9. Dezember 2013

Das Kind hat (endlich) einen Namen

Um meine gesundheitliche Einschränkung bei Ärzten, die mich und meine Krankheitsgeschichte zuvor nicht kannten, zu erklären, benutzte ich immer die Bezeichnung "psychisch bedingte Reizblase". 
In der Regel hatte ich auch das Gefühl, dass die Ärzte dann eine ungefähre Vorstellung davon hatten, was ich meine. 

Wie bereits in einem vorherigen Blogpost ("Kurzes Update") beschrieben, hatte ich vor geraumer Zeit eine medizinische Reha beantragt. Der Antrag wurde jedoch vom Versicherungsträger abgelehnt.
So wie ich bereits von meiner Therapeutin und meinem Hausarzt hörte, ist dies wohl das Standardverfahren, um Kosten zu sparen.
Nun ist es meine Aufgabe, innerhalb einer vierwöchigen Frist einen schriftlichen Widerspruch einzureichen, damit mein Sachverhalt erneut geprüft wird. 
Um den Widerspruch so aussagekräftig wie möglich zu belegen, bat ich meine Therapeutin eine Bescheinigung zu erstellen. In dieser Bescheinigung nannte sie natürlich auch den Grund der bisher erfolgten Therapie. 
Ihre Diagnose lautet: Panikstörung (Agoraphobie) und Somatoforme autonome Funktionsstörung

(Quelle: http://www.hypnose-zentrum.com/index.php%3Frex_resize%3D301w__211h__psysom_meridiane.jpg)
Googlet man beide Begrifflichkeiten erhält man folgende Erläuterung: 

  • Die Agoraphobie bezeichnet die Angst vor der Außenwelt und ist die häufigste Form der Angststörung. Ein Patient, der unter dieser Störung leidet, hat Angst vor Situationen, aus denen er nicht flüchten kann oder gar glaubt, die Kontrolle über sich zu verlieren. Als angstauslösende Faktoren werden dabei "peinliche" Symptome wie Schwindel, Übelkeit oder Verlust der Blasenkontrolle empfunden. Die Situationen, die diese Ängste hervorrufen, werden zunehmend gemieden und die Ängste auf Umgebungen übertragen, die bisher keine Angstgefühle auslösten. Es entsteht die sog. Angst vor der Angst
           (Quelle: http://flexikon.doccheck.com/de/Spezial:Mainpage)



  • Somatoforme Störungen bezeichnen körperliche Beschwerden ohne organisch fassbaren Befund. Betroffene unterziehen sich wiederholt medizinischen Untersuchungen und weigern sich meist die Versicherung der Ärzte anzunehmen, dass kein medizinischer Krankheitsfaktor die Art und die Schwere der Symptome erklären kann. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Patienten sich die Schmerzen und Beschwerden nicht einbilden, sondern die Beschwerden tatsächlich bestehen. Genausowenig simulieren die Patienten. Die Symptomatik besteht einfach ohne erkennbare körperliche Ursache und steht häufig mit psychosozialen Faktoren in einem Zusammenhang. 
    •  Die somatoforme autonome Funktionsstörung bezeichnet ein Beschwerdebild, bei dem Symptome im Vordergrund stehen, die auf eine Erkrankung eines vegetativ kontrollierten Organs oder Systems hinweisen (vegetativ bedeutet nicht durch den Willen und das Bewusstsein beeinflusst). Das können beispielsweise Magen-, Herz-, Kreislauf- oder Atembeschwerden sowie Beschwerden des Urogenitalsystems sein.
      • Somatoforme Störungen sind extrem weit verbreitet. In Deutschland erkranken ca. 80% im Laufe ihres Lebens an einer somatoformen Störung. 15% der Bevölkerung sind zum momentanen Zeitpunkt behandlungsbedürftig. Bei Patienten, die in ein Krankenhaus aufgenommen werden, sind ca. 30% von somatoformen Störungen betroffen. Nicht selten bleibt die Störung jedoch unerkannt und somit auch unbehandelt.
                               (Quelle:  https://www.psycheplus.de/wissen/erkrankungen/somatoforme-autonome-funktionsstoerung)


Ich bin froh, jetzt zukünftig auch meine Beschwerden beim richtigen Namen nennen zu können und den Ärzten somit leichter erklären zu können, was ich habe. 
Nach langen 6 Jahren weiß ich endlich, was ich habe bzw. wie es heißt.
Warum erst so spät? Naja, mein Hausarzt weiß bis heute nicht viel damit anzufangen (da ich auch nicht deswegen bei ihm war) und der Psychiater sprach immer von oben genannter "psychisch bedingter Reizblase".
Natürlich ist mir damit nicht geholfen, aber es ist für mich doch eine wichtige Information. 

L.H.P. 



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