26. April 2014

Allein oder Einsam?

In der Vergangenheit hatte ich ja bereits davon berichtet, wie im Laufe der Jahre meine sozialen Kontakte immer weniger wurden und sich irgendwann nur noch auf Familie und Arbeit beschränkten. 
Die meisten Menschen können es sich kaum, bis gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn man von heute auf morgen keine Freunde mehr hat und die meiste Zeit alleine ist.
Hätte man mir vor ein paar Jahren noch gesagt, dass es irgendwann darauf hinauslaufen würde, hätte ich mir dies auch nicht vorstellen können. 
Aber was soll ich sagen?! Man wächst in diese Situation hinein.

(Quelle: http://galerie.chip.de/k/wettbewerb/rot/einsam/821172/)
Kann man denn aber auch davon ausgehen, dass ich einsam bin, wenn ich alleine bin?
Nicht unbedingt... natürlich habe ich noch Kontakte zu Bekannten und ehemaligen Freunden, worauf sich der Kontakt jedoch hauptsächlich auf Telefonate oder das Internet (mailen, chatten...) beschränkt. 
Man könnte also sagen, dass ich gar nicht einsam bin, obwohl ich eben viel allein bin.
Nur muss man sich natürlich fragen, ob einem diese Art der Kontaktpflege ausreicht?!


In den letzten Jahren habe ich mich immer mehr zurückgezogen. Schon allein aus dem Grund, dass ich oft davon ausgehe, dass ich etwas aufgrund meiner gesundheitlichen Einschränkung nicht kann oder schaffe. Manchmal ist es aber auch allein der Gedanke daran, dass ich dadurch jemandem zur Last fallen könnte.

Also... wozu versuchen, wenn man doch direkt zuhause bleiben kann?!
Ein typisches Vermeidungsverhalten einer Angstgestörten ;-)

Wie sieht also meine Freizeitgestaltung aus, wenn ich alleine bin?
  • Ich verbringe viel Zeit am PC... ich höre Musik, schaue Filme, schreibe Mails (in letzter Zeit sogar ziemlich viele...), schaue mich auf den sozialen Netzwerken um, blogge....
  • Wie in meinem vorherigen Post beschrieben, versuche ich ja regelmäßig in den Wald zu gehen
  • einmal in der Woche steht Qi Gong auf dem Plan (in einer Gruppe von 5-8 Leuten / Altersdurchschnitt liegt bei Mitte 40)
  • Wenn mir die Decke auf den Kopf fällt, fahre ich unangekündigt zu meinen Eltern und verbringe dort viel Zeit
  • Ich beschäftige meine Miezen
  • Manchmal setze ich mich abends in mein Auto und fahre einfach drauf los... eine große Runde, mit guter Musik und Fenster runter... es hilft mir, den Kopf ein Stück weit frei zu bekommen, wenn es mal zuviel ist. 
  • Haushalt
  • Einkäufe (hauptsächlich Lebensmittel; den anderen Kram bestelle ich in der Regel online, um die Menschenmassen in der Stadt zu vermeiden.... ja... ich weiß.... )
  • Kochen
  • Kleinkram (Schreibkram, Buchhaltung etc...)
Wie man sieht, habe ich für mein Alter ein ziemlich "aufregendes" Leben (hust).

Ich beklage mich darüber nicht, weil ich es seit 2 Jahren eigentlich nicht anders kenne.
Wieso 2 Jahre? Weil ich ja zuvor wenigstens einen Partner hatte. 
Schlimm war es nur für mich, als ich vor ein paar Wochen aus der Reha kam.
Ich lernte dort so viele liebe und nette Menschen kennen. Ich war den ganzen Tag umgeben von Leuten, die meine Sorgen verstanden, die mich als Mensch akzeptierten und mir das Gefühl gaben, ich müsste das alles nicht alleine durchstehen.
Wenn man 6 Wochen mit diesen Menschen jeden Tag zusammen ist, vergisst man einfach, dass es zuvor ja ganz anders war. 
Dann kommt man nach Hause, in die leere Wohnung und weiß erst mal nicht, was man mit sich und der Zeit anstellen soll?!
Natürlich hält man den Kontakt zu seinen Freunden aus der Reha. Jedoch sind auch dort weitere Treffen schwierig, weil die Patienten der Klinik ja aus ganz Deutschland angereist sind und somit nicht unbedingt in Reichweite wohnen.
Dazu kam, dass ich während dieser Zeit auch jemanden kennen lernte, der mir ganz besonders am Herzen lag. Auch im Anschluss meiner Reha haben wir uns getroffen und schöne gemeinsame Stunden miteinander verbracht. Und plötzlich war da dieses Gefühl, nicht mehr ganz so alleine zu sein, wie es die Jahre zuvor war. 
Jedoch kam es so, wie es natürlich kommen musste... der Kontakt ging auseinander, weil die Umstände es nicht anders zuließen.

Von heute auf morgen war da nun also wieder dieses Gefühl alleine zu sein. Nur das es diesmal irgendwie noch schlimmer war, als zuvor. Diesmal fühlte ich mich nicht nur alleine, sondern aus tiefstem Herzen einsam
Und auch wenn ich weiterhin Kontakte habe, denen ich regelmäßig schreibe oder mit denen ich ab und an telefoniere... es ersetzt keine richtigen Kontakte. 

Ein "fühl dich gedrückt" ersetzt keine richtige Umarmung.

Ich bin nun erneut an einem Punkt, an dem ich lernen muss, wieder alleine zu sein, ohne mich einsam zu fühlen.
Ich weiß, dass es nicht von jetzt auf gleich passiert, aber es ist ein Prozess, der nun erneut beginnt.

Rückblickend betrachtet ist es schon komisch, wie ein paar schöne Wochen mit lieben Menschen, das Gefühl verdrängen können, welches 2 Jahre hatte, um sich auszubreiten. 
Und kaum sind diese Menschen von der Bildfläche verschwunden, beginnt man wieder dort, wo man vor 2 Jahren aufgehört hat. 

Also... bin ich allein oder einsam?
Zurzeit kann ich sagen, dass beides auf mich zutrifft.
Aber ich gehe davon aus, dass es nicht mehr lange dauert, bis ich wieder sagen kann, dass ich nur alleine bin und nicht mehr einsam bin.
Und wenn es soweit ist, bin ich auch wieder zufrieden mit dem, was ich habe :-)

In diesem Sinne...

L.H.P.  




Kommentare:

  1. Das kenne ich zu gut! Während der Schulzeit hatte man fast täglich Kontakt, doch dann nach Ende der Schule wurde es immer weniger. Aufgrund von Ausbildung etc. sind manche weg gezogen (unter anderem ich) und dadurch bracht der Kontakt nach 3 Jahren Lehrzeit dann vollkommen ab.
    Mittlerweile kann ich bis auf eine Person niemanden als GUTEN Freund bezeichnen... Es sind mehr oder weniger alles Bekannt!....
    Also: DU BIST NICHT ALLEINE!!! :)

    AntwortenLöschen
  2. Dank dir Jenny :)
    Wenn man der Schulzeit entwachsen ist, wird es schwierig, neue Kontakte aufzubauen.
    Als Kind war es doch erheblich einfacher ;)

    AntwortenLöschen
  3. Ich kenne das Gefühl; ich habe versucht, trotz Angststörung rauszugehen und das ging auch ganz gut, aber.. das gute an einer Klinik ist, dass man ständig abgelenkt ist. Das mit den Kontakten kenne ich - die Leute kehren danach in ihren geschäftigen Alltag zurück :-( Ich möchte dich trotzdem ermutigen, mehr mit deinen Freunden zu machen, weil es einem wirklich besser geht :-)

    Wichtig ist, sich nich auf die Störung zu reduzieren - meine Freunde sind informiert; wenn ich ne Angstattacke habe, sage ich das und dass ich in ein paar Minuten wieder ansprechbar bin - und dann geht es. Du bist nich die Angst.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich wäre jetzt an einem Punkt, an dem ich wieder relativ viel mit Freunden unternehmen könnte. Nur, wenn davon nicht mehr viele übrig sind, dann ist es auch schwer, mit denen etwas zu unternehmen ;-)

      Aber irgendwann wird auch das wieder kommen. Eins nach dem Anderen.

      Liebe Grüße

      Löschen
    2. Doch, es geht :P Einer reicht schon. Es ist ne Überwindung - aber die Leute freuen sich, dass du wieder auf sie zukommst. Du kannst ja nix dafür, dass du sie abstoßen musstest. Aber jeder freut sich, wenn man ihm signalisiert, dass er gemocht wird :-) Also: Rausgehen!

      Löschen