1. Oktober 2013

Der Spielraum des Lebens...

Oft kommt es in meinem Leben vor, dass ich vor manchen Dingen zurückschrecke, nur weil ich meine, ich könnte sie nicht bewältigen. 
(Auch, wenn ich bereits Gegenteiliges in "Das bewusste Überschreiten von Grenzen" geschrieben habe...  jeder Tag gestaltet sich eben anders).

Häufig ist es so, dass ich Verabredungen absage oder den Mut nicht aufbringe, einige Dinge zutun (gerade dann, wenn sie nicht zwingend erforderlich sind).
Und dann kommen meine berüchtigten Sätze wie "Ich kann das nicht" oder "Das geht nicht".
Natürlich fühle ich mich schlecht dabei und frage mich auch jedesmal, ob ich es nicht vielleicht doch schaffen würde?! Aber anstatt es zu versuchen, verkrieche ich mich lieber in meinem Schneckenhaus und belasse es, wie es ist. 
Ich denke, dass es vielen Menschen so geht, nur das es bei mir die einfachsten Dinge der Welt sind. 


Ein kleines Beispiel:

Ich habe noch etwas in der Stadt zu erledigen. Jemand fragte mich, ob ich nicht mit in die Stadt fahren wollte, denn die Person hatte dort noch eine Kleinigkeit zu erledigen. 
Es hätte sich also angeboten, das eine mit dem anderen zu verbinden. 
Aber meine Gedanken drehten wieder Karusell. Ich befürchtete, dass die Person für ihre "Kleinigkeit" doch länger brauchen würde. Abgesehen davon lagen beide Ziele relativ weit von einander entfernt. Ich hatte die Befürchtung zwischendurch auf Toilette zu müssen, mich wieder erklären zu müssen und eventuell in eine Zwangslage zu geraten, die ich am Liebsten umgehen wollte. 

Statt es einfach auszuprobieren, habe ich mal wieder gekniffen.
Nicht meine Erkrankung, sondern ich selbst stand mir wieder im Weg und gerade das ist es, was mich dann so sehr ärgert.
Und gerade das sind die Situationen (die ich bereits in beschrieben habe), in denen ich mir Jemanden wünschen würde, der mich an die Hand nimmt und sagt "Komm, wir schaffen das".
Das kann ein Familienmitglied, ein Partner, ein Therapeut ... sein.
Mir ist bewusst, dass auch das möglicherweise Druck auf mich ausübt, aber vielleicht brauche ich genau diese Art von Druck, um Hürden wie diese zu überwinden?!

Ich beneide die Menschen, die einfach Dinge ausprobieren, ohne sich vorher verstörende Gedanken zu machen. Die sich einfach in das unbekannte Abenteuer stürzen und es auf sich zukommen lassen. 
Auch vor meiner Erkrankung war ich nicht dieser Typ Mensch. Wie bereits in einem meiner vorherigen Posts beschrieben ("Geduld"), war ich immer der jemand, der alles vorab planen musste. Spontanität war/ist ein Fremdwort.
Aber gerade jetzt, wo ich noch mehr als bisher auf äußere Einflüsse achte, fällt mir auf, wie unflexibel ich in solchen Angelegenheiten geworden bin. Ich schaffe es, den kleinen Spielraum, den ich zum Leben habe, noch kleiner zu gestalten. 
Und das ist es, was ich zukünftig ändern muss. 
Das heißt Mut fassen und einfach Dinge ausprobieren, ohne vorab schon zu sagen "Das geht nicht" oder "Das kann ich nicht".

Und vielleicht ist es auch das, was wir alle uns manchmal einfach zugestehen sollten.

Den Horizont erweitern, in dem man neue Dinge ausprobiert. 
Denn jeder entscheidet für sich, wieviel Spielraum er sich eingesteht. 

In diesem Sinne...

L.H.P.







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