10. Dezember 2014

Harninkontinenz - Ein Thema zum "In die Hose machen"

Heute geht es um ein sehr prekäres Thema, was (neben psychischen Erkrankungen) in unserer heutigen Gesellschaft kaum bis gar nicht öffentlich thematisiert wird:

Harninkontinenz!


Wieso ich darüber schreibe? Nun ja... mich selbst betrifft es nicht, aber eigentlich ist es ja das, was meine Angst grundsätzlich ausmacht.
Diese besteht im Grunde darin, mir "in die Hosen zu machen".



Aber wie stehe ich zu diesem Thema:
Nun ja... jedes Kind lernt einmal aufs "Töpfchen" zu gehen, um nach und nach dieses lästige Übel mit den Windeln loszuwerden. In diesem Zusammenhang gibt es unendlich viele Methoden, die Eltern anwenden, um das Kind "stubenrein" zu bekommen.
Dies könnte vielleicht eine Erklärung dafür sein, warum ich gerade vor so etwas Angst habe?!
Nein... ist es aber nicht. Mir wurde...



... nie gesagt, dass es "bäh" ist, in die Windeln zu machen oder das man schmutzig oder dreckig sei. Es wurde mir damals (laut Aussage meiner Eltern) nie vermittelt, dass es etwas ist, was unrecht und ekelig sei.

Als Teenager habe ich mich mit dem Thema nur in Form meiner Krankenhaustätigkeit auseinandergesetzt. Ich habe damals im Krankenhaus ein 15-monatiges Praktikum gemacht und kam dort das erste Mal mit dem Thema in Berührung. Und was soll ich sagen?! 
Es war für mich weder ekelig, noch befremdlich oder abstoßend. Es war für mich eine durchaus anatomisch-nachvollziehbare Sache, die gerade Frauen auch im hohen Alter erwischen kann und anscheinend (leider) mehr oder weniger dazu gehört. 
Also auch dort ist der Grund meiner Angst nicht zu finden.

Als ich dann später meine Ausbildung in der Krankenpflege begann und in vielen verschiedenen Situationen auf Patienten mit Harninkontinenz stieß, war dies natürlich nichts Neues mehr für mich. Es gehörte zu meiner Arbeit und war für mich schon fast natürlich und nichts "Pathologisches" mehr. Wenn mir (gerade die älteren) Damen ihr Leid darüber klagten und mir vermittelten, wie unangenehm es sei, war ich sogar jemand, der Ihnen versuchte zu erklären, dass es etwas vollkommen "normales" sei und das ja viele Frauen damit zutun hätten. Im Zusammenhang mit meinem Einsatz in einem Sanitätshaus, habe ich sogar die Damen (und auch Herren) beraten, welche Möglichkeiten es gibt, mit Harninkontinenz umzugehen. 
Ich erläuterte, welche Arten von Einlagen es gibt, stellte ein paar "Schutzhosen" vor und zeigte den Patienten auf, welche Möglichkeiten es z. B. gibt, das Bett "rein" zu halten.
Also auch hier war es nie ein Thema, was mich auf negative Art und Weise belastete oder beschäftigte. Im Gegenteil. Ich versuchte den Betroffenen Mut und Selbstvertrauen zu vermitteln.

Also wo genau ist jetzt mein Problem?
Wenn ich das wüsste... ich glaube auch nicht, dass Inkontinenz konkret das ist, was mir Angst macht. 
Viel mehr, dass es eine Art Kontrollverlust ist, der dann auch noch öffentlich ausgetragen wird, weil jeder die nasse Hose sehen würde/könnte.
Ich würde somit mein Empfinden außerhalb meines Kopfes austragen und jeden daran teilhaben lassen. Und das auch noch in einer unangenehmen Art und Weise.
Zusätzlich käme womöglich die Enttäuschung von sich selbst. 

Die Vorstellung, innerlich erst einmal diesen Kampf auszutragen, diese fiese, aufsteigende Angst zu erleiden und dann auch noch zu merken, wie man gerade die Kontrolle verliert, ist für mich echt furchtbar.
Und in diesem Zusammenhang stelle ich mir vor, wie es dann noch sein muss, an sich herunterzuschauen und zu sehen, was alle anderen auch sehen können?!
Das Schlimme ist ja auch noch, dass man als Angstpatient dazu neigt, in seinen Gedanken das Angstszenario bis aufs Übelste zu übertreiben.
Das heißt, wenn ich mich mit meiner Angstvorstellung konfrontiere, höre ich es sogar plätschern.
Als ob man während einer spontanen Harnentleerung 5 Liter verliert?!
Aber ja... so stelle ich es mir vor. 

Wer würde das nicht furchtbar finden?

Also trotz Aufklärung über das Thema Harninkontinenz, trotz anatomischem Wissen und einer (eigentlich) lockeren Einstellung zu dem Thema, ist es für mich doch etwas, was mir Angst macht.

Vielleicht liegt es am Alter, vielleicht aber auch am Ego.
Schwierig zu sagen. 
Zum Schutz vor diesem Angstereignis trage ich Einlagen. Einlagen, die ich nicht brauche. 
Sie nerven mich, geben mir aber auch zeitgleich Schutz (den ich aber ja eigentlich nicht brauche).
Man versucht sich schließlich irgendwie zu helfen, um wenigstens ansatzweise ein "normales" Leben führen zu können. 
Und dabei helfen sie mir.

Ich denke, dass dies zumindest schon ein guter, wenn auch unnötiger Ansatz dafür ist, etwas mehr Freiheit zu erlangen.
Alles Weitere muss im Kopf passieren. 
Da helfen auch keine Einlagen.

In diesem Sinne...

L.H.P. 

Kommentare:

  1. Ich denke auch, dass es der Kontrollverlust ist. Und dass du es irgendwann schaffst, die Einlagen wegzulassen :-)

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