1. September 2014

Die häufigsten Fragen.... (Teil 1)

Die häufigsten Fragen, die mir gestellt werden, habe ich jetzt einfach mal hier aufgelistet. 
... sollten mir in Zukunft noch mehr ein- oder auffallen, dann werde ich noch einen zweiten Teil veröffentlichen :-) Und gerne dürfen auch Fragen in den Kommentaren gestellt werden.

Also fangen wir mal an:

Wie kam das?
Es hat alles mit einer harmlosen Blasenentzündung angefangen.... (um die Erzählung hier abzukürzen, verweise ich an dieser Stelle einfach mal auf den Blogpost "Kontrollverlust", in dem ich all das beschreibe, was ich dem Fragenden auch antworten würde.

Und woher weißt du, dass es nicht an der Blase liegt?
Zu Beginn wusste ich das nicht. Es war klar... da ist eine Blasenentzündung.... nein, da war eine Blasenentzündung. Als die jedoch relativ schnell behandelt war, waren die Symptome und die Ängste weiterhin noch präsent. Der Moment, in dem mir klar war "da kann was nicht stimmen", war der Moment, als ich bei einem Urologen zur Untersuchung war. Ich saß da, schilderte ihm das Problem und er bat mich, mich auf die Untersuchungsliege zu legen. Wie bei einer Schwangeren, setzte er das Ultraschallgerät auf meiner Bauchdecke an und untersuchte die Blase. Während er das tat, hatte ich das Gefühl, ich müsste schnell eine Toilette aufsuchen. Ich merkte, wie die Panik in mir hoch stieg und ich sagte ihm, ich müsse schnell gehen, sonst hätten wir hier gleich ein Problem. Der Arzt forderte mich jedoch auf, liegen zu bleiben und er wolle die Untersuchung "noch eben" zu Ende führen. Als er dann sagte "Schauen Sie doch mal... Sie können gar nicht müssen... Ihre Blase ist leer", schaute ich mit entsetzen auf den Monitor des Ultraschallgerätes und stellte fest "Verdammt! Er hat recht".
Dieser Moment, wo ich da lag, mein Körper mir eine (rand-)volle Blase signalisierte, aber die Augen sahen, dass da nichts ist, war der Moment, in dem ich Begriff, dass irgendetwas mit mir nicht stimmen kann.

Und da kann man nichts tun? Geht das nochmal weg?


Sicherlich kann man da etwas tun. Und genau das tue ich ja nun schon seit Jahren. Es ist alles eine Trainingssache. Man muss versuchen, Situationen, die einem unangenehm sind, nicht zu meiden, sondern sich immer wieder diesen Situationen stellen. Man muss Einiges ausprobieren, bis man an einem Punkt ist, wo man merkt, dass es etwas bringt. 
Aber kein Arzt und auch kein Medikament kann von heute auf morgen das heilen, was mein Kopf mir seit Jahren suggeriert. Das ist mehr als harte Arbeit.

Und wie geht dein Umfeld damit um?
Ziemlich gut. Alle, die viel mit mir zutun haben, wissen davon. Sie verstehen meine Situation und akzeptieren auch mal ein "ich glaube, das krieg ich nicht hin". Ich muss mich nicht ständig erklären, muss nicht ständig auf meine Einschränkung hinweisen. Und auch die kleinen Erfolgserlebnisse teilen Sie mit mir und freuen sich für mich (auch, wenn es für sie selbstverständlich und eigentlich nicht besonders ist).

Aber vermisst du nicht das Reisen?
Das Reisen vermisse ich nicht konkret. Klar, man möchte auch mal wegfahren... etwas anderes sehen.
Aber ich bin auch vor meiner Erkrankung nicht viel gereist. Es ist also nichts, was für mich immer dazugehörte. Dafür vermisse ich viele andere Dinge... Flohmärkte, Straßenfeste, ins Kino gehen, einen gemütlichen Stadtbummel....

Kannst du denn damit arbeiten?
Natürlich. Lediglich bei meinem vorherigen Beruf, wo ich noch im Krankenhaus gearbeitet habe... da hätte es mit meiner gesundheitliche Einschränkung nicht funktioniert. 
Daher habe ich ja auch wieder bei Null angefangen, eine neue Ausbildung zur Bürokauffrau begonnen und diese 2011 erfolgreich abgeschlossen.
Und da Papier geduldiger ist, als ein Patient im Krankenbett, ist es für mich kein Problem, zu arbeiten.
Da falle ich überhaupt nicht auf.

Und wie klappt das so im Alltag?
Soweit ganz gut. Am Anfang meiner Erkrankung musste ich mir viele alltägliche Tätigkeiten wieder erarbeiten. Einkaufen, Autofahren, etc.... war immer eine Herausforderung für mich und an manchen Tagen auch gar unmöglich. Heute ist es so, dass ich manchmal noch ein komisches Gefühl davor habe, aber gar kein Problem währenddessen besteht. Wie gesagt... es ist ein ewiges Training. Man muss am Ball bleiben und sich nicht vorher schon verrückt machen. Dann klappt es ganz gut. Schwierig sind Situationen meist dann für mich, wenn ich in Begleitung bin. Aber das ist dann noch ein anderes Thema...

Meinst du, dass es dir helfen würde, wenn du einen Partner an deiner Seite hättest?
Das kann ich weder mit "ja", noch mit "nein" beantworten. 
Also allein die Tatsache, einen Partner zu haben, würde bei mir keine Heilung hervorrufen. Und vielleicht würde auch ein Partner mich eventuell in manchen Schritten behindern, weil ich dazu neigen könnte, unangenehme Tätigkeiten an ihn "abzuwälzen" und somit anfange, zu vermeiden. 
Allerdings könnte ich mir auch vorstellen, dass ein Partner dazu führen könnte, dass ich mir wieder Dinge zutraue, die ich in den letzten Jahren gemieden habe. Man kennt das ja... manchmal braucht man einfach nur einen "Tritt in den Hintern".... 

Glaubst du, dass es dir eines Tages wieder besser gehen wird?
Ja... das hoffe und glaube ich. Ich weiß, dass es bis dahin noch viel Arbeit ist und ich weiß, dass es sicherlich nicht von jetzt auf gleich so sein wird. Ich weiß, dass ich bis dahin noch ziemlich oft an meine Grenzen kommen werde und ich vielleicht auch öfters den Mut verliere. Aber ich glaube ganz fest daran, dass es auch für mich irgendwann ein Happy End geben wird.
Denn meine Zeit wird kommen...




Soviel erst einmal dazu.

L.H.P. 

Kommentare:

  1. wow, ich bin zufällig auf deinen Blog gestoßen und kann gar nicht mehr aufhören zu lesen. So viel von dem was du hier schreibst spricht mir aus der Seele. Ich leide seit mittlerweile 2 1/2 Jahren an einer Angststörung. Am Anfang konnte ich das Haus nicht verlassen ohne eine Panikattacke zu bekommen. Mittlerweile meistere ich den Alltag schon wieder ganz gut, wobei mich die Angst doch immer mal wieder einholt. Toll, dass dein Umfeld so positiv damit umgeht. Leider haben sich bei mir bis auf einige enge Freunde und natürlich mein Mann und mein Sohn, die mein größter Halt sind, viele abgekapselt. Selbst enge Verwandte, sogar meine Eltern...sie können nicht damit umgehen, sehen eine Krankheit, die nur im Kopf stattfindet als nicht existent an und mich als Schauspielerin. Sowas zieht einen natürlich noch tiefer rein und ich gehe mittlerweile weniger offen mit der Krankheit um.
    Mut machen da wirklich andere Menschen, die ähnliches erleben mit der Angst und sich Tag für Tag dem stellen. Dein Blog ist einfach klasse und mutig, bitte mach so weiter...!!!
    LG Steffi

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    1. Liebe Steffi,

      vielen Dank für deine Rückmeldung. Ich habe mir wirklich sehr darüber gefreut, weil du zu den Menschen gehörst, die ich u. a. erreichen möchte.
      Menschen, die dieses Leiden kennen. Menschen, die sich unverstanden und damit irgendwie alleine fühlen. Menschen, die oft schon an sich selbst gezweifelt haben.
      Die Situation mit den "Freunden" kenne ich auch. Ich selbst habe kaum noch welche und da ich mich auch nicht in einer Partnerschaft befinde, bin ich die meiste Zeit alleine.
      Ich kann mir daher nur gut vorstellen, wie wichtig dir dein Mann und dein Sohn sein müssen. Sie geben dir Kraft und Mut, nicht die Hoffnung zu verlieren. Und gerade das ist soooo wichtig.

      Bleib tapfer :)

      Ganz liebe Grüße
      L.H.P.

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