18. Dezember 2014

Sieben (verdammte) Jahre

Wenn ich so auf die letzten 7 Jahre meiner Erkrankung zurückblicke, frage ich mich manchmal, wieso nun schon so viel Zeit vergangen ist und es mir noch so sehr zu schaffen macht?!
Ich frage mich, was ich all die Jahre gemacht habe, was begründen könnte, warum ich noch nicht viel weiter in meiner "Entwicklung" bin?!
Und dann fange ich an, ernsthaft darüber nachzudenken...

Wenn ich diese Jahre aufdrösel, dann macht es eigentlich Sinn, dass es jetzt ist, wie es ist.
Da ich ja eine psycho-somatische Erkrankung habe und zuvor keinerlei psychische Erkrankungen erleiden musste, war mir zu Beginn dieses Theaters überhaupt nicht klar, woran ich eigentlich leide.
Rückblickend betrachtet würde ich schätzen, dass die ersten 2 Jahre dazu dienten, herauszufinden, woran ich leide. 




In einem vorherigen Blogpost (siehe hier) habe ich bereits beschrieben, welche Prozeduren ich schon hinter mich bringen musste, um an dem heutigen Punkt meiner "Erkenntnis" zu sein. 
Es kostete viel Zeit und viel Geduld, von...




... Arzt zu Arzt zu rennen und immer wieder die Praxen mit dem Gefühl zu verlassen, ein Versuchskaninchen zu sein.

Nach diesen ersten 2 Jahren und dem Wissen, organisch gesund, aber psychisch ein "Wrack" zu sein, kommt die Phase, in der man versucht, etwas an seiner Situation zu ändern.
So erging es mir zumindest. Ich suchte nach einer passenden Therapie und einem freien Therapeuten, welcher sich meiner Sache auch annehmen wollte. Ich erinnere mich an viele Telefonate, einige besprochene Anrufbeantwortern und der bestehenden Frage "Ist der nah genug? Schaff ich es bis dahin?". Des Weiteren weiß ich noch, dass manche Therapeuten unfassbar lange Wartezeiten hatten. 
"Ich werde Sie mal auf die Liste schreiben. Aber es kann durchaus sein, dass Sie bis zu einem Jahr warten müssen....".

Nun ja... ich würde schätzen, dass die Suche einer Therapeutin, das Belesen über ähnliche Krankheitsbilder, das Probieren verschiedener Therapiearten, das Testen von Dosierungen von Psychopharmaka und und und, mich weitere 2 Jahre meines Lebens gekostet hat.

Somit wäre bereits erläutert, wo ich meine ersten 4 Jahre "verloren" habe.

Das fünfte Jahr war dann ein ziemlicher Tiefpunkt
Ich fühlte mich gut über meine Erkrankung informiert, hatte das Gefühl, ich sei therapeutisch in guten Händen, machte kleine Fortschritte, aber auch immer wieder zahlreiche Rückschritte und war einfach durchweg unzufrieden. Ich hatte das Gefühl, es geht nicht mehr voran und begann mich mit dem Gedanken anzufreunden, einfach lebenslänglich eingeschränkt zu bleiben und auf Dinge verzichten zu müssen, die zuvor so "normal" für mich waren. 
Ich habe also ein ganzes Jahr (wenn nicht sogar mehr) aufgeben
Ich habe akzeptiert krank zu sein.
Ich habe akzeptiert anders leben zu müssen. 
Und ich habe akzeptiert, dass zahlreiche Therapien und "Heilungsversuche" nichts gebracht haben.

Nachdem also mein Zustand stagnierte und ich nur noch von Tag zu Tag lebte, passierte auch etwas, was mir half, wieder auf die Beine zu kommen. Ein Großteil meines Privatlebens brach zusammen, so dass ich in mancher Hinsicht von Vorne beginnen musste.
Was so furchtbar klingt, war rückblickend betrachtet eine Art Erlösung?!
Warum? Weil ich dieses erlebte als Motivation nutzen konnte, für mich neu anzufangen und für mich etwas zu verändern. 
In dieser Zeit des "Umbruchs" ging mir jedoch auch knapp 1 Jahr verloren, welches ich dafür brauchte, mein Privatleben zu "bereinigen" und gefestigt zu sein.

Und schon ist man im Jahr 7. Das Jahr, in dem ich zur Reha durfte. 
Das Jahr, in dem ich berufliche Herausforderungen meistern musste; tolle, neue Menschen kennen lernen durfte und dank einer liebenswerten, wichtigen Person, die größten Schritte seit Jahren wagte. 

7 Jahre sind eine verdammt lange Zeit, aber wenn ich mir überlege, was seit dem passiert ist, verging die Zeit rasend schnell. 
Natürlich hätte ich nach 7 Jahren schon viel, viel weiter bzgl. meiner Fortschritte sein können?!
Aber ich hätte auch viel weiter abdriften können.... 

Ich bin gespannt, was das achte Jahr mit sich bringen wird und welche Fort- und Rückschritte ich machen werde. 

Und ihr dürft mich weiterhin begleiten. 
Auf dem Weg, welchen ich "Leben" nenne.

In diesem Sinne...

L.H.P. 

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