13. November 2014

Der Brief

Und plötzlich warst du da, 
unverhofft und unerwartet.
Du kamst in mein Leben und nahmst mir alles, was für mich so selbstverständlich war.
Und obwohl ich schon viel von dir gehört und gelesen hatte, hätte ich niemals zuvor gedacht, dich mal persönlich kennenzulernen. 
Doch an einem Sonntag warst du da, kamst in mein Leben und wolltest nicht mehr so schnell gehen.
Lange habe ich mich gefragt, womit ich dich verdient habe?!
Lange habe ich nach Gründen gesucht und nichts mehr, als weitere Fragen gefunden.



Du warst nun da und das musste ich akzeptieren.
Ich habe dir lange Zeit viel Aufmerksamkeit geschenkt, zu viel.
Habe dich nie aus den Augen gelassen und immer wieder feststellen müssen, dass du noch da bist, obwohl ich so sehr hoffte, du würdest irgendwann gehen.
Du hingegen hast mich auf Trab gehalten und dich darum...


... gekümmert, dass mein Leben sich komplett änderte.
Du nahmst mir meinen Job, meine Beziehung, meine Freunde, meine Hoffnung.
Bei vielen wichtigen Punkten in meinem Leben hast du mir ein Bein gestellt und hast versuchst, mir meinen Glauben an mich selbst zu nehmen.

Aber ich habe dich akzeptiert, habe gelernt mit dir zu leben.
Und hin und wieder fordere ich dich heraus. Nicht, weil ich dich hasse.
Das tue ich nicht. Nur das, was du mit mir gemacht hast, hasse ich.
Allerdings hast du mir auch Chancen gegeben. 
Chancen, mein Leben und all das, was es beinhaltet, zu hinterfragen, neu zu sortieren 
und umzugestalten.
Du hast mir auf eine unsensible Art und Weise gezeigt, dass ich kämpfen kann.
Kämpfen um das, was mir wichtig ist.

Allerdings ging unsere Begegnung nicht spurlos an mir vorüber.
Ich bin sensibel geworden und zeitgleich verbissen.
Ich wurde zur Einzelkämpferin, obwohl ich doch früher viel eher zu den Teamplayern gehörte.
Du hast mir in vieler Hinsicht Selbstsicherheit, aber in anderen, alltäglichen Situationen Unsicherheit geschenkt. 

7 Jahre schüchterst du mich nun ein und doch gab es auch Phasen, in denen ich nicht sonderlich viel an dich dachte... aber vergessen habe ich dich nie. 
Dafür hast du aber auch immer wieder gesorgt.
Wenn ich mich sicher fühle und relativ unbesorgt bin, klopfst du mir auf die Schulter, setzt dein falsches Grinsen auf und sagst mit schadenfroher Stimme "Hey... ich bin noch da".
Und so sehr ich auch versuche, dich zu ignorieren und dich zu überhören, schaffst du es doch immer wieder, dich in den Vordergrund zu drängen. 

Was ich mir wünsche? Ich möchte mich eines Tages von dir lösen können. 
Dir, mit einem Lächeln im Gesicht, den Rücken zukehren.
Ob ich das irgendwann schaffe? Ich weiß es nicht, aber ich hoffe.

Bis dahin lebe ich mit dir weiter, stehe jeden Morgen mit dir auf und bringe dich Abends zu Bett.
Tag ein, Tag aus. 
Bis sich unsere Wege, liebe Angst, vielleicht eines Tages trennen.

L.H.P. 



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