16. Dezember 2013

Letzte Sitzung / Austherapiert!

Heute hatte ich meine letzte, regelmäßige (von der Krankenkasse finanzierte) Therapiesitzung.
Wie bereits in meinem Blogpost "Psychotherapie" beschrieben, gibt es ja nur eine gewisse Anzahl an Sitzungen, welche von der Krankenkasse bezahlt werden. Mein Kontingent ist nun ausgeschöpft.

Was bedeutet das nun für mich? 
Die Krankenkasse ermöglicht austherapierten Patienten (wie mir), dass sie einmal im Quartal eine Sitzung in Anspruch nehmen können. 
Dieses Angebot werde ich auch zukünftig annehmen, um nicht schlagartig die Therapie zu beenden. 
Mein nächster Termin ist nun im Februar, so dass meine Therapeutin und ich uns dann Mitte des ersten Quartals 2014 sehen, um Veränderungen zu besprechen. 
Möglicherweise habe ich bis dahin eine neue Beschäftigung gefunden oder eine Entscheidung der Rentenversicherung bezüglich meiner beantragten Reha erhalten, so dass dies besprochen werden kann.

In erster Linie ist es aber nun so, dass ich ab heute alleine zurechtkommen muss.
Für mich persönlich ändert sich jedoch nicht viel, da meine Sitzungen nie engmaschig angelegt waren. 
Die Zeiträume zwischen den Sitzungen betrug immer 4-8 Wochen, da bei mir eine gewisse Selbständigkeit und Motivation vorlag. Bei anderen Fällen kann die Therapie auch engmaschiger erfolgen.

In der letzten Sitzung haben wir ein Abschlussgespräch geführt und die letzten 5 Jahre Revue passieren lassen. Wir haben die bisher erfolgten Verbesserungen besprochen und mir noch mal vor Augen geführt, was ich bisher erreicht habe und was mir noch bevorsteht. 
Sie machte mir noch einmal klar, dass es wichtig ist, sich kleine Ziele zu setzen und nicht direkt vom Schlimmsten auszugehen.

(Quelle: http://www.blasernick.ch/Pictures/psychotherapie_eingang_1.jpg)

Für mich persönlich ist dies allein schon eine große Herausforderung, weil ich schon immer der Typ Mensch war, der mit dem Schlimmsten gerechnet hat, um auf jedes Szenario vorbereitet zu sein.

Das kann man sich ungefähr so vorstellen, wie man das zum Beispiel in der Schule gerne getan hat.
Man hat eine Klausur geschrieben und geht direkt davon aus, dass es sicher eine 4 oder 5 geworden ist, um sich dann darüber zu freuen, wenn man doch eine bessere Note erhalten hat. 
Schlimmer wäre es doch gewesen, wenn man direkt mit einem guten Gefühl auf die Klausurrückgabe wartet, um dann zu sehen, dass man schlechter abgeschnitten hat.
Und genau so gehe ich mit den meisten Aufgaben vor, die mir das Leben stellt. 
Ich denke, es ist eine Art Schutzmechanismus, um auf mögliche Enttäuschungen oder Problematiken vorbereitet zu sein?!

Nun ja... des Weiteren musste ich heute noch auf einem Zettel anhand einer Skala angeben, inwieweit mir die Therapie (meiner Meinung nach) geholfen hat. 
Ich gab an, dass mir die Therapie viel gebracht hat, da ich in den Jahren um Einiges besser mit manchen Situationen zurechtkomme, als zuvor.
Als ich damals mit der Therapie begonnen habe, war ich (um es mal nett auszudrücken) ein Wrack.
Ich wusste nicht, was mit mir los ist?! Ich hatte Angst vor der Zukunft, da ich wusste, dass ich meinen eigentlichen Traumberuf nicht mehr ausüben konnte. Ich konnte die Wohnung kaum noch verlassen. Autofahren war nicht mehr möglich und musste erst wieder trainiert werden.
Die Therapie hat mir dabei geholfen, mir neue Ziele zu setzen, einen neuen Beruf zu wählen und in meinem Alltag wieder selbständiger zu sein. 

Sollte jemand einen Punkt im Leben erreicht haben, wo er mit sich oder mit seinem Umfeld nicht mehr zurechtkommt, kann ich eine Therapie nur empfehlen.
Es klingt schlimmer, als es wirklich ist. 
Es gibt keine Couch, auf der man liegt und an die Decke starrt. Man wird zu nichts gezwungen oder merkwürdig behandelt.
Man sitzt einfach nur einer fremden Person gegenüber, welcher man ohne Scham von seinen Problemen erzählen kann. Sie werden wertungsfrei erfasst und man erhält einige Lösungsstrategien, die einem dabei helfen, an seinem Problem zu arbeiten und bestimmte Gedanken neu zu überdenken. 
Man darf nicht davon ausgehen, dass man im Anschluss "geheilt" ist, aber eine Therapie gibt einen Anstoß in die richtige Richtung und öffnet einem die Augen, um die Dinge so zu sehen, wie sie eigentlich sind. 

Ich persönlich bin froh, mich damals für diesen Weg entschieden zu haben. 
Denn Therapie bedeutet nicht, hilflos zu sein, sondern aktiv an sich und seinem Problem zu arbeiten.
Und genau das habe ich getan und werde ich auch weiterhin. 
Diesmal aber mehr in Eigenregie. 

L.H.P.  

Kommentare:

  1. Hallo Peaches,
    ich finde es unglaublich mutig, dass Du hier über Deine Therapie und alles um dieses Thema herum beschreibst. Ich habe auch einige Therapien in meinem Leben gemacht und bisher keine bereut. Ich habe mich selbst dadurch noch besser kennen gelernt und auch mit bestimmten Situationen anders umgehen zu können.
    Ganz viele liebe Grüße Synnöve

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    1. Hallöchen Synnöve,
      vielen Dank für deine lieben Worte. Mich selbst kostet das komischerweise gar keine Überwindung über das Thema zu reden bzw. zu schreiben. Ich habe die Einstellung, dass man heutzutage, wo so offen über Sex gesprochen wird, so etwas "Harmloses" nicht mehr tabu-isiert werden sollte. Es wird leider von vielen Betroffenen totgeschwiegen oder als "Sonderfall" gewertet, was allerdings gar nicht so ist. Es sind so viele Menschen davon betroffen (natürlich mit individuellen Problematiken), wovon man aber eben aufgrund des Tabus nichts weiß. Und das finde ich schade. Man fühlt sich allein, obwohl man Hilfe braucht und das, obwohl es genug "Leidensgenossen" da draußen gibt.
      Therapien sind immer etwas Feines, wenn man sich selbst dazu entscheidet, eine zu machen.
      Ganz liebe Grüße und danke für deinen Besuch :)

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