8. März 2014

Reha Teil VI (Der Abschied)

Jeden Freitag wird in dem Vortragsraum der Klinik ein Patientenforum abgehalten, in dem sich die Patienten und ein Großteil des Personals der Klinik versammeln. 
Die in der vorherigen Woche festgelegten Patientensprecher (i.d.R. zwei Patienten, die sich dazu bereiterklärten), leiten das Forum und geben als Erstes den neuen Patienten die Möglichkeit, sich vorzustellen. Anschließend werden wichtige Themen besprochen, die den Patienten in der vergangenen Woche auf den Herzen lagen. Die Themen wurden entweder schriftlich eingereicht oder mündlich den Patientensprechern zugetragen. In Zusammenarbeit mit der Verwaltung der Klinik wurden diese Punkte zuvor besprochen und die daraus resultierenden Lösungsvorschläge im Forum vorgestellt. 
Als weiteren wichtigen Punkt werden die Patienten nach vorne gebeten, welche in der Folgewoche die Klinik verlassen. Diese Patienten bekommen dann die Möglichkeit, sich mit einem beliebigen Vortrag und einem Geschenk bei der Klinik zu bedanken und zu verabschieden. 
Die Vorträge sind während meines Aufenthaltes jedes Mal individuell gestaltet worden... mal ein Gedicht, mal ein Lied oder ein Gruppenspiel. Auch die Geschenke sind unterschiedlich ausgefallen. Oftmals wurden Süßigkeiten an das Personal verschenkt, Spiele, Obstkörbe oder praktische Dinge wurden auch verschenkt. 

In meiner letzten Woche entschied sich meine "Abschiedsgruppe" einen von mir geschriebenen Text von einer Mitpatientin und mir vortragen zu lassen und im Anschluss als Gruppe ein Lied vorzutragen. 

Der von mir geschriebene Text lautete wie folgt:



" "Wir kriechen, 
bis wir wieder laufen können.
Und wir rennen,
bis wir stark genug sind zu springen.
Und wir fliegen,
bis es keinen Wind mehr gibt, der uns trägt.
Also lasst uns kriechen...."[Liedtext / Übersetzung Chris Brown: Crawl]

Als wir in diese Klinik kamen, lagen die meisten von uns kraftlos am Boden. 
Erst hier lernten wir wieder, dass es sich lohnt zu kriechen. 
Und während wir hier krochen, zeigte man uns durch Übungen, Vorträge, Untersuchungen und Therapien, dass es zukünftig möglich sein kann, zu laufen.
Und wir wissen... haben wir es zuhause erst einmal geschafft zu laufen, ist es bis zum Rennen nicht mehr weit. 
Denn unser Ziel ist es zu fliegen ... fliegen, solange der Wind uns trägt. 
Und natürlich wissen wir, dass es immer wieder Phasen geben wird, in denen es windstill ist und die Motivation uns verlässt. 
Aber wir haben gelernt, dass man nicht aufhören sollte, weiterzurennen, bis der Wind wieder stärker wird.

Denn wir wollen fliegen...
... also lasst uns kriechen!!!"

Im Anschluss wurde ein Lied vorgetragen, welches ein Mitpatient selbst geschrieben hat und inhaltlich das Personal der Klinik und ihre Eigenarten thematisierte. 
Als Abschiedsgeschenk gab es von uns eine Torte, welche von einem ortsansässigen Konditor zubereitet wurde. Die Torte war mit einem "Danke" Schriftzug versehen und (da ich ein Stück probieren durfte) schmeckte sehr gut :-)
Ebenfalls entschied sich meine "Abschiedsgruppe" ein Foto der Gruppe der Chefärztin zu hinterlassen. 

Und obwohl wir zuvor bedenken hatten, dass dieses ganze Theater nicht zu lächerlich überspitzt wirken könnte, hatten die zuschauenden Patienten und auch das Personal sichtlich ihren Spaß. Somit könnte man behaupten, dass es ein gelungener Abschied war.

L.H.P. 





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