9. Oktober 2014

Mein Verhalten bei Panikattacken

In der Regel ist es so, dass ich versuche, Panikattacken zu verschleiern.
Das heißt... wenn ich akute Angst verspüre, versuche ich meinem Umfeld genau das nicht zu zeigen.
Einige werden sich wahrscheinlich jetzt fragen, warum das so ist, da ich doch schließlich mit dem Problem offen umgehe?!
Das ist aber nicht der Punkt. Mir ist das weder unangenehm, noch peinlich.
Also warum sage ich nichts?

Es ist so, dass ich in solchen Momenten krampfhaft versuche, mich abzulenken. Ich versuche die Angst und das aufsteigende Gefühl (in Verbindung mit dem vermehrten Gefühl des Harndrangs) zu ignorieren bzw. abzuschwächen. Und das ist durchaus nicht so einfach, wie es klingt.
Denn je mehr man versucht, nicht daran zu denken, desto mehr denkt man automatisch daran.
Und würde ich dann auch noch meinem Umfeld mitteilen, dass es mir gerade schlecht geht, würde das nur mehr den Fokus auf mich lenken und ich müsste mich dann auch noch damit auseinandersetzen. Und genau das möchte ich dann eben nicht?!


Aber kann man mir eine Panik ansehen?
Ja, durchaus. Für jemanden, der mich nicht kennt, wird es schwierig sein, da ich in den letzten Jahren gelernt habe, die Angst ziemlich gut zu "kaschieren". Und das tue ich nicht mal bewusst, sondern das ist ein absolut natürliches Verhalten von mir.
Menschen, die mich jedoch kennen, ...



...bemerken schon, dass ich mich etwas anders verhalte.

Ich werde ruhiger, mein Blick wirkt nervös oder ich vermeide ganz den Blickkontakt. 
Ich atme bewusster und langsamer. In manchen Situationen werde ich vielleicht hektisch oder suche den unauffälligsten, aber schnellsten Weg aus der Situation. 
Ich fasse mir häufiger an den Hals, weil ich meine, mit meinen (dann!) kalten Händen die Körpertemperatur etwas regulieren zu können.
Wenn ich sitze, schlage ich öfter die Beine übereinander. Und gibt es eine Möglichkeit eine Toilette aufzusuchen, passiert es auch durchaus, dass ich während eines Gespräches aufstehe und langsam Richtung Tür gehe, um meinem Gesprächspartner zu signalisieren, dass ich mal kurz weg muss...

All das sind relativ unauffällige Signale, aber für Personen, die mich eben schon gut kennen, doch eindeutig Hinweise dafür, dass gerade etwas mit mir "nicht stimmt".

Wenn die Panikattacke vorbei ist und ich mich wieder "gefangen habe", habe ich kein Problem darüber zu sprechen. 
Aber in dem Moment, wo die Panik so akut ist, habe ich viel zu sehr mit mir zu tun, so dass ich mein Umfeld nicht auch noch damit belasten möchte. Das würde weder mir, noch den Anderen gut tun. 

Ich glaube, dass jeder Angstpatient mit seiner akuten Angst anders umgeht (was ich durchaus interessant finde). 
Manche sprechen offen darüber, andere ergreifen sofort die Flucht und wieder andere tragen ihre Ängste vielleicht direkt nach außen.

Jeder findet eben seinen eigenen Weg damit umzugehen.
Und ich habe eben für mich diesen Weg gefunden... naja... nicht direkt gefunden. Es hat sich eben so entwickelt. 

L.H.P. 

Kommentare:

  1. das wichtigste und du hast es selbst erkannt, ist dass du damit zurecht kommst. Ich versuche in meinen Situationen mich auch lieber abzulenken und auch nicht darauf zu fokussieren. Zwar habe ich keine Panikattaken oder ähnliches, dafür andere Probleme psychischer Natur.

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    1. Hallo Ella,
      ich denke, es ist wichtig, dass jeder für sich seinen Weg findet, mit solchen Situationen umzugehen. Wenn man von sich selbst weiß, wieso man in schwierigen Situationen so reagiert, wie man eben reagiert, hilft einem das schon sehr, sich selbst und seine Denkweise zu verstehen.

      Liebe Grüße :)

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  2. Warum versuchst du es nicht mal, den engsten Freunden anzuvertrauen, wenn solche Situation auftaucht. Bzw. würd eich vorher mit ihnen reden. Wenn jemand damit 'normal' umgeht und es nicht als all zu ernst nimmt, kann er durchaus vielleicht eine gute Stütze sein. Vielleicht hilft es dir, diesen Moment zu teilen, es 'heraus zu lassen'. Unter engsten Freunden sollte es nicht schlimm sein, zuzugeben, wenn grad mal nichts stimmt. Sofern sie dich nicht bemitleiden und dich dämlich zuquatschen oder dich als 'Opfer' behandeln, ist es doch gut. Aber das sollte man wie gesagt vorher besprechen. Und nach der Situation vielleicht nicht das Thema totreden, auch wenns für die anderen schwer fällt. Wer akzeptiert dass du so bist wie du bist, sollte normal damit umgehen. Verdrängen und ablenken finde ich persönlich immer den falschen Weg, weil du vielleicht die Situation unter Kontrolle bringen, aber nie etwas daran ändern kannst/wirst. Mit der Atmung ist schon ein guter Ansatz, dadurch kann man sehr gut seinen Körper unter Kontrolle bringen. Vielleicht kannst du ja auch mal darüber nachdenken (wobei ich denke, dass du das schon mal hast), was dich in dieser Situation beruhigen könnte. Vielleicht einen kleinen Glücksbringer bei dir haben, auf den du dich konzentrieren kannst, oder so was. :) Oder ein Zettel mit positiven Sätzen, oder irgendeiner Vision/Assoziation, wohin du dich kurz beamen kannst.
    Ich weiß ja nicht wie sehr du 'weg bist', aber wenn du etwas konzentriert bist sodass du schreiben kannst, vielleicht irgendwas positives schreiben, malen,...

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    1. Wow, da sind wirklich ein paar tolle Tipps dabei. Vielen Dank :)
      Und ich gebe dir recht... verdrängen und ablenken ist nicht die Lösung des Problems. Ich muss allerdings auch dazu sagen, dass ich wirklich selten in Begleitung bin, wenn so eine Panikattacke auftritt. Das heisst... das ist dann schon eine Ausnahmesituation. Hab aber selten die Möglichkeit, das zu "üben".
      Aber ich werde mir mal ein paar Gedanken zu deinen Tipps machen und versuchen, sie in naher Zukunft mal "auszuprobieren".

      Vielen Dank :)

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    2. Sehr gerne, freut mich dass was brauchbares dabei war. :)

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