23. November 2013

Stell Dich selbst auf die Probe

Um an seinen Defiziten zu arbeiten, gehört oft eine Menge Mut und Geduld
Und natürlich ist es einfach, seine Defizite zu akzeptieren und damit zu leben?! 
Aber wenn man mal genau überlegt, kann sich auch die Arbeit lohnen, seine Komfortzone zu verlassen und für sich neue oder auch altbekannte Wege zu gehen. 

Mein größtes Defizit, welches ich mit der Zeit entwickelt habe, ist, dass ich mich zunehmend in mein Schneckenhäuschen (also meine Wohnung) verkrochen habe und so sehr an mir und meinen Körperfunktionen gezweifelt habe, dass selbst die einfachsten Dinge ausserhalb der Wohnung eine Hürde für mich darstellten. 
Meine gesundheitliche Einschränkung hat mich so sehr im Griff gehabt, dass ich mir Vieles nicht mehr zugetraut habe, was für mich vor einigen Jahren noch alltäglich war. 

Wer bereits ein paar Posts von mir gelesen hat, weiß eventuell auch, dass ich mir in der Vergangenheit zwei Selbsthilfebücher zugelegt habe. 
Ein Bericht dazu erfolgt, sobald ich mit dem Lesen fertig bin (könnte aber noch dauern) ;-)
Worauf ich hinaus möchte... 

(Quelle: http://img.fotocommunity.com/images/Jahreszeiten/Herbst/Spazieren-gehen-a29600242.jpg)

 
... das Buch, was ich zur Zeit lese hat mir dabei geholfen, meine Ängste aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und mir die Augen für neue Strategien geöffnet.
Daher "trainiere" ich fleißig die Situationen, die mir zuvor Angst bereitet haben.
Ich habe mir schon oft vorgenommen, diese Situationen aufzusuchen, habe aber lange Zeit dies vor mir hergeschoben. Dank dem Buch habe ich aber diesbezüglich Mut gefasst und habe bereits mehrfach mich diesen Ängsten gestellt.

Eine meiner aktuellen Übungen ist ... so simpel es auch klingt... das Spazierengehen.
Für mich waren längere Fußwege immer etwas, was ich gemieden habe, da gerade zu Fuß es häufig schlecht ist, schnellstmöglich eine Toilette aufzusuchen. Gerade dann, wenn man sich an Orten befindet, wo man eben keine Toiletten zur Verfügung hat, stehe ich persönlich sehr unter Druck.
Und genau das ist es, was ich jetzt übe... ich ziehe los und gehe... ohne Ziel... 
Die ersten Male war ich doch sehr unsicher und entfernte mich nicht all zu weit von meinem Zuhause. Mir ging es auch weniger darum, weite Strecken zu gehen, sondern darum, mich überhaupt draußen aufzuhalten und in Bewegung zu bleiben. 
Bisher war ich schon einige Male unterwegs und das sogar ohne Panik und besonderen Angstsituationen . Ich merke, dass ich immer sicherer werde, teilweise schon angstfrei bin und mein Radius sich immer mehr ausweitet. 
Ich versuche die Spaziergänge auch mit angenehmen Dingen zu verbinden. 
Bisher habe ich meine Grundschule und meine ehemalige weiterführende Schule besucht. Habe mir die Gegend angeguckt, in der ich aufgewachsen bin und musste feststellen, dass sich in den Jahren so Einiges geändert hat. 

Desweiteren suche ich (Eis-)Cafes auf, begebe mich unter Menschen und versuche meine Gedanken auf die aktuelle Situation zu richten und nicht nur mit mir und meinem Empfinden beschäftigt zu sein. 

Ich habe noch einen weiten Weg vor mir, bevor ich mich wieder ansatzweise gesellschaftsfähig fühlen kann, aber ich habe in den letzten 4 Wochen größere Fortschritte gemacht, als in den letzten 2-3 Jahren. 

Manchmal muss man eben nur ein wenig Mut investieren und nicht all zu viel erwarten. 
Oft wird schon allein der Versuch belohnt.

L.H.P.


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