28. Januar 2015

Die Lust auf mehr!

Letzte Woche habe ich etwas getan, was ich schon ewig nicht mehr getan habe...
... ich war, aufgrund einer nachträglichen, betrieblichen Weihnachtsfeier, bei einer konzertähnlichen Veranstaltung. Um genau zu sein, war ich in einer Show eines Comedians, welcher zurzeit auf Tour ist.
Mein Chef hatte uns Angestellten dazu eingeladen, woraufhin ich nun mal schlecht "nein" sagen konnte.

Zuvor hatte ich wirklich Bedenken, wenn nicht sogar schon Angst, weil es 

  1. eine 45 minütige Autofahrt beinhaltete (Landstraße natürlich...)
  2. ich befürchtete, eh nichts von der Show mitzubekommen, weil ich ständig zur Toilette rennen würde und 
  3. ich wusste, dass die Veranstaltung ausverkauft war und mit 5.450 Plätzen mit vielen, vielen Menschen zu rechnen war.


Da vom Veranstalter dringlichst abgeraten wurde, mit dem Auto anzureisen (nicht ausreichend viele Parkplätze und Staus bei An- und Abreise), entschied sich die komplette Belegschaft mit der Bahn anzureisen. Ich nahm allerdings das Risiko in Kauf, keinen Parkplatz zu bekommen und im Stau zu stehen... was hätte ich auch tun sollen?
In einer S-Bahn gibt es nun mal keine Toiletten?!

Ich bereitete mich also ausgiebig darauf vor:
ich trank den ganzen Tag ausreichend, aber nicht unnötig viel; fuhr rechtzeitig, aber nicht zu früh los, um eine unnötigen Warterei vor der Halle zu vermeiden UND informierte die Belegschaft, dass ich eventuell später dazu stoßen würde (ich musste schließlich Staus und Toilettenpausen einrechnen).
Die Fahrt dorthin verlief...


...(wenn auch die unbekannte Strecke im Dunkeln ziemlich gruselig war) relativ unproblematisch. Auch vor der Halle gab es kaum Stau und ich ergatterte einen, der letzten Parkplätze. Am Eingang endlich angekommen, reihte ich mich nur noch in die bereits bestehende Menschenschlange ein und konnte innerhalb von 10 Minuten die Räumlichkeiten betreten. 
Als ich jedoch in diesem Vorraum stand, war ich mit der Anzahl dieser Menschen total überfordert
Durch meine indirekte Vermeidung von Menschenmassen, war dies das erste Mal, seit knapp 7 Jahren, wo ich so vielen Menschen "ausgesetzt" war. Zwischenzeitlich raste mein Herz und mir wurde etwas schwindelig, was ich allerdings durch langsames, gleichmäßiges Atmen wieder regulieren konnte.
Es war wirklich etwas, an das ich mich gewöhnen musste.
Nach ca. 20 Minuten ließ der Stress nach und ich konnte mich auf das Wesentliche konzentrieren.
Als wir dann an unseren Plätzen waren, sah ich auch direkt, dass unsere Plätze relativ mittig im Sitzblock waren... neben mir saßen 4 Damen, die anscheinend als Gruppe dort die Veranstaltung besuchten. 
Als ich dort saß, die Show begann und die Halle dunkler wurde, merkte ich, dass ich immer nervöser wurde. Die Tatsache, dass ich "umzingelt" von Menschen war und ich nicht so schnell "flüchten" könnte, wie ich wollte, wenn ich wollte, war etwas, was mir keine Ruhe gelassen hat. 
Nach ca. 35 Minuten musste ich also das erste Mal dort die Toilette aufsuchen. 
Die Damen neben mir, die wegen mir aufstehen musste, um mir Platz zu verschaffen, signalisierten mir schon durch genervtes Augenrollen,schnippischen Schmatzen und ein verständnisloses Stöhnen, dass sie darüber nicht sonderlich erfreut waren.
Als ich wieder kam, entschied ich mich, die restliche Show von der Treppe aus zu beobachten.
Und als ich dort so saß und das alles auf mich einprasseln lies, merkte ich, dass ich immer ruhiger wurde.
Ich kannte nun die Örtlichkeiten, hatte keinen Druck von außen mehr und konnte jederzeit gehen, wenn mir danach war, ohne jemandem "zur Last zu fallen".

Rückblickend betrachtet, war es eine gute Erfahrung und ein weiterer, wenn auch kleiner, Schritt nach vorne.

Wenn ich gerade über diesen "Schritt nach vorne" schreibe...
... momentan befinde ich mich an einem Punkt, an dem ich Dinge getan habe, von denen ich bis vor ein paar Monaten noch glaubte, dass sie für mich unmöglich seien.
Und dennoch ist da immer wieder diese Befürchtung, ich könnte wieder Rückschritte machen und das verlieren, was mir so wichtig ist.
Manche sehen das Leben als eine Treppe.... man geht Schritt für Schritt hinauf, bis man irgendwann an seinem Ziel angekommen ist. Beliebt ist auch das Sinnbild der "Karriereleiter". 

Ich persönlich sehe meinen Weg eher wie eine Art Rutsche.


Ich habe es mit Mühe langsam bergauf geschafft und mein Ziel ist noch weit, weit entfernt.
Aber setze ich einmal den Fuß falsch auf oder gerate aus dem Gleichgewicht, kann es passieren, dass ich abrutsche und wieder dort bin, wo ich vorher war. ODER, wenn ich zu viel Schwung bekomme, falle ich sogar tiefer, als zuvor.
So stelle ich mir das vor... ich weiß... ziemlich pessimistische Ansicht, aber das sind leider alles nur Erfahrungswerte, die ich in den letzten 7 Jahren sammeln musste.

Und ja, ich habe Angst davor, abzurutschen und mein Ziel noch weiter aus den Augen zu verlieren.
Ich habe Angst davor, das zu verlieren, was mir wichtig ist und ich habe Angst davor, irgendwann an einen Punkt zu kommen, an dem ich einfach merke, dass ich nicht weiterkomme.

Aber so wirklich möchte ich mich gar nicht mit diesen Befürchtungen auseinandersetzen.
Ich versuche es zurzeit so zu genießen, wie es ist... auch, wenn mir das natürlich nicht immer gelingt.
Aktuell habe ich sogar wieder Lust, Dinge zu tun, die lange Zeit für mich keine Rolle spielten.
Ich würde gerne mal wieder für 2-3 Tage wegfahren... wenn auch nicht weit.
Aber einfach mal weg. Ich glaube, das werde ich dieses Jahr mal in Angriff nehmen [das Jahr ist ja noch lang ;-) ].

Wie in meinem vorherigen Blogpost beschrieben, bin ich nicht frei von Panikattacken.
Sie tauchen zwar nur noch selten auf, aber sie sind immer noch da. 
Und ich weiß auch, dass ich noch lange mit ihnen zu kämpfen haben werde.
Aber die Fortschritte (wenn auch manchmal nur kleine und unfreiwillige), die ich in den letzten 4 Monaten gemacht habe, sind für mich so viel Wert, dass ich anfange, meinen "Lebensspielraum" Schritt für Schritt zu erweitern.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

In diesem Sinne...

L.H.P. 

Kommentare:

  1. Liebe Peaches,
    Ich bin ganz ehrlich, dass ist kein kleiner Schritt, sondern ein großer. Das kostete dich in vielerlei Hinsicht Überwindung. Toll, du bist auf einem guten Weg.
    Herzliche Grüße, Bee

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    1. Liebe Bee,
      vielen Dank.
      Ja, es hat mich definitiv Überwindung gekostet, aber im Nachhinein bin ich ganz froh, das so gut überstanden zu haben.
      Mal sehen, was in Zukunft noch passiert?!

      Liebe Grüße

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  2. Wenn Du das Gefühl hast, "abzurutschen", dann stelle Dir eine schöne Blume oder eine herrlich bunte Wiese vor. Dein Gefühlszentrum wird dann plötzlich "umdenken" müssen und Du stoppst das "Abrutschgefühl", denn das wird definitiv von diesem Gefühlszentrum gesteuert. Ablenkung ist dann das Stichwort, dann ist es eine Weile beschäftigt und läßt Dich in Ruhe.

    LG Petra K.

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    1. Hallo Petra,
      danke für die Anregung.

      Liebe Grüße

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  3. Toller Blogpost!

    Ich finde es unglaublich schon zu hören, dass du (wenn auch nur kleine) Fortschritte machst. :)

    Sarina G. Photography

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    1. Huhu Sarina :)

      freut mich, dass dir der Blogpost gefällt.
      Und danke für die Anteilnahme.

      Ganz ganz liebe Grüße in die Schweiz

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  4. Ich finde es toll das du dich überwunden hast und zu der Veranstaltung gefahren bist. Das ist ein großer Schritt und ich kann deine Gefühle sehr gut nachempfinden. Ich war gestern erst in Köln auf einem Konzert....und es war ziemlich voll....und ich neige eher dazu bei Panikattaken Durchfall zu bekommen und als ich die Schlange vor dem WC gesehen habe und mir dachte....das ich flls ich mal muss nicht schnell genug dran komme...aber das ist alles Kopfsache und als ich mir dann gesagt hatte das ich doch bescheuert bin und mir durch diese Gedanken nur noch schneller eine Panikattake einhandel...gings mir gut und ich konnte den Abend genießen :) Und es war richtig toll und wir hatten so viel Spaß.
    Ich drücke dir die Daumen, das du nicht auf deiner Rutsche ausrutscht und irgendwann oben ankommst und einfach nur glücklich sein kannst.
    Liebe Grüße Nina

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    1. Hallo Nina,

      vielen Dank für die aufbauenden Worte und ich freue mich, dass du mich da so gut verstehen kannst. Kommt ja nun mal nicht so häufig vor, dass jemand mit ähnlichen Symptomen sich hier her verirrt ;)
      Schwierig sind vor allem die Situationen, wo es keine Toilette gibt. Da bin ich schon gestresst, obwohl noch nix passiert ist.
      Und ja... es ist ne Kopfsache. Und genau das ist das ärgerliche daran.
      Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es eines Tages einfach weg ist.
      Bis dahin hab ich zwar noch viel Arbeit vor mir, aber der Kampf ist noch nicht verloren :)

      Ganz liebe Grüße

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    2. Ja das ist echt schlimm zu wissen wenn keine Toilette da ist, aber da gewöhnt man sich mit der Zeit dran, man muss sich nur immer wieder überwinden und sich in solche Situationen bringen auch wenn es anstrengend ist und man sich viel lieber zu Hause auf der Couch oder im Bett verkriechen möchte.
      Ja der Kopf steht einem immer wieder im weg aber wir dürfen einfach nicht aufhören zu kämpfen :)

      Liebe Grüße Nina

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