2. September 2013

Der ewige Gedankenkreislauf und seine Auswirkung

Ich sitze im Wartezimmer einer Arztpraxis... ich spiele heute Fahrdienst für meine Mutter, da es ihr aufgrund eines Unfalls nicht möglich ist, selbst zu fahren ... ich sitze nun dort, warte darauf, dass meine Mutter aus dem Untersuchungszimmer des Arztes kommt und schaue aus dem Fenster. 
Mehrere Autos fahren an dem Haus vorbei. Auf dem Dach des Gebäudes auf der anderen Straßenseite sitzen 3 Vögel. Der Himmel ist ziemlich bewölkt. 2 Kinder laufen über die Straße und es scheint, als hätten sie es eilig. Ich beobachte dieses ganze Szenario aus der 2ten Etage eines Ärztehauses. 
Das Wartezimmer ist leer. Nur ich, sonst niemand dort. Eine friedliche Stille. 
Und zack ... plötzlich ... da ist es wieder. Ein Gefühl, das zu einem Gedanken führt. Ein Gedanke, der viele weitere Gedanken mit sich zieht. Und alles dreht sich nur um die Frage, ob ich das Bedürfnis verspüre auf Toilette zu gehen. 
Einen Gedanken daran zu verschwenden, halte ich noch nicht für etwas ungewöhnliches. 
Ich gehe mal davon aus, dass (gerade Frauen) schon mal ab und an sich diese Frage stellen.
Höchstwahrscheinlich stellen sie sich diese Frage, beantworten sich diese innerlich mit einem "Japp, ich geh mal besser." oder "Nö, noch gehts" und schon ist das Thema erledigt.
Bei mir ist es jedoch so, dass nach dieser simplen Frage, nach diesem vereinzelten Gedanken, sich mehrere Szenarien in meinem Kopf abspielen. 

(Quelle: http://susi--sorglos.blogspot.de/2010_06_01_archive.html)
Es ist schwierig, diesen Gedankenkreislauf in Worte zu fassen, da sie sich verselbstständigen und mit einem Gefühl der Unsicherheit einhergehen. 
Aber ich versuche es mal zu verdeutlichen....

"Hmm... muss ich? Eigentlich nicht....noch nicht. Aber wenn ich jetzt nicht gehe, dann könnte es passieren, dass ich auf dem Rückweg muss.......Und so wie man es kennt, sind gerade dann alle Ampeln rot...... Vielleicht möchte meine Mutter auch noch einen Umweg machen, um ein paar Dinge zu erledigen?! Und gerade dann muss ich wahrscheinlich...... Ob es dann wohl die Möglichkeit gibt zu gehen? ....Vielleicht sollte ich doch jetzt gehen?! .....Aber wenn ich jetzt gehen würde und meine Mutter braucht noch länger bei der Untersuchung, dann müsste ich später wahrscheinlich schon wieder?!....... Dann geh ich besser kurz bevor wir gehen. Halte ich das noch so lange aus? Hmmm... wo ist hier eigentlich die Toilette? Hoffentlich ist die nicht gerade dann besetzt?! ..... Oder soll ich vielleicht doch jetzt gehen? Dann hätte ich es aus dem Kopf! ...."

So ungefähr kann  man sich das vorstellen, was sich in solchen Situationen in meinem Kopf abspielt. Natürlich ist das Ganze etwas übertrieben, aber es ist auch sehr schwierig, das Ganze in Worte zu fassen. 
Diese Gedanken ziehen so rasend schnell vorbei und verursachen in wenigen Sekunden eine innerliche Anspannung, welche dazu führt, dass das Bedürfnis zu gehen am Ende doch so stark ist, dass ich nachgebe und eine Toilette aufsuche. 
Oft genug, versuche ich diesen Gedankenkreislauf zu unterbrechen, in dem ich mich ganz gezielt auf etwas anderes konzentriere. 
Leider ist es dann meist zu spät, weil der Kopf vielleicht zutun hat, aber die vorherigen Gedanken schon so eine innerliche Unruhe hervorgerufen haben, dass es schwer ist, die somatischen Anzeichen zu ignorieren. 
Und genau das ist es, was mein Ziel ist ... gar nicht erst diese Kettenreaktion hervorrufen, sondern direkt an etwas anderes denken. Nur ist dies nicht so einfach. 
Denn wenn man bewusst versucht an etwas anderes zu denken, hat man ja doch schon daran gedacht... 

Ein Positives hat das Ganze ja ... ich weiß, wo ich anknüpfen muss, um in langsamen Schritten ans Ziel zu kommen. 
Ich gebe also nicht auf ....

L.H.P.


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