehen lassen und aus dem Laden flüchten.
Natürlich wollte ich mir 1. nicht die Blöße geben und einfach abhauen und 2. aus der Situation fliehen und am Ende sauer auf mich sein.
Also blieb ich stehen, versuchte mich zwanghaft abzulenken und hoffte nur, dass ich ganz bald die Kasse erreicht habe.
Gefühlte 10 Minuten später (in Echtzeit waren es sicher nur 3) kam ich dann endlich dran. 

Die Kassiererin verwickelte mich noch in ein Gespräch, was mich kurzzeitig ablenkte.
Auf dem Weg zum Auto merkte ich, wie das Gefühl der Unsicherheit und des Harndrangs immer stärker wurde.
Wieso? Ich hatte doch die angsterzeugende Situation verlassen?!
Als ich dann im Auto saß, mich anschnallte und den Wagen startete, merkte ich, dass die Anspannung langsam nachließ. Sie war noch deutlich zu spüren und ich war noch nicht an einem Punkt angekommen, wo ich wusste, dass es nun fast vorbei ist.
Und dann fiel mir ein, was meine Angst immer ins Immense verstärkt.... Selbstzweifel.

Wenn ich einmal in einer solchen Situation bin, zweifle ich an mir, meinen Körperfunktionen und bin maßlos enttäuscht darüber, dass es nun schon wieder passiert ist. 
Es ist eine Art Gedankenkarussell aus dem es schwer ist, auszusteigen.
Nun saß ich also da, fuhr langsam mit dem Wagen nach Hause und war mir genau im Klaren darüber, was gerade mit mir passiert.
Ziel war also, mich auf die Selbstzweifel zu stürzen, sie anzugreifen und hoffentlich die Symptomatik zu lindern.
Was tat ich also? Ich erzählte mir selbst, dass ich gut so bin, wie ich bin. Ich zählte mir all die Dinge auf, auf die ich stolz bin. Ich erklärte mir selbst, was ich in den letzten Jahren trotz Angst erreicht habe und dass ich keine Angst haben bräuchte.
Ein Glück war ich allein im Auto und zum Glück kriegte somit keiner mit, wie ich Selbstgespräche führte... aber hey... ich bin psychisch krank... ich darf das ;-)

Das Faszinierende war... der Harndrang ließ nach und ich merkte, wie ich immer ruhiger wurde.
Ich weiß nicht, ob es an der Selbstsuggestion lag oder einfach an der Tatsache, dass ich abgelenkt war.
Aber es hat geholfen. Was auch immer es war... es hat geholfen.

Natürlich war ich, zuhause angekommen, immer noch etwas enttäuscht darüber, dass nach langer Zeit die Panik sich wieder gemeldet hat. 
ABER es war auch schon eine lange Zeit vergangen seit der letzten Attacke.
Also beschweren würde ich mich nun nicht.

Auf jeden Fall ist diese Art der Selbstsuggestion etwas, was ich definitiv beim nächsten Angstanfall wieder versuchen werde. Vielleicht auch dann nur in Gedanken.
Ich bin gespannt, ob es etwas ist, mit dem ich langfristig arbeiten kann!

L.H.P. 



Kommentare:

  1. Sehr mutig, öffentlich darüber zu schreiben. Ich kenne das selbst gut und hey, Du hast es überstanden und bist auf einem guten Weg :).

    Liebe Grüße
    Claudia

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    1. Hey Claudia,

      vielen Dank für dein Kommentar.
      Ich freue mich immer über Feedback.

      Ganz liebe Grüße

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  2. Hallo,
    auch ich finde es sehr mutig, dass du dich so offen äußerst ... sehr bewundernswert. Gibt es doch viele, die das ganz allein mit sich selber ausmachen wollen aus Angst und Scham von der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden. Ich wünsch Dir ganz viel Kraft weiterhin-du bist auf einem guten Weg.
    Liebe Grüße
    Katja

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    1. Hallo Katja,

      auch dir danke ich für dein Kommentar.
      Ich glaube, das Problem besteht weniger darin, von der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden, sondern eben aufgrund dieser Angst, sich selbst auszugrenzen.
      Aber das sehen die meisten Betroffenen nicht.
      Ich selbst versuche einfach mir das Leben damit etwas erträglicher zu machen, in dem ich offen damit umgehe.

      Lieben Gruß

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