25. September 2014

Die Angst ist ein mieser Verräter

Anfang dieser Woche hatte ich nach langer Zeit wieder eine Situation, die mir beinahe Grund zur "Flucht" gab.
Grund dafür war das Gefühl der aufkommenden Angst und den dazugehörigen Körperreaktionen.

Es war ein Tag wie jeder andere. Keine besonderen Vorkommnisse oder Momente, die mich aus meinem alltäglichen Konzept gebracht hätten.
Und trotzdem stand ich da... im Supermarkt zwischen Dosensuppen und Würstchengläsern. 
Eigentlich war ich auf der Suche nach etwas. Egal wo ich nachsah, ich konnte es einfach nicht finden.
Ich irrte umher, suchte zwischenzeitlich nach einer Mitarbeiterin des Ladens und schaute weiterhin nach dem, was ich eigentlich besorgen wollte.
Gedanklich war ich... ja... wo war ich gedanklich eigentlich? Das kann ich nicht mal genau sagen.
Und plötzlich war es da wieder. Dieses Gefühl, was mir so bekannt ist.
Angst





Erst war sie nur leicht zu spüren, so dass ich versuchte, mich gedanklich abzulenken. Ich irrte also weiter umher, merkte aber auch,...


...dass ich mich unbewusst dem Personaleingang des Ladens näherte.
Wieso? Wahrscheinlich, weil ich weiß, dass dort eine Toilette wäre, die ich aufsuchen könnte, wenn ich die Angst nicht mehr aushalten würde.
Nun ja... ich lief also weiter von Regal zu Regal. Der Blick durchstreifte weiterhin die Produkte auf der Suche nach dem, was ich eigentlich wollte. Aber das reichte einfach nicht... die Angst war weiterhin zu spüren und wurde sogar stärker.
Je mehr ich versuchte mich abzulenken und mich darauf konzentrierte, an das Wesentliche zu denken, umso mehr merkte ich körperlich die Angst.

Mir schossen zig Gedanken durch den Kopf, die ich nicht mal mehr alle zusammen bekommen würde. Würde ich es kurz zusammenfassen wollen, drehten sich die Gedanken um die einfachen Fragen: "Aushalten oder Flüchten? Stark bleiben oder nachgeben?"
Und während ich dort umher lief, an mir zweifelte und versuchte, das zu unterdrücken, was ich gerade so sehr spürte, versuchte ich aber auch zeitgleich unauffällig zu sein und mir nichts anmerken zu lassen. 

Nach weiteren 4-7 Minuten entschied ich mich, eine Verkäuferin anzusprechen. 
Und nein... ich habe nicht nachgegeben und nach der Toilette gefragt.
Ich erkundigte mich nach dem Produkt, welches ich eigentlich suchte und während ich dort stand, angelehnt an meinen Einkaufswagen, merkte ich, dass ich während der Interaktion mit der Dame ruhiger wurde und die Angst langsam nachließ.
Ganz verständlich ist es für mich bis jetzt nicht?!
Normalerweise machen mich Menschen in meinem Umfeld bei einer akuten Angstattacke noch nervöser. In diesem Fall war es jedoch umgekehrt.

Vielleicht war es die Ablenkung?! Vielleicht lag es daran, dass ich selbst mich entschied, aus den Gedanken auszubrechen und offensiv jemanden anzusprechen?!
Schwierig zu sagen.

Fakt ist: Die Angst ist immer da. Auch, wenn ich sie nicht spüre. Sie ist da und wartet nur darauf, sich hin und wieder zu zeigen. 
Selbst, in nun eigentlich für mich "normalen" Situationen, taucht sie auf und schreit mir ein "Hey, ich bin noch da" ins Ohr. 
Und dann habe ich nur zwei Möglichkeiten: 
Ihr Gehör schenken und sie beachten oder sie wahrnehmen und bewusst ignorieren...

Jeder wird sich jetzt denken: "Selbstverständlich ignorieren!"
Aber oft habe ich nicht mal das Gefühl, dass ich diese Wahl treffe, sondern ganz allein mein Körper.
Mein Körper reagiert, während mein Hirn dabei nur der stille Beobachter ist. 

Nach solchen Momenten bin ich stolz auf mich. Stolz darauf, nicht die Metzgerstoilette benutzt zu haben. Stolz darauf, nicht die Flucht ergriffen, sondern das getan zu haben, was ich ursprünglich vorhatte. 

Und nach all den Jahren irritieren solche Momente mich trotzdem.
Ich kann aber zumindest froh darüber sein, dass diese Moment viel viel seltener auftreten, als es noch vor einer Weile war.

Also... Kopf hoch und weitermachen.

In diesem Sinne...

L.H.P. 

Kommentare:

  1. Großes Lob von mir ! Zwar kenne ich mich damit nicht aus - aber habe andere "Probleme" die mir den Alltag erschweren. Jedenfalls so wie du damit umgegangen bist merkt man dass du Erfahrung damit hast wie umzugehen und es schaffst es in den Griff zu bekommen / zu wollen!

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    1. Vielen Dank für die lieben Worte! Hier klingen meine Gedankengänge natürlich viel sortierter, als sie in den jeweiligen Augenblicken dann sind. Im Nachhinein ist es oft auch schwer, dies zu rekonstruieren. Aber ja... Erfahrung hab ich leider damit schon gesammelt, was es allerdings ins solchen Momenten nur minimal leichter macht.

      Liebe Grüße

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    2. Klar - in just den Moment ist selten ein Gedankengang geordnet. Schließlich denkt sich jeder im Nachhinein "Mensch´! Das ist doch Logisch, warum hab ich nicht dass und dass gemacht!?"
      Ich denke diese Gedankengangverwirrung kommt dadurch dass man einerseits in der Situation ist (konfrontiert ist), dabei alles um sich aufnimmt (informationen um sich herum), dies auch noch dabei verarbeitet gleichzeitig und dann auch noch das Hirn rattert: was mache ich in den nächsten Sekunden!?
      All das zusammen - Hirnleistung hoch 4 !

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