16. März 2014

Erfolgserlebnisse durch ein Tagebuch

Während meiner Reha bekam ich von dem für mich zuständigen Therapeuten die Aufgabe, ein Tagebuch zu führen. In diesem Tagebuch ging es nicht darum, meinen Alltag und meine Sorgen niederzuschreiben, sondern viel mehr darum, die Uhrzeiten meiner jeweiligen Toilettengänge zu notieren und ggf. 1-2 Stichworte (wenn erforderlich) zu vermerken. Er erklärte mir, dass dies ähnlich wie ein Migränetagebuch zu führen sei und gab mir diesbezüglich sonst keine weiteren Instruktionen. 
Also begann ich bei jedem Gang zur Toilette die entsprechende Uhrzeit auf einen Zettel zu schreiben.
Gerade am Anfang war mir nicht direkt bewusst, wozu ich das Ganze machen sollte. 
Das ich (gerade während der Reha) viel zu häufig die Toilette aufsuchte, war mir doch bereits bewusst?!
Wozu dann dies noch festhalten?

Ich gab dieser Aufgabe jedoch eine Chance und notierte Tag für Tag meine Toilettengänge.
Zu erst fiel mir auf, dass ich wirklich viel zu häufig eine Toilette aufsuchte und mir im Laufe eines Tages gar nicht bewusst war, wie häufig dies am Ende wirklich war (...in den ersten Tag bis zu 33 mal am Tag).
Der zweite Aspekt, der mir auffiel, war, dass die meisten Toilettengänge zur reinen Vorsorge dienten. 
Wie man sich das vorstellen kann?

Ich denke, viele Menschen kennen folgende Situation....
... man plant eine Aktivität außerhalb der eigenen vier Wände. Kurz bevor man die Wohnung verlassen möchte, geht man zur Vorsorge noch einmal auf Toilette, um unterwegs nicht zu müssen.
Und genau so kann man sich die unnötigen Toilettengänge vorstellen, die ich während der Reha getätigt habe. War mein Tag mit 7-8 Terminen gefüllt, war ich auch 7-8 Mal prophylaktisch auf der Toilette, um während der Anwendung nicht gehen zu müssen. 
Da mir dies zwar bewusst war, aber das Tagebuch dies noch mal verdeutlichte, versuchte ich genau da anzusetzen. 
Die folgenden Tage versuchte ich also diese unnötigen Gänge zu vermeiden. 
Um ehrlich zu sein, ist mir dies nicht immer gelungen, konnte jedoch eine erhebliche Anzahl der unnötigen Toilettengänge reduzieren.
Was hatte dies zur Folge?

 

Wenn ich meine Zeiten notierte und feststellte, dass die Zeiträume zwischen den einzelnen Toilettengängen größer wurden, wuchs auch mein Selbstvertrauen und meine Sicherheit
Oftmals erwischte ich mich auch, wie ich das Bedürfnis hatte, ein WC aufzusuchen, aber zuvor auf meine "Liste" schaute und mir dachte "nee, jetzt noch nicht... ist noch zu früh" und somit den Gang hinauszögerte

Da dieses System der Selbstkontrolle bei mir so gut angeschlagen hat, führe ich dies nun weiter fort und erfreue mich somit jedes mal, wenn ich auf die Liste schaue und feststelle, wie viel Zeit zwischen dem letzten und dem aktuellen Eintrag vergangen ist. 
Ich muss jedoch dazu sagen, dass natürlich meine Toilettengänge zuhause erheblich weniger sind, als in der Klinik. Während der Reha ist es mir gelungen, die Gänge von max. 33 auf max. 23 zu minimieren. 
Zuhause bin ich jedoch viel entspannter und habe aufgrund fehlender Termine natürlich weniger prophylaktische Toilettengänge. Während der Reha war ich froh, wenn 1-2 Stunden zwischen den einzelnen Gängen lagen. Zuhause komme ich in der Regel auf 3-4 Stunden. 

Und trotzdem befürworte ich das System des Tagebuches und habe somit Tag für Tag ein kleines Erfolgserlebnis. 

Manchmal ist es so einfach Fortschritte zu machen.
Man muss nur wissen, welche Hilfsmittel man dazu verwenden kann und sollte lernen,
auch kleine Erfolgserlebnisse zu würdigen

In diesem Sinne...

L.H.P.



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