8. September 2014

Belastungsprobe und Körperreaktionen

Letzte Woche zeigte sich meine Erkrankung von einer ganz neuen Seite...
... ich musste lernen, dass ich mich in gewisser Hinsicht etwas überschätzt habe.

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll?!
Ich bin an meinem neuen Arbeitsplatz einem erheblichen Stressfaktor ausgesetzt, den ich bis vorher so noch nicht ausgesetzt war. Zumindest nicht auf so lange Zeit.
Es gibt eine Person die mich auf eine so penetrante Art nervt, dass ich manchmal echt nicht weiß, wie ich das ignorieren soll. Das Schlimme daran... ich bin dem einfach ausgesetzt. Eine Konfrontation würde das Arbeitsverhältnis dermaßen beeinträchtigen, dass dies nicht Frage kommt. 
Das Problem ist den Vorgesetzten bekannt und es wird auch in ferner Zukunft eine Lösung dafür geben. Solange muss ich das aber aushalten, was mir wirklich sehr sehr schwer fällt.

Ich bin eigentlich ein Mensch, der mit den meisten Menschen wirklich ziemlich gut auskommt. 
Ich bin sozial eingestellt, würde behaupten, eine ausreichend große Portion Empathie zu besitzen und bin (fast) immer freundlich, selbst, wenn mir gar nicht danach ist. Wieso? Weil ich das für höflich halte. 



Nun ja, nun bin ich schon eine ganze Weile Montags bis Freitags dieser Person ausgesetzt und diese Woche habe ich die ersten körperlichen Auswirkungen dieser "Genervtheit" zu spüren bekommen.


An einem Tag, nach der Arbeit, spürte ich plötzlich sehr stark meinen Puls im Hals. Viele kennen das, aber in der Regel tritt dies auf der rechten Seite des Halses auf. Dort, wo sich die Halsschlagader befindet. Bei mir war es jedoch ziemlich mittig zu spüren. Um genau zu sein: unterhalb des Kehlkopfes. 

Dieses Pulsieren verstärkte sich bei jedem Atemzug, so dass mir das Atmen dann auch relativ schwer fiel. 
Ich versuchte es zu missachten, lenkte mich ab. Allerdings merkte ich auch, dass dieses Pulsieren ziemlich unwillkürlich auftrat. Des Weiteren verspürte ich einen Druck auf der Brust und immer wieder bemerkte ich, wie ich ungewollte kurzzeitig die Luft anhielt. Ich musste mich in diesen Momenten quasi daran erinnern, rhythmisch weiterzuatmen.

Es ist schwer zu erläutern, aber so ungefähr könnt ihr euch das vorstellen.
Fakt ist: diese Woche war diese Person für zwei Tage nicht am Arbeitsplatz und mir ging es gut. Körperlich gut.

Ich habe bisher nie auf diese Weise auf Stress reagiert. Ich würde auch nicht mal sagen, dass Stress die Ursache ist. Es ist eher ein wirklich aufstauendes Gefühl der "Genervtheit". 
Dieses ewige Zusammenreißen müssen und die Tatsache, dieser Belastung nicht ausweichen zu können.
Als ich nach Hause kam, habe ich direkt Sport getrieben. Ich dachte, Abreagieren wird schon helfen.
Pustekuchen... das Pulsieren blieb.
Am nächsten Tag versuchte ich es dann mit Qi Gong zur Entspannung. Auch das brachte nix.
Abends machte ich mir dann einen Tee, legte mich auf die Couch (was ich sonst nie tue) und ließ mich vom Fernsehprogramm mit unnötigem Input berieseln. 
Das war der Moment, in dem ich merkte, dass ich innerlich etwas "runter kam".

Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickelt. Nicht die Situation selbst, sondern viel mehr, wie mein Körper in Zukunft reagiert. 
Einerseits finde ich das äußerst interessant, da ich ja (wie man meinem Blog anmerkt) meinen Körper, meine Körperreaktionen und meine Denkweise beobachte und auch durchaus nüchtern betrachten kann. Andererseits wäre ich auch sehr froh darüber, wenn das nun erst einmal nicht mehr auftreten würde.

Ich gehe aber stark davon aus, dass mein Nervenkostüm nicht so belastbar ist, wie es einmal war bzw. ich nun meine Grenze kennen lernen musste. 
Und ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass meine Angststörung einen erheblichen Anteil dazu beiträgt, dass es so kam.

Ich bin gespannt und werde natürlich euch auf dem Laufenden halten.

L.H.P. 

Kommentare:

  1. Du bist echt in einer beschissenen Situation, aber immerhin: Du hast den Rückhalt deines Arbeitgebers. Das haben nicht viele, denke ich. Und du hast das Bewusstsein, dass dein Körper darauf reagiert. Ich war nie in so einer Situation, aber ich denke, dass dir folgende Dinge helfen könnten:

    1. NImm es nicht persönlich. Der Mensch hat ein Problem mit sich und lässt es an dir aus. Er schießt nich gg. dich, der will nur sagen: Bitte helft mir! Mit solchen Menschen kann man nur Mitleid haben. Schließlich hast du das nich nötig.

    2. Du kannst handeln. Du hast die Kontrolle über deinen Körper und du kannst mit ihm umgehen. Du bist diesen Reaktionen nicht ausgeliefert.

    3. Nicht runterschlucken. Wenn du wütend bist, schluck es nicht runter. Versuch ein Ventil zu finden und dir vor allem Punkt 2. klarzumachen :P Gegen die Wand boxen ist sicher keine Idee, aber vlt. kannst du eine Wut-SMS an einen Freund schreiben. Und dir später klarmachen, was du schon erreicht hast?

    4. Nich vergessen: Du bist cool :P Und wenn du abends das Unternehmen verlässt, bist du nur du. Dann kann dir keiner was!

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    1. Hey Evy :)

      danke danke danke für deine lieben Worte.
      Ich glaube aber, manchmal fehlt mir doch ein wenig an "Coolness", um so nen Kram nicht direkt an mich heran zu lassen.
      Aber wie heißt es so schön? Man wächst mit seinen Aufgaben... und das versuche ich noch ;)

      Ist halt eine außergewöhnliche Situation, auf die mein Körper eben außergewöhnlich reagiert.

      Danke für dein Kommentar.
      Freue mich, dass du mir als Leserin bisher erhalten geblieben bist :)

      Liebe Grüße
      L.H.P.

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    2. Warum auch nich xD Ich finde das sehr, sehr mutig! Ich arbeite auch jeden Tag an meiner 'Coolness'. Aber ich will auch nich kalt werden. Ich will nich unmenschlich, unnahbar und im schlimmsten Fall abweisend sein. Ein gesundes Mittelmaß wäre toll :-)

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