18. September 2014

Schubladendenken

Ich bin die, die ergebnisorientiert ihre Arbeit verfolgt, aber im Privatleben oftmals ziemlich unstrukturiert ist.
Die, die es hasst, sich nirgendwo richtig auszukennen, aber es nicht mal schafft, sich ein paar Straßennamen zu merken.
Die, die oftmals ziemlich selbstbewusst erscheint, aber eigentlich sehr an sich selbst zweifelt.
Ich bin die, die oftmals eine Erkrankung an sich vermutet, aber es hasst, zum Arzt zu gehen.
Die, die Vorurteile furchtbar findet, aber es selbst genoss, als Blondine unterschätzt zu werden.
Die, die Drogen verachtet, aber dennoch Nikotin und Alkohol konsumiert.
Ich bin die, die Veränderungen fürchtet, aber sich eigentlich nichts mehr als das wünscht.
...

Wie man sieht... der Mensch ist facettenreich.
Man widerspricht sich oftmals selbst, ohne sich im Klaren darüber zu sein.
Man kann einen Menschen so schnell in eine Schublade stecken, ohne wirklich zu hinterfragen, ob dieser Mensch noch andere Seiten hat, die er aber so nicht zeigt oder zeigen kann?!




Nicht immer sagt das Äußere genau das aus, was die Person eigentlich ausmacht.
Und nicht immer kennt man einen Menschen, nur weil man seine Geschichten las oder Bruchstücke des Lebens kennenlernen durfte.


Selbst, wenn man sich über Jahre kennt und meint, die andere Person zu verstehen, muss man sich aber doch darüber im Klaren sein, dass man eigentlich keine Ahnung hat, was im Kopf des anderen vor sich geht.

Wie oft kommt es vor, dass man meint, jemanden zu kennen und nach vielen Jahren feststellen muss, das diese Person sich im Laufe der Zeit verändert hat oder vielleicht viele Jahre nur das unterdrückt hat, was sie eigentlich wollte?!
Auch ich habe schon öfter miterlebt, dass die Menschen mich falsch eingeschätzt haben, weil sie meinten, sie würden mich kennen oder haben einfach aufgrund meiner Äußerlichkeit Sachen vorausgesetzt, die aber so nicht der Wahrheit entsprachen.

Ich trage Make-up, habe lackierte Fingernägel, kleide mich schlicht und trage am liebsten Sneaker. Nicht nur einmal kam es vor, dass mich meine Gesprächspartner skeptisch ansahen, wenn sie hörten, welche Musik ich am liebsten höre. Niemand würde vermuten, dass auch schon mal so "harte" Sache wie KoRn, Slipknot, System Of A Down, Placebo etc. in meiner Playliste landen.
Ebenfalls verwundert sind auch die Leute, wenn sie mich im Frühjahr mit meinen lackierten Nägeln und einer grünen Latzhose im Garten arbeiten sehen...  natürlich... passt schließlich irgendwie nicht zusammen.
Und da gibt es noch ein Vorurteil, was meine Gesprächspartner des Öfteren schon verwundert hat.
Ich bin eigentlich ein ziemlich offener Mensch. Lache viel, habe oft einen ziemlich schwarzen und garstigen Humor und wirke alles andere als verklemmt. Niemand vermutet bei mir direkt, dass ich in mancher Hinsicht doch ziemlich spießig und prüde sein kann.

Einerseits mag ich es mit solchen Gegensätzen zu spielen. Andererseits finde ich es schon schlimm, dass man sich so schnell ein Bild von seinem Gegenüber macht, obwohl man doch eigentlich so gut wie nichts über diese Person weiß.

Ich spreche mich nicht davon frei. Natürlich mache ich mir auch schnell ein Bild von einer Person, versuche sie in irgendeine Schublade zu drücken, um sie für mich besser einschätzen zu können.
Jedoch gebe ich jeder Person auch die Chance, mich davon zu überzeugen, nicht in diese Schublade zu gehören?! 

Manchmal muss man einfach lernen, nicht so festgefahren mit seiner Meinung zu sein und sich eingestehen, dass es noch mehr als schwarz und weiß gibt.

L.H.P. 

Kommentare:

  1. Kann ich gut nachvollziehen. Besonders die Chara am Anfang trifft fast genau auf mich zu :-) Besonders, weil ich sehr offen bin, fühle ich mich manchhmal in die Ecke gedrängt, weil mich Leute nur darauf reduzieren - ich will ständig betonen, dass ich auch Fehler habe. Die man relativ schnell merkt XD Aber das gute ist: Es gibt Leute, die das mögen. Es gibt Leute, die meine frohe Seite lieben und mit der traurigen nix anfangen können. Es gibt Leute, die mich festhalten, wenn es mir nicht gut geht. Ich glaube, genauso, wie es Facetten gibt, gibt es auch Leute, die sie aufnehmen. Ganz unterschiedlich :-)

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  2. Werde dir nun folgen. Toller, toller Blog. :-)

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    1. Vielen, vielen Dank.
      Lieb von dir.
      Dann freue ich mich darüber, dich als neue Leserin hier begrüßen zu dürfen :)

      Ganz liebe Grüße
      L.H.P.

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