12. Oktober 2013

Psychotherapie

Nächste Woche habe ich wieder einen Psychotherapie-Termin.
Nicht mehr lange und ich muss auf diese Dienstleistung des Gesundheitssystems verzichten. 
Warum? Weil die Krankenkasse nur eine begrenzte Anzahl an Sitzungen übernimmt. 
Laut Aussage meiner Therapeutin werden die Sitzungen in Blöcken von der Krankenkassen übernommen.
Der erste Block beinhaltet 25 Sitzungen und kann von jedem in Anspruch genommen werden.
Wenn diese Sitzungen genutzt wurden, muss die Therapeutin / der Therapeut einen Bericht an die Krankenkasse schicken, wo geprüft wird, ob weitere Sitzungen genehmigt werden können. 
Sollte deren Urteil positiv ausfallen, wird ein weiterer Block mit 20 Sitzungen genehmigt. 
Wenn nun auch diese Sitzungen "verbraucht" wurden und der Patient benötigt weiterhin die psychotherapeutische Unterstützung, schreibt die Therapeutin / der Therapeut erneut einen Bericht, welcher von einem Gutachter abgesegnet werden muss. Sollte dieser sein OK für weitere Sitzungen geben, werden weitere 15 Sitzungen genehmigt und von der Krankenkasse übernommen.
(Quelle: http://de.123rf.com/photo_1658365_auf-alten-karte-kompass.html)
Im Anschluss hat man nur noch einmal im Quartal Anspruch auf einen Termin bei der Psychotherapie (sollte man die Kosten nicht selbst übernehmen wollen). 
Erst nach 2 Jahren hat der Patient wieder die Möglichkeit Sitzungsblöcke anzufordern.


Ich befinde mich aktuell im Sitzungsblock 3. Das heisst, ich habe weitere 15 Sitzungen genehmigt bekommen.
Jedoch ist das Ende meiner Therapiezeit in greifbarer Nähe. Noch 3 Sitzungen sind verblieben und ich habe ein wenig Angst vor der Zeit, wo ich ohne Therapie zurechtkommen muss. Schließlich begleitet mich meine Therapeutin nun seit 5 Jahren. 
Sie hat in dem Sinne alle wichtigen Lebensereignisse mitverfolgt.
Den Abbruch meiner Ausbildung, die Suche nach etwas Neuem, die unerträglichen 3 Jahre meiner zweiten Ausbildung, die Hochzeit meines Bruders, die Trennung von meinem Exfreund, der Auszug... und vieles mehr. Auch wenn es ihr Job war,... sie war da, wenn ich Jemanden brauchte.

Mein Vorteil ist jedoch, dass ich nie eine engmaschige Therapie hatte. Ich war nicht regelmäßig dort, sondern sah sie immer in Abständen von 4-8 Wochen. 
Aber es tat mir immer gut, jemanden zu haben, dem man ohne Vorbehalte alles sagen konnte. Jede Angst, jede Befürchtung ... man muss sich nicht zurücknehmen und kann so sein Leben und seine Situation aus einem anderem Blickwinkel betrachten. 
Natürlich hab ich die Möglichkeit sie zukünftig zu kontaktieren. Aber ich kenne mich ... ich würde/werde es nicht tun.

Jeder, der darüber nachdenkt, ob er eine Therapie machen soll, kann ich dies nur empfehlen.
Man sollte nicht mit dem Gedanken in eine Therapie gehen, dass man im Anschluss "geheilt" ist, aber es hilft einem Dinge bewusster wahrzunehmen und daran zu arbeiten. 

Die Therapie gibt einem quasi eine Karte und einen Kompass in die Hand... aber den Weg muss man am Ende doch alleine gehen. 

L.H.P.


Kommentare:

  1. Liebe Peaches,
    Ich habe vor einiger Zeit auch mit einer Psychotherapie begonnen und direkt 45 Sitzungen genehmigt bekommen.
    So eine Psychotherapie hilft einem wirklich sehr weiter und ich würde sie auch jedem empfehlen, egal ob jung oder alt

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    1. Ich finde es immer gut, wenn man sich eingesteht, dass man Hilfe braucht und sich jemanden sucht, der helfen kann. Und da eine Psychotherapie eine durchaus (körperlich) schmerzlose Angelegenheit ist, sollte die Gesellschaft ihre Scheu davor verlieren.

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    2. Das sehe ich genauso, nur wenn dann jemand Wind davon bekommt heißt es sofort "Bei der im Kopf stimmt was nicht".

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    3. Das ist ja auch genau der Grund, warum ich mich entschieden habe, einen Blog zu erstellen. Ich will Leidensgenossen ermutigen, offener mit ihrer Problematik umzugehen. Ich möchte Nicht-Betroffene darüber aufklären. Ich möchte einfach, dass so etwas nicht mehr totgeschwiegen wird. Die Gesellschaft verliert immer mehr die Scham davor, sich öffentlich über Sex zu äußern. Aber alles, was mit der Psyche zutun hat, ist tabu???
      Das versteh ich einfach nicht?! Burn-out ist eine der einzigen Erkrankungen, die offen thematisiert werden. Und das finde ich schade.
      Aber wenn man versucht einen Termin mein Psychotherapeuten zu bekommen, merkt man ja schon, wie lange die Wartezeiten sind. Das heißt, die Nachfrage ist riesig.
      Nur spricht eben niemand darüber...
      Dabei möchte man sich ja eigentlich nur verstanden fühlen.

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