16. September 2013

Ein bisschen Normalität...

Ab und an gibt es Tage, an denen ich meine gesundheitliche Einschränkung kaum bis gar nicht spüre.
Das sind die Tage, an denen ich mich "normal" und frei fühle.
Meist ist es so, dass ich mir zuhause bereits Gedanken über das Bevorstehende mache und einige mögliche Szenarien in meinem Kopf durchspiele. Wenn ich jedoch in der entsprechenden Situation bin, merke ich oft, dass es gar nicht so schlimm ist, wie zuvor erwartet und kann den Moment der Normalität genießen
Gerade dann ist es wichtig für mich, den Moment bewusst wahrzunehmen.
Wie bereits zuvor beschrieben, halte ich solche Situationen in einem Buch fest, um mich an "schlechteren Tagen" an diese kleinen Erfolgserlebnisse zu erinnern.


Da ich das Buch erst seit Ende 2012 führe, ist dort der erste Eintrag von Dezember 2012.


Ich besuchte das erste Mal nach knapp 4 Jahren den Weihnachtsmarkt. 

Wer mich kennt, weiß, wie sehr ich die Weihnachtszeit liebe. Dementsprechend war der Besuch des Weihnachtsmarktes für mich immer ein Pflichtprogramm. Die letzten Jahre habe ich aufgrund meiner Unsicherheit jedoch darauf verzichten. Nicht so letztes Jahr. 
Da ich zuvor auch längere Zeit die Innenstadt mied, war für mich erstaunlich zu sehen, wie viel sich in dieser Zeit doch verändert hat. Es war natürlich (wie so oft zur Weihnachtszeit) ziemlich voll. Aber die vielen Menschen stellten an diesem Tag kein Problem für mich dar.
Es war einfach ein gelungener Tag, an den ich mich gerne erinner. 

Ein weiteres Erfolgserlebnis entwickelte sich durch eine kleine "Mutprobe".
Es war ein sonniger Tag im April und irgendwie hatte ich das Bedürfnis, etwas zu tun, was ich schon lange nicht mehr getan hatte. Ich wollte mal wieder raus. Raus aus der Stadt und einfach den Kopf frei bekommen.
Ich setzte mich also ins Auto und fuhr los. Ohne Navigationsgerät und ohne Karte.
Ich hatte keine Ahnung, wohin es gehen sollte und hatte dementsprechend auch keinerlei Sicherheiten, ob es dort (wohin es mich auch führen sollte) Möglichkeiten gab, eine Toilette im "Notfall" aufzusuchen. 
Ich hatte lediglich etwas zu Trinken dabei, aber sonst keine Vorbereitungen für diesen Ausflug getroffen.
Komischerweise war ich überhaupt nicht nervös und machte mir gar nicht die typischen Gedanken, die ich mir sonst immer mache. 
Erst führte mich die Fahrt durch die Stadt... bis ich irgendwann auf einer Landstraße im Nirgendwo landete. 
Weit und breit keine Autos, keine Häuser oder Menschen. Nur Felder, Wiesen und Kühe. Ich war knapp 1 1/2 Stunden unterwegs und es war wirklich großartig. Ich habe jede Minute bewusst genossen und verspürte keinerlei Unsicherheit. 

Natürlich sind noch weitere Erfolgserlebnisse in meinem Buch vermerkt (wie z.B. überstandene Vorstellungsgespräche, Arztbesuche, Gartenarbeiten, Teamtreffen...), aber diese Beiden verdeutlichen gut, dass meine Problematik eine reine Kopfsache ist. Ich kann nicht genau sagen, welche Einflussfaktoren eine Rolle spielen.
Ich weiß nur, dass diese beiden Tage nicht vorgeplant waren. Ich war spontan, hatte Lust dazu (auch, wenn sie mich trotzdem Überwindung gekostet haben) und es ging mir gut. 
Vielleicht lag es auch daran, dass es zwanglos war. Ich hätte jederzeit die Möglichkeit gehabt, nach Hause zu fahren und wäre dafür niemandem Rechenschaft schuldig gewesen (außer mir selbst!).
Möglicherweise war dies auch möglich, weil ich wusste, dass da jemand ist, der mich unterstützt und motiviert. 
Ich konnte von meinem Erfolgserlebnis berichten und wusste, dass mich jemand versteht und sich mit mir freut. 

Wie gesagt ... welche Einflussfaktoren dazu führen, dass ich mich manchmal einfach frei und "normal" fühle, kann ich nicht genau sagen. 
Aber solange es solche Momente gibt, gebe ich die Hoffnung auf eine vollständige Genesung nicht auf. 

Und selbst, wenn ich mal einen schlechten Tag habe, soll dies mich nicht entmutigen. 
Denn nicht jeder Rückschlag ist automatisch ein Rückschritt.
Und auch Menschen, ohne besondere Einschränkungen, haben schlechte Tage...

L.H.P. 


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